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Zweckverband Wasserversorgung Main-Tauber - In Sitzung über künftige Zusammenarbeit mit Fernwasserversorgung Mittelmain informiert

Im Notfall durch zweites Standbein gerüstet

Von 
Birger-Daniel Grein
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In der Sitzung des Zweckverbands Wasserversorgung Main-Tauber wurde neben finanziellen Beschlüssen der Stand der Notwasserversorgung vorgestellt.

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Wertheim. Einstimmig stellten die Vertreter des Zweckverbands Wasserversorgung Main-Tauber am Mittwoch im Wertheimer Sitzungssaal das Ergebnis der Jahresrechnung 2020 fest. Der Erfolgsplan wies Aufwendungen und Erträge von rund 401 000 Euro auf. Der Vermögensplan umfasste 143 000 Euro.

Ein massiver Wasserrohrbruch hat sich 2020 in Freudenberg ereignet. © Stadt Freudenberg

Der Wasserbezug aus dem Aalbachtal lag 2020 Jahr mit 390 920 Kubikmetern über dem Niveau des Vorjahrs (368 828 Kubikmeter). Die Liefermengen nach Freudenberg und Wertheim wichen von denen in 2020 deutlich ab. Während es in der Großen Kreisstadt der Rückgang 4,7 Prozent beträgt, stieg die Menge für Freudenberg um 17,2 Prozent an.

Wasserverluste

Freudenbergs Bürgermeister Roger Henning erklärte, in den vergangenen Jahren habe man die Wasserverluste stets reduzieren können. Er dankte den Stadtwerken Wertheim für das schnelle Lokalisieren und Beheben von Wasserrohrschäden. Man habe in Freudenberg mehrere Herausforderungen, die andere Kommunen nicht hätten, verwies er unter anderem auf die Topographie mit Steigungen und die enge Bebauung. Dadurch würden Maßnahmen an den Leitungen erschwert.

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Im Jahr 2020 sei es in Freudenberg zu insgesamt 19 Wasserrohrbrüchen gekommen, bedauerte Henning. In den vergangenen Jahren seien es nur neun gewesen.

Besonders hob er einen massiven Rohrbruch im Bereich der Anwesen Hauptstraße 76/84 hervor. Durch den Rohrbruch sei es zu einem Wasserverlust von 3,5 Kubikmetern pro Stunde gekommen. „Die Wasserleitung verlief durch eine Treppe zu den hinteren Häusern.“ Zur Sicherstellung von deren Versorgung habe man eine Notwasserleitung verlegt. Die Reparatur habe einen erheblichen Aufwand und Kosten von fast 27 000 Euro mit sich gebracht, so der Bürgermeister.

Keine Kostenweitergabe

Zu den Wasserverlusten insgesamt betonte Henning: „Es ist festzustellen, dass die Wasserrohrbrüche und daraus resultierende Verluste nicht an den Endkunden weitergeben werden.“

Zur Erfolgsrechnung wurde festgestellt, die Kostenumlage als Ausdruck des wirtschaftlichen Ergebnisses hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 4000 Euro auf 401 000 Euro reduziert. Beim Material sind die Aufwendungen für den Wasserbezug mit 165 000 Euro (Vorjahr: 170 000 Euro) und Strombezug mit 53 000 Euro (52 000 Euro) enthalten.

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Das Umlaufvermögen des Zweckverbands lag Ende 2020 laut Vermögensrechnung bei 481 000 Euro. Das 2017 aufgenommene Darlehen wurde planmäßig getilgt und verringerte sich so um 50 000 Euro auf 325 000 Euro.

Ausführlich ging Thomas Beier, Geschäftsführer der Stadtwerke Wertheim, auf den Stand des Wasserversorgungskonzepts Freudenberg/Wertheim „Zweites Standbein“ ein. Dabei geht es um den Aufbau einer Notfallwasserversorgung beim Ausfall der Brunnen im Aalbachtal bei Dertingen. Die Schaffung eines solchen „zweiten Standbeins“ werde vom Regierungspräsidium Stuttgart sowie dem Landratsamts Main-Tauber-Kreis gefordert.

