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Wirtschaft

In Wertheim Anregungen für künftige Prüfungen erhalten

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Der 16-jährige Robin Kettner erlernt bei der Firma Lenz den Beruf des Glasapparatebauer. © Birger-Daniel Grein

Bestenheid. Glas ist nach wie vor für Wertheim von großer Bedeutung. Damit sind Berufe der Glasverarbeitung für die Wirtschaft der Main-Tauber-Stadt wichtig. Vor 40 Jahren trat die Ausbildungsverordnung für Glasapparatebauer in Kraft. Aktuell arbeitet man an einer Neuordnung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für den Beruf. Die Sitzungen der dafür verantwortlichen Gremien fanden auch in Wertheim statt.

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Im Rahmen ihrer Beratungen besuchten die entsprechenden Ausschüsse auch die Firma Lenz Laborglas, um einen Eindruck vom aktuellen beruflichen Alltag der Glasapparatebauer zu bekommen. Dabei waren nun die Vertreter des Ausschusses der Bundesebene zu Gast im Unternehmen. Die Einladung zum Firmenbesuch hatte Peter Bentivoglio, Sprecher des Beirats des Verbandes Deutscher Glasbläser und Sachverständiger der Arbeitgeberseite im Neuordnungsverfahren, ausgesprochen. Er ist Produktionsleiter bei Lenz.

Mit Blick auf das Neuordnungsverfahren erklärte er, ein Sachverständigengremium des Bundes erarbeitet einen Entwurf für eine neue Ausbildungsordnung, die Sachverständigen der Länder entwickeln den neuen Rahmenlehrplan“. Beide Kommissionen tagten im Juni in Wertheim im Beruflichen Schulzentrum. Mit der Firmenbesichtigungen habe man insbesondere den Sachverständigen aus den administrativen Bereichen den nötigen Einblick in die fachlichen und betrieblichen Grundlagen ermöglicht, so Bentivoglio.

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Im Berufsfeld des Glasapparatebauers seien viele Aufgaben noch recht traditionell. Es gebe aber Produktveränderungen und Modernisierungen. Als Themenfelder nannte der Produktionsleiter im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten unter anderem Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Attraktivitätssteigerung des Ausbildungsberufs.

Das Verfahren zur Neuordnung ziehe sich seit etwa 2017 hin. Viele Punkte würden kontrovers diskutiert. Dazu gehöre die Zusammenlegung der Ausbildungen von Glasapparatebauern und Thermometerbläsern. Diese würde kritisch gesehen. Ein Grund dafür sei, dass für beide Berufe jeweils ein umfassendes Wissen nötig und eine Verbindung auch in der praktischen betrieblichen Ausbildung schwierig sei.

Komplexer Schritt

Die neuen Ordnungen sollen 2023 verabschiedet werden. Aktuell tagen die beiden Ausschüsse getrennt und stimmen sich immer wieder untereinander ab. In der momentanen Phase arbeite man an der Erstellung der Prüfungsanforderung. Dies sei ein komplexer Schritt, erklärten die Beteiligten.

Beim Firmenrundgang erklärte Bentivoglio, dass von den rund 100 Mitarbeitern des Unternehmens rund 80 in der Fertigung tätig sind. „Wir haben 22 Glasapparatebauer und zusätzlich vier Meister.“ Man beschäftige auch Thermometerbläser und angelernte Kräfte, wobei das Anlernen wegen der Komplexität ein längerer Prozess sei.

Außerdem gebe es zwei Auszubildende, die den Beruf des Glasapparatebauers erlernen.

Einer von ihnen ist der 16-jährige Robin Kettner aus Reicholzheim, der im ersten Lehrjahr ist. Er erklärte: „Ich mag den Beruf, weil man viel mit der Hand macht und nicht nur Maschinen programmiert.“ Er sei der erste in der Familie, der diesen Beruf erlernt.

Beim Rundgang verdeutlichte Bentivoglio den Gästen, wie wichtig genaues Arbeiten sowie fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten sind. Eine „Auftreiberei“ in der Größe wie sie Lenz habe, sei sehr selten. In ihr werden unter anderem rotationsmetrische Teile gefertigt. Die meisten Unternehmen würden diese Teile zukaufen. Lenz setze meist auf Eigenfertigung in diesem Bereich, um hohe Qualität, kurze Lieferzeiten und geringere Abhängigkeit von Lieferanten zu erreichen.

Weiter ging der Produktionsleiter auf die Automatenabteilung ein, in der unter anderem Roboter für die Glasbearbeitung eingesetzt werden. Die Einstellung der Maschinen dort sei kompliziert. Bei acht Brennern käme man auf rund 50 „Stellschrauben“. Jede von ihnen verändere die Spezifikationen des fertigen Produkts. Daher seien Kenntnisse als Glasapparatebauer für die Maschineneinstellung genauso nötig wie Kenntnisse aus dem Bereich Maschinentechnik. Aktuell habe man vier Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation. „Der Lernprozess dauert Jahre.“

Weitere Stationen waren die Maschinenschleiferei und die manuelle Schleiferei. In Letzterer stellte Bentivoglio den „letzten gelernter Glasschleifer seiner Art“ vor. Abschluss war in der Qualitätskontrolle.

Beim Rundgang wurden auch verschiedene Produkte dahingehend betrachtet, inwieweit sie Beispiele für Prüfungsstücke sein können. Bentivoglio zeigte zudem auf, wie wichtig das Thema Arbeitsablaufplanung für die Produktfertigung als Ausbildungs- und Prüfungsinhalt ist.

Die Teilnehmer aus Ministerien, Behörden und Gewerkschaft betonten am Ende der Führung, es sei gut einen Eindruck zu bekommen, wie die Arbeit vor Ort ablaufe. Man könne sich nun auch etwas besser vorstellen, welche Stücke als Prüfungsaufgabe in Fragen kommen. Gut sei auch, den Vergleich zwischen kleinen Glashandwerksbetrieben und größeren Firmen wie Lenz ziehen zu können.

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