FN-Interview - Der Künstler und Extremsportler Joey Kelly kommt mit seinem Multivisionsvortrag „Abenteuer Leben“ ins Wertheimer Autokino / Luxusgehabe ist ihm fremd „Ich brauche kein Schickimicki“

Von 
Sabine Holroyd
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Er ist Künstler, Manager und Familienvater. Und er liebt die Herausforderung: Joey Kelly macht immer wieder durch extreme sportliche Leistungen von sich reden. Jetzt kommt er nach Wertheim.

Joey Kelly gastiert am 19. Juni in Wertheim. © Thomas Stachelhaus
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Wertheim. Momentan ist Joey Kelly auf „Autokino-Tour“ – auch für ihn eine völlig neue Erfahrung. Mit seinem rund zweistündigen, mit vielen Videos angereicherten Multivisionsvortrag gastiert er am 19. Juni ab 21 Uhr im Wertheimer Autokino auf dem Parkplatz am Schlösschen.

Im FN-Interview mit dem 47-Jährigen ging es unter anderem um eine „Ente“, Reinhold Messner und die neue Disziplin der Kelly Family.

Joey, vor einem halben Jahr traten Sie beim VolksbankForum in Tauberbischofsheim auf, waren nach Ihrem Vortrag von Fans und Autogrammjägern dicht umringt. So etwas wäre heute unvorstellbar. Wie hat Corona Ihr Leben verändert?

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Joey Kelly: Vor drei Jahren begannen wir mit der Kelly Family unsere große Comeback-Tournee. Das war phänomenal. Am 23. Februar gaben wir das letzte Konzert. Drei Wochen später war alles verboten. Wir hatten unfassbar viel Glück und sind sehr dankbar dafür.

Neben der Musik halte ich oft Vorträge für Unternehmen – die wurden alle abgesagt. Der Bonn Marathon, der Nordpol Marathon, der Mainz Marathon, an denen ich jeweils teilnehmen wollte, wurden allesamt gecancelt. Das ist eine verrückte Zeit. Aber ich nutze sie, um neue Wege zu gehen.

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Die Krise als Chance?

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Kelly: Ja, so sehe ich das. Ich nutze sie, um noch besser zu werden. Ändern können wir es sowieso nicht. Auf meinem Bauernhof habe ich ein kleines Studio aufgebaut, gebe unter anderem Webinars und richte gerade meinen eigenen YouTube-Kanal ein. Meetings mit der Kelly Family finden jetzt immer per Videochat statt. Dadurch sparen wir uns Zeit und lange Anfahrtswege. Außerdem sind wir da viel disziplinierter und reden nicht mehr durcheinander (lacht).

Außerdem habe ich in den letzten acht Wochen zwei Buchprojekte abgeschlossen. Die Bücher werden jetzt produziert. Dinge, die ein Jahr später geplant waren, sind jetzt schon erledigt. Ich finde Aufgaben ohne Ende (lacht).

Ihnen wird es nie langweilig, oder?

Kelly: Nein, ich bin einfach gerne aktiv.

Viele Menschen sagen, dass ihnen jetzt erst bewusst werde, was wirklich wichtig ist im Leben. Was ist Ihnen wichtig?

Kelly: Gesundheit, Familie, Zusammenhalt, Freiheit – alle diese Werte, die sich altmodisch anhören. Das sind sie aber nicht, im Gegenteil: Sie sind unfassbar aktuell.

Bei den extremen Herausforderungen, denen Sie sich immer wieder stellen, sind Sie oft auch allein. Brauchen Sie manchmal diese Einsamkeit und Entbehrungen?

Kelly: Ja, mir macht diese Herausforderung Spaß, an meine persönlichen physischen und psychischen Grenzen zu gehen. Da kommt man immer auf den Boden der Tatsachen zurück.

Man empfindet Dankbarkeit, ein Dach über dem Kopf haben und in Freiheit zu leben. 24 Stunden am Tag können wir uns etwas zu essen kaufen. Aber jedes Mal ist da dieser Reiz – packt man das? Und wie packt man das?

Brauchen Sie Mut für den ersten Schritt?