Der mittlere Bedarf im Versorgungsgebiet des Zweckverbands liege bei 43 Liter Wasser pro Sekunde und damit 3727 Kubikmeter pro Tag. Die eigenen Ersatzbrunnen könnten 20 Liter pro Sekunde liefern. „Damit besteht eine Lücke von 23 Liter pro Sekunde.“

Zwei Schritte

Eine Studie des Ingenieurbüros BaurConsult befasste sich mit verschiedenen Möglichkeiten aus technischer und wirtschaftlicher Sicht. Als beste Lösung habe das Büro den zunächst den Anschluss an die Wasserversorgung Kreuzwertheim und danach den Anschluss an die Fernwasserversorgung Mittelmain Abschnitt ermittelt. Der Anschluss an den Hochbehälter Kreuzwertheim solle 2022 erfolgen. Der Fördermittelbescheid und die Genehmigungen der beiden Bundesländer liegen vor. Die Ausführungsplanung laufe ebenso.

Die Wasserleitung soll durch den Main auf Höhe Eichel verlaufen und die Hochbehälter auf Kreuzwertheimer und Wertheimer Seite verbinden.

Henning ergänzte, man habe geprüft, ob eine Verlegung der Leitung zusammen mit dem Bau der neuen Mainbrücke erfolgen könne. Dies sei aber nicht möglich. Laut Beier könnten im Notfall aus Kreuzwertheim bis zu acht Liter pro Sekunde geliefert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 2,158 Millionen Euro. Davon trägt die Stadt Wertheim 1 889 976 Euro (abzüglich 624 100 Euro Förderung), Freudenberg 268 024 Euro (minus 174 400 Euro Förderung).

Es gebe einen ersten Vertragsentwurf mit der Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM). Demnach soll eine Leitung von deren Hochbehälter in Neubrunn zum Hochbehälter Steigerholz im Wald mittig zwischen Kembach, Dietenhan und Dertingen gelegt werden. Durch das Gefälle sei ein natürlicher Wasserfluss möglich, so die Experten.

Bau eines Pumpwerks

Die FWM kann im Notfall Wertheim und Freudenberg mit bis zu 27 Litern pro Sekunde versorgen. Im Gegenzug kann der Zweckverband in Notfällen dem FWM bis zu 20 Liter sekündlich liefern. Dazu ist der Bau eines Pumpwerks nötig. Landkreis und Regierungspräsidium unterstützen das Projekt, der Fördermittelantrag läuft.

Die Gesamtkosten belaufen sich für diesen Abschnitt auf 2,548 Millionen Euro (Anteil Wertheim: 2 231 889 Euro, Freudenberg: 316 511 Euro). Es wurden Fördergelder von 875 803 Euro für Wertheim und 242 343 Euro für Freudenberg beantragt. Die Anbindung an die FWM soll ab 2022 erfolgen. Die FWM soll sich an den Kosten für die Leitungen beteiligen.

In der Zweckverband-Sitzung notiert

Einstimmig beschlossen wurde in der Sitzung des Zweckverbands Wasserversorgung Main-Tauber der Wirtschaftsplan für das Wirtschaftsjahr 2022. Der Erfolgsplan sieht Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 443 640 Euro vor. Im Vermögenshaushalt sind Einnahmen und Ausgaben von 535 500 Euro vorgesehen. Eine Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen.

Freudenbergs Bürgermeister Roger Henning verwies darauf, dass der Zweckverband in diesem Jahr seit 50 Jahren besteht. Er freute sich über die seit Jahrzehnten gute Zusammenarbeit. Die Erfolge zeigten, zusammen sei man stark. Wasser sei ein Menschenrecht, das nicht privatisiert werden dürfe, verwies er auf die Bedeutung des Zweckverbands.

Das Jubiläum wird man coronakonform im kleinen Rahmen am 15. Oktober mit Besichtigung des Pumpwerks Eichelsee und des Wasserwerks Dertingen mit anschließender Einkehr feiern. bdg

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