Corona-Krise - Antonia und Emilia Bentink wollen mit ihren Bastelarbeiten anderen Menschen eine kleine Freude bereiten und sie zum Nachahmen animieren Kleines Glück zum Mitnehmen

Von 
Heike Barowski
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Eine Hasenbox oder eine Kerze der Hoffnung – Emilia (links) und Antonia stellen ihre gebastelten Sachen einfach an den Straßenrand zum Mitnehmen und bereiten auf diese Art den Passanten eine kleine Freude. © Heike Barowski

Antonia und Emilia Bentink wollen mit Bastelarbeiten anderen Menschen kostenlos eine Freude bereiten und haben einen Gabentisch aufgebaut, an dem sich jeder bedienen kann.

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Bestenheid. Emilia und Antonia Bentink sind elf Jahre alt und gehen in die fünfte Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums. Seit zwei Wochen allerdings sind die Zwillinge zuhause und erledigen von dort aus ihre schulischen Aufgaben. Auch am Nachmittag können die beiden Mädchen ihren üblichen Gewohnheiten nicht nachgehen, keine Freundinnen treffen, einkaufen gehen oder Sport machen, nichts geht mehr. Doch an Langeweile leiden die beiden nicht. denn sie entwickelten eine Möglichkeit, in dieser schweren Zeit den Mitmenschen ein wenig Glück zu schenken.

Mitgebracht hatte die Anregung ihre Mutter Marina Swiegot-Bentink aus einer Müttergruppe in Trennfeld. Dort beschenken sich die Frauen gegenseitig, indem sie Kleinigkeiten basteln und den anderen Frauen vor die Tür stellen.

„Wir fanden die Idee ganz toll, wollten aber etwas für die Allgemeinheit machen“, sagt Antonia, und Emilia ergänzt, dass es in der Nähe viele ältere Menschen gibt und vor allem viele Spaziergänger, die an ihrem Wohnhaus vorbeikommen.

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Und genau die wollen die Mädchen mit einer Kleinigkeit glücklich machen. Seit mehr als einer Woche basteln Emilia und Antonia verschiedene Kleinigkeiten, die sie auf zwei kleinen Tischchen direkt vor ihrem Haus aufbauen und oft unbeobachtet stehen lassen. Wer mag, kann sich im Vorbeigehen kostenlos etwas mitnehmen.

Ein Schutzengel

Da gibt des beispielsweise den Spruch des Tages, fein säuberlich auf ein Stück Papier geschrieben, zusammengerollt und mit einem Bändchen versehen. Flache Kiesel haben Emilia und Antonia vor dem Haus aufgesammelt und sie bunt bemalt, beispielsweise wie ein Marienkäfer. Der Stein soll so dem zukünftigen Eigentümer als Schutzengel dienen.

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Los ging das Ganze übrigens mit gefalteten Papierbooten, die an eine Bibelstelle erinnern. Und jeden Tag kommt etwas Neues dazu. Dabei denken die Kinder nicht nur an Erwachsene. Für jüngere Kinder haben sie Bögen mit Mandalas ausgedruckt, welche die Kleinen mitnehmen und zuhause ausmalen können.

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„Voraussetzung für all die kleinen Gaben ist, dass kein Material extra eingekauft werden muss, sondern wir alles zuhause haben“, erklärt Marina Swiegot-Bentink. Dass die Mutti stolz auf ihre beiden Mädchen ist, versteht sich von selbst.

Und die Kreativität der beiden kennt keine Grenzen. Aus halben Eierschalen sind kleine Osternester entstanden, und gerade basteln Emilia und Antonia Osterhäschen, in deren Bauch man Kleinigkeiten verstecken kann. Etwa 15 Minuten brauchen Emilia und Antonia für solch eine Häschen-Box.

Stolz sind die Mädchen vor allem auch auf ihre „Kerze der Hoffnung“ – ein kleines Teelicht in einer Tüte verstaut, dass bunt beklebt ist und nach dem Abbrennen am Boden einen Spruch freigibt. Natürlich haben sich die Zwillinge für die Osterwoche etwas Besonderes ausgedacht. So soll es unter anderem einen Zweig geben, an den österliche Anhänger gebunden sind.

Die Tische stehen übrigens den ganzen Tag draußen, so dass jeder Passant sich kostenlos bedienen kann. Das sorgt jedoch oft für Verwirrung, wie die Mädchen berichten. Wenn sie in der Nähe sind, beispielsweise beim Inlinerfahren, werden sie auch schon mal nach der Spendenbox gefragt. Manche legen einfach einen kleinen Obolus auf den Tisch. Auch eine Dankeschön-Karte war schon dabei, auf der der Absender zum Ausdruck brachte, wie toll er diese Aktion findet.

Das Geld, das Emilia und Antonia bisher eingenommen haben, wollen sie spenden. Allerdings wissen sie noch nicht wem, denn genau wie ihre Mutter hatten sie nicht damit gerechnet, dass sich Menschen auf diese Art bedanken würden.

Inzwischen spricht sich langsam im Stadtviertel herum, dass es in der Straße Am Eichamt einen Gabentisch mit Schutzengeln und Glücksbringern gibt.

Eine Mitarbeiterin der Sozialstation hat schon Halt gemacht und für ihre Patienten ein paar Geschenke mitgenommen.

Eine Überraschung

Das haben Emilia und Antonia mit großem Interesse registriert. „Wir wollten einfach den Menschen in dieser schweren Zeit eine Freude machen und wollen, dass sie eine kleine Überraschung haben“, sagt Antonia. Obendrein hätten Erwachsene und Kinder einen Grund, nun hier vorbeizukommen und würden sich dadurch automatisch an der frischen Luft bewegen. Emilia ergänzt: „Außerdem wollen wir viele Menschen inspirieren, es auch so zu machen.“ Voller Stolz kann sie erzählen, dass ihre Freundin in Nassig die Idee aufgegriffen hat.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim