119. Urpharer Abendmusik - Konzert der Extraklasse mit Musikern des Leipziger Gewandhauses „Opus 4“ / Publikum belohnte Leistung mit großem Applaus Kaffeestunde bei Anna Magdalena

Von 
Birger-Daniel Grein
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Das Posaunenquartett „Opus 4“ wurde in Leipzig gegründet. Die Verbundenheit zur Musik Johann Sebastian Bachs liegt damit auf der Hand. Und so war „Kaffeestunde bei Anna Magdalena“ auch Bestandteil des Konzerts in Urphar. © Grein

Ein rundum gelungenes Konzert in historischer Atmosphäre erlebten die Zuhörer der Abendmusik am Neujahrstag in der voll besetzten Urpharer Jakobskirche.

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Urphar. Es war bereits die 119. Auflage der Urpharer Abendmusik. Das Posaunenquartett „Opus 4“ aus Leipzig ließ getreu des Konzertmottos „Festliche Bläsermusik zum neuen Jahr“ stimmte auf besinnliche Weise auf 2020 ein.

Das Posaunenquartett „Opus 4“ wurde 1994 von Jörg Richter mit Posaunisten des Gewandhausorchesters Leipzig gegründet. Es gastiert schon zum neunten Mal in Urphar. Das Posaunenspiel hat eine lange Tradition, von mittelalterlichen Stadtpfeifern über evangelische Posaunenchöre bis zu modernen Quartetten. Die Musiker bewiesen, dass das Instrument mehr als würdig ist, ihm ein eigenes Konzert widmen.

Beim Konzert zum neuen Jahr spielten Jörg Richter (Altposaune und Tenorposaune), Michael Peuker (Tenorposaune), Stephan Meiner (Tenorposaune) und Ulrike Gäbel (Bassposaune). Sie wirkte erstmals bei einem Konzert des Quartetts mit. „Es waren glückliche Umstände, die uns zusammengeführt haben“, so Richter. Alle Musiker haben eine umfassende professionelle Ausbildung genossen und haben beruflich hochkarätige Engagements. Teilweise sind sie selbst in der Ausbildung tätig.

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Pfarrerin Annegret Ade sprach in ihrer Begrüßung vom Anhalten und Stillhalten zum Jahresanfang. In Gott könnten die Menschen getrost den nächsten Schritt gehen. Nicht auf andere zu bauen und zu warten, sondern selbst los zu gehen, Schritt für Schritt – war dann auch die Grundaussage des von ihr gespendeten Segens. Die Zuhörer sollten mutig ins neue Jahr gehen.

Musikalisch eröffnet wurde das Konzert mit dem kraftvoll und festlichen Stück „Deus in Adiutorium“ für vier Posaunen aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi (1567-1643). „Wir wollen Ihnen den Weg weisen für 2020. Wir hoffen, dass wir mit unserer sächsischen Blasmusik einen Teppich dazu legen“, sagte Richter. Getragen erfüllte Ludwig Senfls „Non moriar sed vivam“ aus dem 16. Jahrhundert die alten geistlichen Gemäuer.

Musik aus dem Barock

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Es folgte weitere historische Musik – nun auf vier Barockposaunen dargeboten. Die Musiker spielten die Stücke auf Kopien der historischen Instrumente, die als Original im Leipziger Museum zu bestaunen sind. Die Originale stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

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Es erklangen „Salmi delle compiete“ von Don Carlo Gesualdo (1566-1613), „Tu pauperum refugium“ von Josquin des Prez (1440-1521) und „Ecce quomodo moritur“ von Thomas Luis de Victoria (1535-1611).

Auf modernen Konzertposaunen gespielt wurde das deutsche Magnificat „Meine Seele erhebt den Herren“ von Heinrich Schütz aus dem Jahr 1657, eigentlich geschrieben für einen Männerchor. „Da wir aber der Stimme nicht so mächtig sind, spielen wir es lieber“, sagte Richter leicht schmunzelnd. Aber auch rein instrumental wusste das Stück zu begeistern. Mit einer intensiven Klangfülle wurde das „O vos Omnes (Motet)“ von Thomas Luis de Victoria (1535-1611) hör- und spürbar. Das Musikstück passe sehr gut in dieser wunderschöne Kirche, denn sie habe einen besonderen Geist. Und das soll dieses Stück ausdrücken, so der Quartettleiter. Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten erläuterten die Musiker diesen besonderen Geist der Urpharer Wehrkirche, der für sie unter anderem in den schönen Malereien und dem Flair des kleinen Gotteshauses liege.

Es folgte „Tobacca und Fuge in d-Moll“ für vier Posaunen von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Dem Komponisten sei man als Leipziger natürlich besonders verpflichtet. Das Stück kommt in Teilen kräftig, in anderen Abschnitten verspielt daher und erntete besonders viel Applaus.

Zur „Kaffeestunde bei Anna Magdalena“ (Leipziger Intermezzo Opus 183) von Bernhard Krol (1920-2013) wurde der Text verlesen. Es geht darin um Klatsch und Tratsch bei einer Kaffeerunde. Die Unterhaltung verdeutlichten die Posaunisten instrumental. Dabei wurden sowohl die zustimmenden als auch die kritischen Äußerungen der Kaffeerunde durch den Klang sehr deutlich.

Der Ragtime

Beim fetzigen „Alexanders Ragtime“ von Irving Berlin (1888-1989) klatschte das Publikum mit. „Wir hoffen, dass wir Ihnen einen beschwingten Jahresanfang ermöglicht haben. Was danach kommt, liegt in Ihren Händen“, so Richter.

Ein Georg-Gershwin-Medley beeendete das hochkarätige Konzert und ließ die Zuhörer endgültig in das Jahr 2020 hinübergleiten. Das Publikum zollte mit lang anhaltendem Applaus im Stehen den Musikern seine Anerkennung. Als Dank gab es dafür die Zugabe „Mr. Sandman“ von Bad Pallard, „Flash“ von Joze Zitnik sowie Chatschaturjans „Säbeltanz“

„Wir freuen uns auf das zehnte Konzert hier in Urphar“, erklärte Richter. Mit dem Choral „Es ist genug“ von Bach wurden die Zuhörer musikalisch verabschiedet.

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