Pandemieeinschränkungen - Musikvereine in Wertheim, Freudenberg und Kreuzwertheim beklagen fehlende Auftritte und damit ausbleibende Erlöse Keine Konzerte – keine klingende Kasse

Von 
Birger-Daniel Grein
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Bei der Stadtkapelle Freudenberg fielen die meisten Auftritte seit Corona aus. Gespielt wurde mit kleinen Abordnungen unter anderem beim Anlegen der MS „Experimenta“ in Freudenberg. © Birger-Daniel Grein

Die Pandemie sorgt für viele Einschränkungen. Die Massenerkrankung hindert die Aktiven der Musikvereine nicht nur am gemeinsamen Musizieren, sie schmälert auch die Finanzen der Vereine.

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Wertheim/Kreuzwertheim/Freudenberg. Ein Blick zurück: Anfang März 2020 konnte die Generalversammlung des Musikvereins Dörlesberg noch stattfinden, dann kam der erste Lockdown. Im Sommer wurde in Teilgruppen von erst zehn und ab September mit 18 Musikern im großen Probenraum geübt. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon ein Weihnachtskonzert für 2020 geplant. Jeder hatte Spaß daran, für diesen Auftritt zu proben“, berichtete die Vorsitzende des Vereins, Corinna Roth.

Mit dem Lockdown light ab November mussten in Dörlesberg die Proben eingestellt werden, und somit auch das Weihnachtskonzert. Was die Auftritte im vergangenen Jahr angeht, sei 2020 für die Aktiven komplett ins Wasser gefallen. Weder das Jahreskonzert im April 2020, noch die Beteiligung am Umzug und dem Schützenruf oder der Michaelismesse und die Weihnachtskonzerte konnten stattfinden.

Fehlende Auftritte und damit auch fehlende Gagen haben sich laut Roth auf die Finanzen des Vereins ausgewirkt. Weil alle Aktionen ausfielen, wie zum Beispiel das Probenwochenende, habe der Verein im Gegenzug aber auch keine laufenden Ausgaben gehabt.

Auf Honorar verzichtet

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Dirigiert wird die Kapelle von Bernhard Müßig, der hauptberuflich den Heeresmusikkorps Veitshöchheim leitet. Vom Dörlesberger Verein bekomme der Dirigent nur Honorar für durchgeführte Proben und Auftritte, keinen festen Monatssatz, so die Vorsitzende. „Für die Proben im Sommer und Herbst verzichtete er auf sein Honorar, um uns zu unterstützen.“

In Anspruch genommen hat der Verein die Coronahilfen, die über den Musikverband Untermain abgewickelt wurden. Aktuell stellt der Vorstand des Musikvereins in Onlinesitzungen die Termine für das laufende Jahr zusammen. „Ab Mai planen wir schon konkret, um unseren Mitgliedern eine Perspektive zu geben“, so Roth.

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Auch die Mitglieder des Männergesangvereins Kreuzwertheim müssen schon länger auf ihr gemeinsames Singen verzichten. Nach Ende des ersten Lockdowns konnten die Sänger in halber Chorstärke im Fürstin-Wanda-Haus proben. Wochen später ging das in der Dreschhalle sogar in ganzer Stärke – mit großem Abstand und viel Lüften.

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„Leider waren diese Proben nur für zwei Monate möglich“, bedauerte der Vorsitzende Andreas Schmidt. „Ab September mussten wir wegen der steigenden Erkrankungszahlen die Proben wieder einstellen.“

Auch habe es im vergangenen Jahr keinerlei Veranstaltungen gegeben, an denen die Sänger mitwirken konnten. „Keine Liederabende, kein Singen von Ständchen, keine Mitwirkung bei jährlichen Veranstaltungen in der Marktgemeinde, keine eigenen Veranstaltungen, keine Versammlungen und Feiern“, zählt Schmidt die ansonsten lange Liste der Auftritte auf.

Durch das Fehlen der eigenen Veranstaltungen habe man keine Einnahmen generieren können. Jetzt fehlen dem Verein die Gelder, um neue Noten und Material kaufen zu können. „Unser Chorleiter Otto Vogel ist Pensionär. Er verzichtet aktuell auf seine Aufwandsentschädigung“, erklärt Schmidt.

