Projekt

„Keine Veränderung der Luftqualität“

Schuller-Werkleiter informiert im Stadtteilbeirat Bestenheid über neue Produktionslinie

Von 
Birger-Daniel Grein
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Hauptthema in der Stadtteilbeiratssitzung Bestenheid waren die Pläne der Firma Schuller für eine neue Air-Media-Anlage und die Sorge der Bürger vor Schadstoffen. © Birger-Daniel Grein

Bestenheid. Rund zwei Stunden lang informierten das Unternehmen Schuller sowie dessen Gutachterbüro Müller BBM am Mittwoch bei der Sitzung des Stadtteilbeirats Bestenheid über die geplante Erweiterung von Schuller mit einer vierten Produktionsanlage für Filterfasermatten, Projektname „Air Media Linie 4“, und den Antrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz. Außerdem beantworteten mehrere Firmenvertreter und ein Gutachter zahlreiche kritische Nachfragen von Bürgern (siehe auch weiteren Bericht).

Thomas Dankowski, neuer Leiter des Referats Bauordnungsrecht der Stadt Wertheim, erklärte, das Verfahren der Genehmigung nach diesem Gesetz erfolge durch das Regierungspräsidium Stuttgart (RP). Teil des Verfahrens ist die Anhörung von Trägern öffentlicher Belange wie der Stadt und der Stadtteilbeirat sowie die öffentliche Auslegung. Letztere endete am Mittwoch.

Bis 23. November läuft nun noch die Einspruchsfrist gegen den Antrag. Die eingegangenen Einwände werden vom RP geprüft. Zudem gibt es am 31. Januar 2023 einen Erörterungstermin in Wertheim. Danach beschließt das RP über die Genehmigung.

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Stadtteilbeiratsvorsitzender Thomas Förstel freute sich über die Bereitschaft von Schuller, das Projekt im Beirat öffentlich vorzustellen und Fragen zu beantworten. Dazu sei das Unternehmen nicht verpflichtet.

Alexander Ückert, Schuller-Werkleiter, betonte, anders als es teilweise wahrgenommen werde, sei man ein Unternehmen, dem Werte am Herzen liegen. „Bei uns wird niemals etwas nicht integer laufen“, sagte er. Zu diesen Werten gehöre auch der Schutz von Mensch und Umwelt. „Wir tun alles, um behördliche Auflagen zu erfüllen und sogar über zu erfüllen“, so Ückert.

Großer Markt

Zur Begründung für die Notwendigkeit der neuen Produktionslinie sagte er, von Wertheim aus bediene man zwei Drittel des weltweiten Bedarfs an den entsprechenden Produkten. Das Marktvolumen sei groß und werde weiter steigen. Mit einem stimmigen Gesamtkonzept habe man den weltweiten konzerninternen Standortwettbewerb für die Linie gewonnen.

Geplanter Produktionsstart soll im Oktober 2023 sein. Mit einer Vollauslastung der neuen Linie rechne man im Jahr 2033.

Direkt für die neuen Linie werde man 25 weitere Mitarbeiter einstellen. Abgedeckt werden auf ihr alle Schritte von der Glasfasererzeugung bis zur Verpackung des Produkts. Das Investitionsvolumen liege bei 20 Millionen Euro, davon vier Millionen Euro für die Umwelttechnik. Zur Umwelttechnik gehören Nass-Elektro-Abluftfilter mit einem Kamin. Dies sei ein neuer Weg, zu dem das Unternehmen rechtlich nicht verpflichtet sei, so Ückert.

Ein Vorteil der Filteranlage sei die weitere Reduzierung der Emission. Zudem biete sie energetische Vorteil durch weniger Strömungswiderstand. Verbaut werde in der neuen Air Media Linie auch Energierückgewinnung in größerem Umfang sowie eine Prozess-Kreislauf-Wasser-Aufbereitung und Schallschutz.

Viele Messungen

Die Installation der Produktionsanlage erfolge im Bestandsgebäude. „Es wird für sie keine zusätzliche Flächenversiegelung geben“, so Ückert. Der Kamin werde 37 Meter hoch sein. Zudem werden sich auf dem Hallendach das Filtersystem sowie die Zuluftanlage befinden.

Ausführlich ging er auch auf die Emissionsmessungen der bestehenden Air-Media-Anlage und weiterer Vorrichtungen ein. Die Messung erfolge durch einen externen zertifizierten Prüfer. Der aufgestellte Messplan müsse vom RP genehmigt werden. Die Messergebnisse plus einen Wert für die Messunsicherheit melde der Prüfer an den Betreiber der Anlage sowie das RP.

Die externen Messungen von Gesamtkohlenstoff, Phenol, Formaldehyd, Stickoxide, Kohlenstoffmonoxid und Ammoniak erfolge in dreijährlichem Rhythmus. Halbjährlich würden Staub und Gesamtkohlenstoff gemessen.

Obwohl nicht vorgeschrieben, messe man firmenintern zusätzlich halbjährlich Phenol, Formaldehyd, Stickoxide, Kohlenmonoxid und Ammoniakausstoß. „Gibt es bei der internen Messung Abweichungen, müssen wir darüber dem RP und anderen interessierten Stellen berichten“, erklärte Ückert.

Zum sichtbaren Abgas der Strangfaseranlage betonte er, diese sähen „nicht hübsch“ aus, seien aber für Umwelt und Gesundheit ungefährlich.

„Massiv unter Grenzwerten“

Weiter erklärte er, warum Messungen nach einem Plan durchgeführt werden. Die Regeln der TA-Luft verlange eine Messung bei höchster Emission. Diese komme aber im Betriebsablauf selten vor und müsse daher bewusst geschaffen werden. „Der Dauerbetrieb ist deutlich harmloser als der Messzeitpunkt“, erläuterte Ückert. Anhand verschiedener Messergebnisse für unterschiedliche Emissionen machte Ückert deutlich, dass man selbst bei diesen „Worstcase-Messungen“ massiv unter den Grenzwerten liege. Weiter betonte er, eine kontinuierliche Messung von Staub und Gesamtkohlenstoff im Abgasstrom sei technisch aktuell noch nicht möglich. Man sei jedoch verpflichtet, immer wieder zu prüfen, ob Techniken dafür auf den Markt kommen.

In seinem Fazit erklärte er, es gebe keine messtechnisch ermittelbare und subjektiv spürbare nachteilige Veränderung der Luftqualität durch den Ausstoß, gleiches gelte für Gerüche und Schall. Abschließend erklärte er, man werde in Zukunft auch Führungen für Kleingruppen im Unternehmen anbieten.

Freier Autor