Wintereinbruch - Schnee lockt Mädchen und Jungen zum Schlittenfahren nach draußen / Landratsamt weist auf Kontaktbeschränkungen hin Kinder toben im Winterwunderland

Schneebedeckte Hügel verwandeln die Region in ein Eldorado für Schlittenfans. Dank vielfältiger Möglichkeiten bleibt dabei trotzdem der in der Corona-Pandemie nötige Abstand gewahrt.

Von 
Birger-Daniel Grein
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Schlittenfahren macht großen Spaß. So wie die Geschwister Leonie und Mila aus Freudenberg hat jeder seinen Lieblingsplatz dafür. © Birger-Daniel Grein

Wertheim/Freudenberg. Kälte und glitzernder weißer Schnee bringen aktuell die Augen der Kinder zum Strahlen. Was gibt es für den Nachwuchs Schöneres, als nach draußen zu stürmen und mit Schlitten oder Mini-Snowboard einen Hang hinunter zu sausen? Dazu haben die Jungen und Mädchen ihre ganz persönlichen Lieblingsplätze, die sie uns im Gespräch verraten. Außerdem berichten sie über ihren Lieblingsschlitten und darüber, ob das Homeschooling bei dem aktuellen Wetter Vorteile hat.

Zugefrorene Gewässer bergen Gefahren



  • Die Wasserretter der DLRG Freudenberg weisen auf die Gefahren zugefrorener Gewässer hin.
  • Das Betreten der Eisfläche sei im Moment eine zu große Gefahr, da die Seen und Flüsse noch nicht richtig zugefroren sind, um darauf zu gehen. Die Rettungsorganisation betont: „Generell gilt: Ein zugefrorenes Gewässer sollte immer erst dann betreten werden, wenn es offiziell dafür freigegeben ist.“
  • Weiter erklärt die DLRG, die Eisdecke sei zwar vielerorts schon mehrere Zentimeter dick, dennoch können Lufteinschlüsse oder wärmere Strömungen unter der Eisdecke die Stabilität des Eises erheblich verringern. Auch Schnee und bewachsene Uferzonen veränderten die Tragfähigkeit. Erst ab einer Eisdicke von ungefähr 15 Zentimetern, bei fließenden Gewässern sogar mindestens 20 Zentimeter, könne die Eisfläche sorglos genutzt werden.
  • Grundsätzlich sollten sich Wintersportler nur an bewachten Gewässern und nie allein auf das Eis wagen.
  • Wichtig ist auch das richtige Reagieren im Notfall. Knackt das Eis, soll man sich sofort flach auf den Bauch legen und vorsichtig in Richtung Ufer rutschen. Ist jemand eingebrochen, müssen alle Beteiligten sehr umsichtig handeln. Der Einbruchstelle sollte man sich nur sehr vorsichtig nähern.
  • Eine dicke Winterjacke oder ein kräftiger Schal können helfen, die Person aus dem eisigen Wasser zu retten. Noch vor der Rettung müssen die Rettungskräfte über den Notruf 112 alarmiert werden: Dies dient dem eigenen Schutz und um anschließend den Eingebrochenen zu versorgen.
  • Für denjenigen, der eingebrochen ist, gilt: Eine Selbstrettung ist nur sehr schwierig möglich. Der Verunfallte soll um Hilfe rufen, wenig strampeln und die Hände seitlich auf die Eisdecke legen, um zu verhindern, dass er unter die Eisfläche gerät.
  • Die Regeln im Überblick zeigt die DLRG auf ihrer Internetseite. bdg
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Der Lieblingsrodelplatz der zehnjährigen Paula aus Dörlesberg ist die Wiese am Ortsrand des Dorfs, bei der Sporthalle. „Da sind weniger Kinder und es gibt dort steile und weniger steile Stellen“, begründete sie ihre Wahl. „Am liebsten fahre ich mit dem Mini-Snowboard meiner Freundin, weil man da auch noch das Gleichgewicht halten muss und es gut rutscht.“ Zum Thema Homeschooling findet sie: „Grundsätzlich gehe ich lieber in die Schule, egal wie das Wetter ist.“

Spaß auf dem Schlitten

Ihre fünfjährige Schwester Antonia bevorzugt ebenso die Wiese neben der Waldsporthalle: „Man muss nicht weit hinlaufen.“ Am liebsten fahre sie mit der großen pinken Scheibe, weil diese sich beim Fahren dreht. „Oder mit Mama zusammen auf dem Holzschlitten“, fügte sie hinzu. „Ich würde so gerne wieder in den Kindergarten gehen, weil zuhause alle arbeiten müssen. Aber wenigstens meine Omas haben tagsüber Zeit, um mit mir zu spielen“, meinte sie zur aktuellen Situation.