Der Vorsitzende wies in diesem Zusammenhang außerdem auf die Folgen der fehlenden gemeinsamen Vereinsaktivitäten hin: „Für einen Chor mit einem Altersdurchschnitt von 70 Jahren geht wahnsinnig viel Lebensqualität verloren.“ Die Probentermine seien für die Senioren oft der einzige Tag der in der Woche, an dem sie sich mit anderen treffen und soziale Kontakte pflegen. Dennoch habe Schmidt Sorge, dass sich so manch Sänger nach dem langen Lockdown nicht mehr aufraffen kann, wieder zu den Proben zu kommen.

Virtuell aktiv

Bei der Stadtkapelle Freudenberg ersetzen virtuelle Projekte aktuell Proben und Auftritte. Der Vorsitzende der Stadtkapelle, Dietmar Hildenbrand, berichtete von der Unterstützung des SC Freudenberg, für die alle Mitglieder dankbar waren. So konnte während der Sommermonate mit Abstand auf dem Freudenberger Sportplatz geprobt werden. Im September wurde der Probenraum noch coronakonform umgebaut, damit das Üben fortgesetzt konnte. „Seit dem Lockdown im Dezember geht das in Präsenz nicht mehr“, Hildenbrand. Auch in Freudenberg verhinderten die Corona-Bestimmungen so manchen Auftritt. „Unser geplantes Konzert im März 2020 mussten wir wegen der Pandemie kurzfristig absagen.“ Lediglich im Sommer konnte die Kapelle zeigen, was sie kann. Als Dank an den SC für seine Hilfe gab es ein Konzert auf dessen Sportplatz. Kleinere Abordnungen der Kapelle spielten bei der Vorstellung des neuen Holzzelts für die Miltenberger Messe und bei der Ankunft des schwimmenden Museums MS „Experimenta“ in Freudenberg.

Neben Konzerten fielen auch andere traditionelle Veranstaltungen aus, wie beispielsweise das Weinfest des Vereins. Damit fehlen Einnahmen. „Uns kam letztes Jahr zugute, dass wir an Fasching noch Umsätze unter anderem mit unserer Bar beim Straßenfasching generieren konnten.“ Genutzt habe der Verein auch die Unterstützungsprogramme für notleidende Vereine des Landes Baden-Württemberg. Zusätzlich unterstützte die Stadt Freudenberg den Verein in der schwierigen Zeit. Dankbar ist der Vorsitzende auch den Fans: „Die Spenden, die wir bekamen, waren höher als die Jahre zuvor.“ Das liege möglicherweise auch an den Videos, die auf positive Resonanz stießen. „Es war nicht unser Ziel, mit den Aufnahmen Spenden zu sammeln. Aber es ist ein schöner Nebeneffekt“, betonte er.

Die Aufwandsentschädigung für ihren Dirigenten Michael Korn zahlt der Verein weiter. „Uns war wichtig, ihn zu beschäftigen, auf welche Art auch immer.“ So unterstützt Korn bei den Videoprojekten, stellt den Musikern Probematerialien für Zuhause bereit und bietet nach Absprache individuelle Onlineproben für die Musiker der Stadtkapelle an. „Zurückgestellt haben wir hingegen alle Investitionen, zum Beispiel für neue Technik.“

Die Musiker bleiben übrigens auch während der Zwangspausen aktiv. So produzieren sie mit beachtenswertem Erfolg Musikvideos. Dafür filmt sich der Musiker zu Hause. Michael Korn, Leiter der Musikschule Freudenberg, schneidet die Filmschnipsel dann zusammen.

Diese Beiträge kommen nicht nur bei den Fans im näheren Umkreis gut an. „Sogar die deutschlandweit erscheinende Zeitschrift der Blasmusikverbände hat über unsere Videos berichtet“, freute sich Vorsitzende.

Für die Anhänger dieser Musik und der Stadtkapelle hatte der Vorsitzende eine weitere gute Nachricht: „An Rosenmontag werden wir wieder ein Video auf den Youtube-Kanal „Freudenberg erleben“ hochladen.“ Natürlich spielt das Thema Fasching dabei eine Rolle. Und für 2021 haben die Musiker bereits erste Veranstaltungsideen entwickelt.

Freier Autor