Convenartis

„Ich steh auf dich, Wertheim“

Mit Sven Garrecht war Gewinner des Wertheimer Affen 2021 zu Gast

Von 
Nadine Schmid
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„Ich bin die Fliege, du der Leim, ich glaub, ich steh auf dich, Wertheim“, Sven Garrecht ist nicht nur Preisträger, sondern auch ein Unterhaltungskünstler par excellence. Davon konnten sich die Kabarettanhänger am Samstag überzeugen. © Nadine Schmid

Wertheim. Eine wichtige Information gibt der Musikkabarettist Sven Garrecht gleich zu Beginn seines Programms bei Convenartis: Er kann Soleier kochen. Dies teile er mit, damit man wisse, dass er wenigstens irgend etwas kann. So tief hätte der Gewinner des Wertheimer Affen 2021 gar nicht stapeln müssen – denn: Er kann auch unterhalten, mit seinen Liedern, mit Wortspielereien, aber auch mit pointierter Betrachtung der gesellschaftlich-politischen Wirklichkeit.

Etwa 30 Zuschauer sind gekommen. Garrecht nimmt es gelassen: „Halbvoll ist das neue Ausverkauft“, eine Erfahrung, die aktuell nicht nur in Wertheim gemacht wird.

Apropos Wertheim, der Künstler hat seinem Auftrittsort ein Gedicht gewidmet. So macht er es überall. Es ist erstaunlich, wie viel er auf „Heim“ reimen kann. Die Quintessenz, die er dann gemeinsam mit dem Publikum singt: „Ich bin die Fliege, du der Leim, ich glaub, ich steh auf dich, Wertheim.“ Er ist sehr wortgewandt und außerdem ein guter Pianist. Er habe, berichtet der aus Seligenstadt stammende Künstler, einmal seine Mutter gefragt, was sie gedacht habe, als er ihr mitteilte, dass er Musiker werden wolle. „ Das war mir klar. Was hättest du sonst können?“ Seine Motivation sei also die Alternativlosigkeit gewesen. Garrecht stapelt gerne tief, dabei hat er das nicht nötig. Zu originell sind seine Beiträge, etwa das Lied über den selbstverliebten siebzigjährigen „Kleinstadttiger“, der versucht, junge Mädchen rumzukriegen. Oder das Lied, das misslungen ist. Er habe seinem Lieblingsdichter ein Denkmal setzen wollen, fand aber keine Reime. Und so kommen viele Reime auf „Goethe“ – um dann letztlich bei Schiller zu landen. „Für Elise“ wird kurzerhand zu einer Anklage Beethovens an seine vermeintliche Geliebte – auch wenn niemand sicher wisse, wer diese Elise eigentlich sei.

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Heike Barowski
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So überrascht er, macht neugierig und reißt das Publikum mit. Dabei bleibt Garrecht aber nicht im Klamauk stecken, sondern wird immer wieder politisch. Etwa wenn er ein Heldenlied für die Jugendlichen der Friday-for-future-Bewegung singt und klar macht, dass es heute wenig braucht, ein Held zu sein. Es gehe bereits bei Mülltrennung und dem Verzicht aufs Auto los. Auch die katholische Kirche bekommt ihr Fett weg. Etwa, wenn Garrecht sich fragt, warum man bereit sei, an Dreikönig Türrahmen, an Erntedank Kürbisse und sogar Waffen zu segnen, aber nicht die Liebe zweier Männer oder Frauen. Was dann als Lied so lieblich daher kommt, zeigt beißende Kritik, auch wenn er meint: Die Auswahl des Bodenpersonals zeige doch, dass Gott Humor habe.

Nach der Pause geht es Schlag auf Schlag weiter. Etwa wenn er sich bei „Tut mir Leid, mein Schatz“ entschuldigt, dass er alles im Haushalt macht und sich als „Schwiegermutterschwarm“ entpuppt, statt der Cowboy zu sein, den sie gerne hätte. Oder „Der Mond ist aufgegangen“ so präsentiert, dass die Sprache gendergerecht ist.

Als Zugabe folgt die Ode an die deutsche Weinkönigin. Denn wer behauptet, Männer würden sich nur für Frauen oder Trinken interessieren, denen erklärt der Künstler: Es geht doch beides, eben bei Veranstaltungen mit der Weinkönigin.

Sicher bleiben den Zuschauern die verschiedenen Wortspielereien und Melodien im Kopf und man kann hoffen, dass man von diesem jungen Künstler, der schon beim Wertheimer Affen sein Publikum komplett überzeugte, mal wieder etwas hört – immerhin steht er ja auf Wertheim.