AdUnit Billboard
Konzert - Musik des 1750 in Würzburg geborenen Komponisten Johann Franz Xaver Sterkel und von Franz Schubert auf zwei Hammerklavieren

Klangbilder wie leichte Farben

Von 
Carsten Klomp
Lesedauer: 
Michael Günther zeigte einmal mehr, welche neuartigen Klangbilder in einem Hammerklavier stecken. © Carsten Klomp

Beim Schlosskonzert Homburg stellte Michael Günther zwei Hammerflügel aus seiner Sammlung vor.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Homburg. Größer könnte der Kontrast kaum sein. Außen, vor dem Schloss ein Vereins-Sommerfest mit Würstchenduft und eher volksnaher Musik. Innen der angenehm temperierte, leicht abgedunkelte Stucksaal, in dem sich die meisten Konzertbesucher so zu Hause fühlen, dass sie beim Betreten des Raumes die bereits Anwesenden grüßen.

Zu Gast beim Schlosskonzert Homburg am Main: der musikalische Hausherr Michael Günther stellt zwei besonders schöne Hammerflügel aus seiner Sammlung vor. Die coronabedingte Platzreduzierung im Saal sorgt dafür, dass das Konzert zweimal wiederholt werden muss.

Optisch eher an allerdings große Cembali erinnernd, stehen die Hammerflügel den modernen Klavierinstrumenten eigentlich näher als dem barocken Cembalo.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Anschlagen der Saiten

Anders als bei diesem, wird der Ton auf dem Hammerflügel nicht durch das Anreißen, sondern wie beim modernen Konzertflügel oder Klavier durch das Anschlagen der Saiten erzeugt.

Die Bauweise des Corpus jedoch, in der Regel ohne gusseisernen oder gar stählernen Rahmen, führt dazu, dass die Saiten deutlich weniger straff gespannt werden können, wodurch der Klang der Instrumente wesentlich zarter und weniger voluminös als der moderner Instrumente ist – ideal für einen Raum von der Größe des Stucksaales im Homburger Schloss.

Ideal auch für die Interpretation der von Günther dargebotenen Stücke, die jeweils auf eines der beiden Instrumente abgestimmt war: Musik des 1750 in Würzburg geborenen Komponisten Johann Franz Xaver Sterkel spielt Günther auf dem 1785 in Wien erbauten Hammerflügel von Ferdinand Hofmann, Franz Schuberts Werke hingegen bietet er auf dem deutlich moderneren Hammerflügel aus dem Jahre 1815 dar. Zu dieser Zeit war Schubert gerade 17 Jahre alt und hatte nur noch 13 Jahre Zeit zum Komponieren.

Michael Günther kennt sein Publikum vielfach auch namentlich und stellt zunächst die Provenienz und Geschichte des jeweiligen Instrumentes vor, bevor er die Flügel zum Klingen bringt.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

Auch wenn die Instrumente nicht an das Klangvolumen moderner Klaviere heranreichen, in puncto Klangfarben sind sie jedem Konzertflügel weit überlegen. Mit jeder dynamischen Stufe, die Günther sämtlich ausnutzt, ergeben sich andere Klangbilder, angefangen bei schwebend leichten Farben (ganz entzückend in Sterkels a-moll Fantaisie dargeboten) bis hin zu fernem Donnergrollen wie in Schuberts Es-Dur Allegretto.

Überhaupt waren die Schubert-Stücke, auch wenn es hier im dritten der „Moments musicaux“ zu leichten Irritationen beim Pianisten durch die von außen herein dringenden Volksfest-Klänge kam, auf dem vom Stuttgarter Klavierbaumeister Haug erbauten Instrument die schönste Entdeckung des Abends. Erst auf solch einem Instrument kann man Schuberts Musik überhaupt verstehen. Hier entwickelt sie hochromantische, teilweise, wie im Zweiten der in Schuberts Todesjahr komponierten „Drei Klavierstücke“, geradezu impressionistische Farben und Charaktere.

Den Abschluss des Abends bildete Friedrich Kuhlaus Rondo über die „Champagnerarie“ aus Mozarts Don Giovanni. Für den Beifall bedankte sich Günther mit einem Kreusser-Walzer über eine „alte deutsche Melodie“ bevor er sein Publikum ganz persönlich auf dem Weg nach draußen verabschiedete.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1