Kelly: Es ist relativ einfach. Man muss sich entscheiden und den Start-Termin festlegen. Da kommt der Druck von ganz allein. Bis dahin muss ich sowohl körperlich als auch mental und organisatorisch komplett vorbereitet sein.

Bekommt man da mit der Zeit Routine?

Kelly: Die letzten zwei, drei Tage vor dem Ereignis bin ich immer noch nervös. Man überdenkt alles dreimal, überlegt, ob noch etwas fehlt oder ob man noch was besser machen kann. Da sind so viele Kleinigkeiten, aber man will ja bestens vorbereitet sein.

Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und das Ganze clever und keinesfalls naiv anzugehen. Wenn man so viel hinter sich hat wie ich, muss man aufpassen, dass man nicht nachlässig wird. Es reicht nicht, so etwas nur aus der Erfahrung heraus zu stemmen.

Haben Sie doch schon mal etwas vergessen?

Kelly: Bestimmt. Oder ich merke unterwegs, dass ich vielleicht doch den anderen Rucksack hätte mitnehmen, weil der, für den ich mich entschieden habe, reibt. Oder es ist kühler, als ich gedacht habe und ich ärgere mich, weil ich aus Gewichtsgründen den kleineren, dünneren Schlafsack dabei habe. Dann schläft man eben in seinen Klamotten – da muss man dann durch. Nach wie vor mache ich immer noch kleinere Fehler.

Wie kommen Sie mit sich alleine klar?

Kelly: Sehr gut, damit habe ich keine Probleme. Ich freue mich sogar, Zeit mit mir selbst verbringen zu können, über vieles nachzudenken und meinen Körper in Bewegung zu halten. Abends bin ich auf solch einer Tour immer erschöpft und schlafe gut.

Was wünschen Sie sich zu essen, wenn Sie nach einer Challenge nach Hause kommen?

Kelly: Ich nehme das, was meine Frau gekocht hat (lacht). Oder mal schön essen gehen – Pizza und einen tollen Salat dazu zum Beispiel. Ich brauche keinen Hummer und kein Schickimicki.

Stimmt es, dass Sie durch eine Wette mit einer Ihrer Schwestern überhaupt zum Sport kamen?

Kelly: Ja, die lief mit meiner Schwester Patricia. Damals, vor über 20 Jahren, wettete ich, dass ich einen Jedermann-Triathlon schaffe. Ich bin fast als Letzter im Ziel angekommen und dachte, das mach‘ ich nie wieder.

Ein paar Tage später aber kam der Reiz zurück, und ich begann zu trainieren, immer kombiniert mit dem Thema Abenteuer.

Im letzten Jahr fuhr ich mit meinem Sohn Luke in einem alten Bulli von Berlin nach Peking. Das wäre jetzt unvorstellbar. In 27 Tagen kamen wir bis nach Peking, wohlgemerkt ohne Geld. Die Menschen schenkten uns Essen und was wir brauchten, und wir haben ihnen etwas zurückgegeben – zum Beispiel Klamotten, Teddybären oder Kelly-CDs.

Dadurch wurde die Vater-Sohn-Beziehung gewiss noch stärker, oder?

Kelly: Definitiv. Wir hatten eine gemeinsame Herausforderung und wuchsen an den Aufgaben. Es ist schön zu wissen, dass man sich auf den anderen verlassen kann.

Im nächsten Jahr will ich erneut eine Bulli-Tour ohne Geld unternehmen. Ich hoffe, das ist dann wieder machbar. Darauf freue ich mich schon jetzt.

Luke will wieder mitfahren und mein jüngerer Sohn Leon kommt auch mit. Dann fahren wir zu dritt. Das wird gut!

In welche Richtung soll die Tour gehen?

Kelly: Wir wollen die Panamericana fahren, also von Alaska bis nach Feuerland. Das ist unser Traum.

In Ihrer Scheune steht auch ein Citroën 2CV. Was hat es mit der „Ente“ auf sich?

