Geschichte - Der aus Neustadt/Aisch stammende Beamte machte in der fürstlichen Verwaltung Karriere / Leiter der „Liedertafel“ Konrad Eitel bereicherte die Stadt

Von 
Erich Langguth
Lesedauer: 
Konrad Eitel (1820 bis 1900). © Sammlung Langguth

Konrad Eitel übte großen Einfluss auf die Kultur in Wertheim aus. Er leitete die „Liedertafel“ und machte Karriere in der fürstlichen Verwaltung.

AdUnit urban-intext1

Wertheim. Zu den Personen, die in und für Wertheim im 19. Jahrhundert Bedeutendes geleistet haben, jedoch so gut wie vergessen sind, gehört Konrad Eitel, langjähriger Vorstand der „Liedertafel“ und fürstlicher Beamter. Schon der Nachruf auf ihn, der am 15. April 1900 in der „Wertheimer Zeitung“ erschien, war – wie damals üblich – knapp und in zweifacher Hinsicht sogar irreführend. So, wenn es heißt, sein Heimatland sei Böhmen gewesen und er sei 1845 als Hauslehrer des Erbprinzen Adolf zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg hierher berufen worden.

Gediegene Ausbildung

Die Wiege Konrad Eitels stand vielmehr in Neustadt/Aisch, wo er vor 200 Jahren, am 2. September 1820, geboren wurde. Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen, seine Eltern waren die Webereheleute Johann Georg Eitel und Anna Maria, geborene Kögler.

Sie müssen ihm aber eine gediegene Ausbildung ermöglicht haben. Nachrichten darüber fehlen, aber der Raum Nürnberg und Fürth konnte dabei eine Rolle gespielt haben, zwei Städte, mit denen auch Erbprinz Adolf in enger Verbindung stand, war dieser 1805 doch selbst in Nürnberg geboren.

AdUnit urban-intext2

Es steht außer Frage, Konrad Eitel kann 1845 bei dem damals bereits 40 Jahre alten Erbprinzen nicht zum Hauslehrer berufen worden sein. Etwas Wahres enthält die Überlieferung allerdings, denn Eitel hatte Anstellung als Hofmeister bei dem Erbprinzen gefunden.

Dies geht aus der Teilnehmerliste der Wertheimer „Liedertafel“ beim ersten deutschen Sängerfest 1845 in Würzburg hervor. Eitel sollte schon damals als Vorstand die „Liedertafel“ geleitet haben, denn die zum hundertjährigen Bestehen der Gesellschaft 1925 erschienene Festschrift gibt ihn in der Vorstandeigenschaft für die lange Dauer von 1844-1891 an. Damit hätte er diese verantwortungsvolle Aufgabe im Alter von 24 Jahren übernommen.

AdUnit urban-intext3

Musikalische Begabung und Begeisterung müssen ihm mitgegeben und lebenslange Begleiter gewesen sein. Auch wenn Selbstzeugnisse von Eitel fehlen, lassen sich Hinweise doch mehrfach aus Schlaglichtern gewinnen.

AdUnit urban-intext4

Schon seine Heirat am 9. Oktober 1847 lässt aufhorchen. Die Auserwählte Elisabetha Friederika Engert kam aus hochmusikalischer Familie. Urgroßvater Johann Peter Engert und Großvater Ferdinand Carl Engert waren Stadtmusici gewesen; Letzterer († 1812) hatte es sogar zum Löwenstein-Wertheim-Freudenbergischen Musikdirektor gebracht.

In zwanzig Jahren sind dem Ehepaar acht Kinder beschieden gewesen; die Mutter starb 1867 an den Folgen der letzten Geburt. Bezeichnend ist, dass sich unter den Paten der Kinder 1850 der Frankfurter Theatersänger Friedrich Caspari befindet und 1865 die Frau desselben, der zu dieser Zeit als Opernsänger in Würzburg gastierte.

Einweihung der Mainbrücke

Ein Höhepunkt im Dienst der Musik waren zweifellos die Feierlichkeiten aus Anlass der Eröffnung der Mainbrücke am 2. Juli 1882. Als am Vorabend der badische Ministerpräsident, Staatsminister Ludwig Turban, nach seinem Eintreffen im „Badischen Hof“ Wohnung genommen hatte, stimmte die „Liedertafel“ zum Auftakt ein Ständchen mit mehreren Gesangsstücken an, und Vorstand Eitel konnte im Salon mit einer Rede und dreifachem Hoch den ersten Toast auf den hohen Gast ausbringen.

Bei der Brückeneinweihung tags darauf kam es wiederum den vereinigten Gesangvereinen von Wertheim und Kreuzwertheim zu, unter Eitels Direktion und unter Musikbegleitung nach Turbans Rede dem Fest „mit Kraft und Feuer“ Glanz zu verleihen.

Konrad Eitel war bereits 1845 in die fürstliche Verwaltung übernommen worden, als Revisionsassistent in die Finanzabteilung, in der er ab 1851 als Revisor die Oberaufsicht führte. Nach dem Tod des Fürsten Adolf berief ihn Fürst Wilhelm zum Kabinettssekretär und alsbald zum Kabinettsrat, bis man ihm schließlich als Domänenkanzlei-Direktor die Leitung der gesamten Verwaltung anvertraute. In der Eigenschaft als Domänendirektor ist er am 13. April 1900 gestorben.

Zu Hause in der Eichelgasse

Als Wohnsitz hatte Eitel Haus Eichelgasse 51 vom 1854 gestorbenen Schwiegervater Engert übernommen. Hier führte er am 3. August 1869 Caroline (Lina) Magdalene, Tochter des hiesigen, aus Neckargemünd stammenden Gerichtsnotars Heinrich Moser, als zweite Frau heim.

Die beiden Töchter Dora (* 1871) und Clara (* 1877) sowie ein Sohn gingen aus dieser Ehe hervor. Als 1874 die Kinder erster Ehe das Anwesen Eichelgasse 51 verkauften, bezog die Familie eine Dienstwohnung nebenan im ehemaligen „Löwensteiner Hof“ (heute „Badische Bank“).

Tochter Dora setzte das musikalische Erbe des Vaters fort. Sie etablierte sich als Klavierlehrerin. Ein Bericht der „Wertheimer Zeitung“ vom 3. Mai 1898 bezeichnet sie als „Künstlerin“ und das in der „Kette“ veranstaltete Konzert ihrer Instrumentalklasse als „erfreulich zufriedenstellend“, auch wenn es in der Theorieprüfung „einige Böcke“ gab.

Dora Eitel setzte ihre pädagogische Arbeit fort bis zu ihrer Heirat 1907 mit Major Karl Hotz. Dieser erwarb im Ruhestand in Tübingen den „Dr. phil.“, ließ sich aber bei Kriegsausbruch 1939 als Oberstleutnant reaktivieren. Nach Ende des Frankreichfeldzugs wurde er Stadtkommandant von Nantes.

Hier fiel er am 20. Oktober 1941 einem Attentat zum Opfer, obwohl er nicht als gnadenloser Scharfmacher bekannt war. Seine Bücherei und einen Großteil seines Vermögens hatte er als „Karl und Dora Hotz-Stiftung“ dem Historischen Verein der Vaterstadt vermacht. So lebt auch ein Stück Eitel in der Erinnerung fort.