Der Frieden beginnt vor Ort - Gesprächsrunde unter anderem mit Katrin Rappert und Kreisrat Rolf Grüning Kein Frieden ohne soziale Gerechtigkeit

Von 
Nadine Schmid
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Ein „Friedensgebet plus“ fand am Donnerstag mit Stefanie Wahl, Bundesvorsitzende von Pax Christi, sowie mit zwei Lokalpolitikern statt.

Stefanie Wahl zeigt eine Tasche, die Geflüchtete aus Rettungswesten hergestellt haben. © Schmid
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Reinhardshof. Wie stellt sich die Kirche zu allgemeinen friedenspolitischen Fragen? Und was können wir vor Ort tun? Diesen Fragen gingen die Besucher des „Friedensgebets plus“ bei einem Friedensgespräch am Donnerstag gemeinsam mit Stefanie Wahl, Bundesvorsitzende von Pax Christi, nach.

Mit Katrin Rappert, im Ortsverband Wertheim für Soziales zuständig, und Kreisrat Rolf Grüning, Kreisvorsitzender der Linken, brachten sich auch zwei Lokalpolitiker in die Diskussion ein.

Zunächst stellte Wahl die Aufgaben der Bewegung „Pax Christi“ vor. Der Verein mit 5000 Mitgliedern in Deutschland ist in der katholischen Kirche beheimatet, versteht sich aber ökumenisch. Gegründet wurde er unter dem Schlagwort „Nie wieder Krieg“ nach dem Zweiten Weltkrieg von deutschen und französischen Christen. Unter dem Motto „Aktion und Gebet“ beschäftigen sich die Mitglieder in verschiedenen Kommissionen mit Lobbyarbeit für Geflüchtete und gegen Waffenexporte.

Menschen sensibilisieren

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Neben dem Versuch, Menschen zu sensibilisieren, etwa durch den letztjährigen Staffellauf zwischen Fabriken von Baden bis Berlin, die Waffen herstellen, seien auch Friedensgebete wie das regelmäßig in Wertheim stattfindende eine wichtige Komponente, betonte Wahl.

Sie zeigte drei aktuelle Beispiele auf, etwa eine Postkartenaktion, mit der die Bundeskanzlerin aufgefordert wird, Waffenexporte an Länder zu verbieten, die im Jemen Krieg führen. Oder die Forderung nach Abrüstung von Atomwaffen. Oder der Kampf, Seenotrettung nicht zu kriminalisieren und den Menschen in den überfüllten Lagern Griechenlands zu helfen. „Das sind Menschen, Gottes Abbild, die da sterben – ich kann das kaum ertragen“, erklärte Wahl ihr Engagement.

Friedens- und Sicherheitslogik

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„Helfer werden kriminalisiert. Es wird verboten, dass Menschen solidarisch sind.“ Als Beispiel zeigte sie eine Tasche, die Geflüchtete in Lesbos aus angeschwemmten Rettungswesten machen, um etwas gegen die Langeweile zu tun und Projekte vor Ort zu fördern.

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Natürlich gehe es nicht nur darum, zu kritisieren, sondern eine neue „zivile Friedens- und Sicherheitslogik aufzuzeigen. Die Badische Landeskirche habe zum Beispiel ein Konzept entwickelt, das ein Szenario aufzeige, welches die Bundeswehr bis 2040 überflüssig mache.

Sie selbst sei als junge Frau durch den 11. September und den darauf folgenden Irakkrieg für die Thematik sensibilisiert worden, so Wahl. In ihrem Politikstudium beschäftigte sie sich vor allem mit sozialen Fragen wie prekärer Arbeit. Und eins wurde im weiteren Verlauf der Diskussion klar: Frieden gibt es nicht ohne soziale Gerechtigkeit und die beginnt vor Ort. Dies bestätigte auch Rappert, die Vorsitzende des Förderkreises der Tafel ist: „Wir müssen den Sozialneid bekämpfen.“

Dabei, so stellten einige aus der Versammlung fest, sei es immer schwieriger, zu erkennen, was die Wahrheit ist, zum Beispiel ganz aktuell beim Drohnenabschuss im Iran. „Will ich die Wahrheit wirklich wissen?“, stellte Rappert eine provokante Gegenfrage.

Es gehe gar nicht um die Frage, ob die Drohne im internationalen oder iranischen Luftraum gewesen sei, fügte Grüning hinzu, man müsse alles tun, damit der Konflikt nicht weiter eskaliere. Natürlich würden solche übergeordneten Themen im Alltagsgeschäft oft untergehen, gaben beide Politiker zu. Aber man müsse sie im Hinterkopf behalten und Aktionen vor Ort starten. Hier sei ihr vor allem die Friedensbildung an den Schulen wichtig, fügte Wahl hinzu.

Im Gespräch bleiben

„Das Wichtigste ist, im Gespräch zu bleiben“, meinte Schuldekanin Cornelia Wetterich. Dies werde besonders im neuen Gemeinderat interessant, in dem es nun darum ginge, sich für einzelne Themen Mehrheiten zu suchen, fügte Rappert hinzu.

„Es braucht Menschen vor Ort, die sich einsetzen und die Maschine in Schwung halten“, betonte eine Teilnehmerin und mit diesem schönen Schlusswort beendete die Organisatorin, Pastoralreferentin Ute Zeilmann, die hochinteressante Diskussion, die ausgehend vom Thema Frieden sehr viele Bereiche angesprochen und gezeigt hat, dass diese für ein friedliches Miteinander zusammengehören.