Click-and-Collect - Lesematerial online auswählen und abholen / Angebot der Wertheimer Bibliothek erfährt positive Resonanz Kilometer machen in der Bücherei

Von außen wirkt die Wertheimer Stadtbücherei unbelebt. Doch Mitarbeiter sind gut beschäftigt. Sie bearbeiten Click-and-Collect-Anfragen ihrer Kunden.

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Katharina Buchholz
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Iwona Cebula sucht ein bestelltes Buch in den Regalen der Stadtbücherei. Die Kultureinrichtung bietet seit knapp einer Woche einen Abholservice an. © Katharina Buchholz

Wertheim. Jemand klingelt an der Tür des Wertheimer Kulturhauses. Iwona Cebula sieht kurz in ihre Liste und greift einen Bücherstapel. Sie öffnet die Eingangstür der Stadtbücherei, deponiert die Bücher in einem Korb davor und schließt die Tür wieder. Auf der anderen Seite biegt die Kundin gerade aus dem Treppenhaus auf den Flur der Bücherei. Sie nimmt den Lesestoff aus dem Korb, packt ihn in ihre Tasche und macht kehrt. Cebula steckt kurz den Kopf durch den Türspalt: „Alles Gute im neuen Jahr“, wünscht sie der Frau, die bereits die Treppe erreicht hat.

So funktioniert Click-and-Collect in der Stadtbücherei

Kunden können im Medienkatalog unter www.stadtbuecherei-wertheim.de recherchieren und Titel vorbestellen; sinnvollerweise sollten es verfügbare Titel sein. Auch ein Anruf oder eine E-Mail mit den Ausleihwünschen ist möglich.

Das Team der Bücherei stellt die Medien zusammen und nimmt mit den Bestellern Kontakt auf, um eine Abholzeit zu vereinbaren.

Möglich sind Termine von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr. Für eine kontaktlose Übergabe werden die bestellten Medien in einer Tüte im Treppenhaus bereitgestellt. Wer Medien abholt, kann auch Medien abgeben. stv

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Seit Dienstag bietet die Stadtbücherei ihren Lesern den Abholservice, der zur Freude des Teams um Michaela Stock sehr gut angenommen wird. Schon am Dienstagmorgen waren 60 Medien über den Online-Katalog bestellt worden. „Obwohl wir die Meldung, dass wir Click-and-Collect anbieten, erst am Montagabend verschickt hatten“, zeigt sich Stock überrascht von dieser Resonanz.

Die Nachfrage setzte sich in folgenden Tagen fort. Am Mittwoch wurden elf, am Donnerstag bis zum Nachmittag acht Ausleihen aufgegeben. „Das mag sich erstmal nicht nach viel anhören, aber es steckt eine Menge Arbeit dahinter“, sagt Katja Schmitz. Denn die meisten Leser klicken nicht ein Buch oder eine CD an, sie decken sich mit stapelweise Lesematerial ein.

Eine solch ausführliche Bestellung bearbeitet Schmitz gerade: Auf dem Rollwagen stehen zwei bis zum Rand gefüllte Papiertüten, in die das letzte Buch, „Schulgeschichten zum Lesenlernen“, gerade noch hineinpasst. Nun wird ihr Kollege Fabian Künzig den Besteller anrufen, um einen Abholtermin zu vereinbaren.

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Das Prozedere beim Click-and-Collect ist immer gleich. Sobald ein Auftrag aus dem Online-Katalog ausgedruckt wurde, machen sich die Bücherei-Mitarbeiter auf den Weg: Rund 32000 Medien – Bücher, Zeitschriften, CDs oder DVDs – stehen auf zwei Stockwerken verteilt. „Da ist der Frühsport schon erledigt, bis man alles beisammen hat“, sagt Schmitz und schmunzelt.

Kommt die Bücher-Order per Telefon oder E-Mail, müssen die Bücherei-Angestellten zunächst die Signaturen der Medien ermitteln, bevor sie sich auf die Suche im Haus machen können.

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„Uns macht die Arbeit Freude - wir hoffen, dass wir den Leuten so die schwierigen Stunden etwas versüßen“, betont Iwona Cebula. Schließlich ist die Bücherei das einzige Kulturangebot, das während des Lockdowns in Wertheim übrig geblieben sei. „Und wir haben ein Angebot für alle Altersklassen“, nennt sie ein weiteres Plus.

Kein Trend ausmachen

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Entsprechend kann das Bücherei-Team auch keinen Trend bei den Bestellungen ausmachen: Gefragt sind alle Medien für alle Altersklassen vom aktuellen Spiegel über Bilderbücher bis zum Hörbuch.

Auch dass nur die „üblichen Verdächtigen“ das Angebot wahrnehmen würden, beobachten die Mitarbeiter nicht. Aktuell komme der Service sogar besser an als der Lieferservice im ersten Lockdown im Frühjahr des vergangenen Jahres. Damals hatte die Bücherei bestellte Medien über die Nachbarschaftshilfe ausliefern lassen. Dieses Angebot gibt es heute nicht mehr. „Wir wollten Nachbarschaftshilfe nicht damit belasten. Die meisten unserer Kunden sind gut zu Fuß“, begründet Michaela Stock die Neuerung.

Um die Bestellungen ihrer Kunden so schnell als möglich zu bearbeiten, haben die Bücherei-Mitarbeiter teilweise sogar ihren Bestand umstrukturiert. In der Kinderabteilung beispielsweise ergibt das herkömmliche, an Themen orientierte, System für die Kundschaft zwar Sinn, in der aktuellen Situation bedeutete es für das Team mehr Suchaufwand.

Jetzt sind die Bilderbücher nach ihrer Mediennummer und die Hörbücher nach ihrer Signatur sortiert. „Wer weiß, wie lange wir das noch brauchen.

Das zahlt sich auf jeden Fall aus“, schätzt Cebula. Wieder klingelt es an der Tür. Der Türöffner summt. Iwona Cebula legt zwei Krimis in den Korb vor der Tür und schließt diese wieder. Die Kundin, Liselotte Horn, nimmt ihr Lesematerial. „Danke für eure Mühe“, ruft sie Cebula entgegen. Horn hatte das Angebot am Mittwoch auf der Homepage der Bücherei entdeckt: „Ich habe gleich zwei Bücher angeklickt. Ein super Angebot“, findet sie.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim