Amtsgericht - 50-jähriger Vertriebsingenieur muss 5000 Euro Strafe zahlen und den Führerschein zeitweise abgeben In Autobahn-Baustelle Lastwagen ausgebremst

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Wertheim. Ein VW-Passat-Fahrer überholte auf der A 3 bei Wertheim, wo sich derzeit eine Baustelle befindet, einen Lastwagen mit Anhänger, setzte sich vor den LKW und bremste ihn aus. Zu diesem Ergebnis kam das Amtsgericht Wertheim.

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Wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilte es den 50-jährigen Vertriebsingenieur aus dem Kreis Würzburg zu 50 mal 100 Euro Strafe. Zusätzlich wurde für die Fahrerlaubnis eine Sperrfrist von sechs Monaten verhängt. Sobald das Urteil rechtskräftig wird, werden im Flensburger Fahreignungsregister drei Punkte eingetragen.

Der Vorfall ereignete sich Anfang Dezember um 1.50 Uhr, in Richtung Würzburg. Wegen Regen sowie Sturmböen und um den Wasserlachen in den Spurrillen auszuweichen, fuhr der LKW nach links versetzt unter Mitbenutzung von 30 Zentimeter der Überholspur. Von hinten sei ein PKW gekommen, der immer wieder Lichthupe gab. Er sei nach rechts gefahren, so der LKW-Fahrer, und habe vorsorglich das Geschehen mit einer Kamera gefilmt. Der PKW sei nach dem Überholen abrupt nach rechts und habe gebremst, so dass nur noch zehn Zentimeter Abstand zwischen den Fahrzeugen war. Der Passat sei weitergefahren und habe sich dann wieder genähert - vermutlich, weil der Angeklagte an der Steigung den Fuß vom Gas genommen habe.

Es kam zu einem leichten Anstoß der Fahrzeuge. Der Schaden betrug auf beiden Seiten jeweils 1500 Euro. Der LKW-Fahrer zeigte den Polizei bei der Unfallaufnahme seine Kameraaufzeichnung. Der PKW-Fahrer habe sich aufgebracht bis aggressiv verhalten, so die Polizei. Er habe die Auffassung vertreten, dass derjenige, der auffährt, die Schuld trage.

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In der Verhandlung meinte der Beschuldigte, er habe nach dem Überholen zwei Mal mit dem Bremslicht Signal gegeben. Dann sei er mit 60-65 Stundenkilometer weitergefahren und der LKW hinten drauf. In der Beweisaufnahme wurden die Kamerabilder des LKW-Fahrers sowie die Aufzeichnungen der Tachografen betrachtet. Danach kam der Referendar der Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis, dass keine Straßenverkehrsgefährdung vorliege, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Auch der Verteidiger meinte, es wurde nicht abrupt, sondern gemächlich abgebremst. Der Angeklagte fühlte sich da bereits auf der sicheren Seite. Der Urteilsspruch musste dann wie ein Schock gewirkt haben. Wenn jemand nach dem Überholen den anderen ausbremst und dabei andere Menschen oder Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, sei das falsches Überholen im Sinne von § 315 c des Strafgesetzbuches, so die Richterin. Es spiele keine Rolle, ob das 30 oder 50 Sekunden dauere. goe