Die neunjährige Lizzy aus Mondfeld rodelt am liebsten am Hang neben der Fischerhütte am Mondsee. „Es macht dort viel Spaß und man sieht auch den einen oder anderen“. Die Natur sei dort wunderschön. „Ich fahre einen sehr alten Schlitten.“ Auf diesem seien schon ihr Stiefvater und dessen Brüder gefahren, als sie so alt waren wie sie jetzt. Im Fernlernen sieht sie einen Vorteil für den Winterspaß. „Nach den Schulaufgaben habe ich noch genug Zeit, um das Wetter zu genießen.“

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Felicitas, fünf Jahre alt, lebt auf der Höhe in Rauenberg. „Ich fahre am liebsten auf dem Spielplatz, weil es da nicht so steil ist“, stellt sie fest. Sie nutzen den alten Holzschlitten ihres Papas. „Der ist bequem und rutscht richtig gut.“

Die achtjährige Leonie und ihre sechsjährige Schwester Mila wohnen in Freudenberg. Ihr Lieblingsplatz zum Rodeln sei der eigene Buckel vor ihrem Haus. „Wir fahren Bob und Holzschlitten. Der Bob ist richtig schnell und der Holzschlitten ist gut, um zu zweit darauf zu fahren“, sind die beiden begeistert. Das Homeschooling und die Zeit ohne Kindergarten hätten zurzeit auch etwas Gutes. „Man kann rausgehen, sobald man mit den Aufgaben fertig ist.“ Ihre Freunde vermissten sie trotzdem sehr. Die 13-jährige Svenja aus Freudenberg fährt gerne im Wald zwischen Rauenberg und Ebenheid im Bereich der Windräder. „Da sind die Hügel so steil“, schwärmt sie.

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Ebenso toll sei der steile Hügel am Freudenberger Tennisplatz. „Ich fahre mit einem Holzschlitten, der schon 38 Jahre alt ist und auf dem schon meine Mama fuhr. Er ist sehr stabil und man kann sehr schnell mit ihm fahren.“ Das Fernlernen kommt ihr beim Winterspaß entgegen. „Im Homeschooling kann ich Schnee besser genießen, da die Busfahrten zum Miltenberger Gymnasium wegfallen und man so mehr Zeit hat.“

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Ihr zehnjähriger Bruder Yannis mag neben dem Familienschlitten den „Po-Rutscher“ aus Kunststoff, da er mit seiner glatten Oberfläche noch schneller sei. „Im Homeschooling kann man auch mal eine Pause einlegen und im Schnee spielen, statt sechs Stunden am Stück in der Schule zu sitzen“, nennt er einen weiteren Vorteil.

Maximal eine weitere Person

Erwachsenen macht Schneewandern und Schlittenfahren ebenfalls Spaß. Alle Generationen müssen allerdings auch an der frischen Luft auf den Infektionsschutz achten.

Aus dem Landratsamt des Main-Tauber-Kreises heißt es dazu, der Aufenthalt im öffentlichen Raum, also auch beim Schneewandern und Schlittenfahren, sei mit Angehörigen des eigenen Haushalts sowie maximal einer weiteren Person zulässig. Sofern der Mindestabstand von 1,5 Metern zu Personen außerhalb dieser Gruppe nicht eingehalten werden könne, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

„Wir empfehlen dringend, für die genannten Aktivitäten Orte zu nutzen, die möglichst wenig frequentiert sind und zum Beispiel örtlich bekannte, beliebte Rodelstrecken mit einem möglicherweise hohen Personenaufkommen zu meiden“, teilt Pressesprecher Markus Moll auf Nachfrage mit. Tagesausflüge in die weitere Umgebung sollten nach Möglichkeit ganz vermieden werden, heißt es weiter von der Behörde.

„Auch das nähere räumliche Umfeld bietet, insbesondere hier im ländlichen Raum, in der Regel genügend Möglichkeiten für Bewegung im Freien ohne größere Menschenansammlungen. Dies gilt umso mehr, als aufgrund der weiterhin geschlossenen Gastronomie und Freizeitanlagen ohnehin keine Möglichkeiten für eine Einkehr zur Verfügung stehen“, so Moll.

Mit andauernder Kälte frieren auch Weiher und Seen zu und wirken so verlockend für die Freunde des Schlittschuhlaufens. Hier ist jedoch besondere Vorsicht geboten (siehe Infobox).

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