Kelly: Meine Frau wollte immer so eine „Ente“ haben – schon vor 20 Jahren träumte sie davon. Vor sieben Jahren habe ich ihr sie zum 40. Geburtstag geschenkt. Damals waren diese Autos noch recht günstig. Ich habe sie von einem Bekannten gekauft und restauriert.

Meine Kinder und ich haben die „Ente“ dann mit Luftballons dekoriert in der Garage versteckt. Meine Frau hat sich riesig darüber gefreut.

In Tauberbischofsheim erzählten Sie, wie Sie einmal als Letzter der Kelly Family auf die Bühne kamen, noch in Laufklamotten und mit Startnummer . . .

Kelly: Das war bei „Michael Jackson and Friends“ in München, einem Benefizkonzert. Ich hatte an diesem Tag einen Ironman-Triathlon. Die Anfrage, im Vorprogramm zu spielen, kam drei Wochen vorher. Bei diesem Ironman war ich leider etwas langsamer als gehofft, aber kam trotzdem noch rechtzeitig in München an.

Meine Geschwister standen bereits auf der Bühne, es waren nur noch ein paar Sekunden bis zum ersten Song. Sie waren ein bisschen verärgert, aber das war mir egal (lacht).

Sie haben in Tauberbischofsheim auch erzählt, dass Sie gerne nach einem Konzert nachts noch joggen gehen. Haben Sie da keine Bedenken? Und kennen Sie Angst ganz allgemein?

Kelly: Doch, Angst kenne ich sogar gut. Sie schützt uns vor Gefahr. Wenn ich keine Angst hätte, sehr naiv wäre, wäre das in den letzten 20 Jahren nicht immer gut gegangen. Oder ich hätte ich mich blauäugig in Gefahr begeben. Aber ich bin vorsichtig, habe Respekt.

Es gibt viele tolle Städte wie etwa München, Berlin oder Hamburg. In der Nacht sehen die Städte anders aus, haben eine andere Atmosphäre. Das hat was. Man sieht unglaublich viel.

Wen würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Kelly: Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die mich faszinieren, zum Beispiel Reinhold Messner. Ich hab‘ ihn mal in der Talkshow von Markus Lanz getroffen, aber ich denke, er würde wahrscheinlich keine Zeit mit mir verbringen wollen. Dabei würde ich ihn so gerne einmal zwei Stunden ausfragen dürfen. Das wäre schön.

Bei Lanz durfte ich ein Foto mit ihm machen. Aber ich habe ich ihn nicht gefragt, ob ich seine Telefonnummer haben darf oder so. So was mach‘ ich nicht. Dazu hab ich zu viel Respekt vor ihm. Ich will ihn nicht stören. Aber wenn er mal sagen würde: Joey, lass‘ uns mal zusammen essen gehen, dann würde ich ausflippen.

Welche Bands hörten Sie als Teenager?

Kelly: Mein erstes Konzert war AC/DC in der Essener Grugahalle. Die hab‘ ich gerne gehört. Oder Guns ‚n’ Roses, Bon Jovi, Aerosmith und Bruce Springsteen. Ich mag aber auch Bands, die nicht mehr existieren oder unbekannt sind.

In Frankreich gibt es den Sänger und Songwriter Francis Cabrel. Ihn kennt in Deutschland kein Mensch, aber in Frankreich ist er sehr beliebt. Ihn finde ich unfassbar stark. Auch in Irland gibt es Musiker, die man hier nicht kennt, die aber sehr gut sind.

Als Deutscher denkt man automatisch an Chris de Burgh, wenn von irischen Musikern die Rede ist.

Kelly: Chris de Burgh ist nicht meine Musik. Natürlich hat er sehr gute Songs geschrieben, aber für mich klingen sie ein bisschen wie irische Schlager.

In Wertheim halten Sie Ihren Vortrag nicht vor Menschen, sondern vor Autos, in denen Menschen sitzen. Das ist auch eine neue Herausforderung für Sie, oder?

Kelly: Ja, das stimmt. Ich freue mich sehr darauf. Das ist eine ganz neue Erfahrung. Wahrscheinlich bin ich der erste Redner, der in einem Autokino so etwas macht.

Ich werde alles geben und hoffe, den Leuten gefällt das und sie sind happy.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim