Berufsbild erweitert - Pflegedirektorin Christiane Rösch übernahm vor kurzem auch die Aufgabe der Krankenhausdirektorin an der Rotkreuzklinik „Ich bin ein Fan von Netzwerken“

Von 
Elmar Kellner
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Christiane Rösch hat seit Juni auch die Position der Krankenhausdirektorin inne und ist damit für die kaufmännische Gesamtorganisation zuständig. © Kellner

Sie ist eine Frau mit vielen Ideen. Als Krankenhaus- und Pflegedirektorin der Wertheimer Rotkreuzklinik weiß Christiane Rösch, was sie will.

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Reinhardshof. Es war nicht nur nachbarschaftliche Verbundenheit, die Christiane Rösch mit ihrem Besuch beim Richtfest am Sport- und Gesundheitszentrum des TV Wertheim ausdrücken wollte. Auch persönliches Interesse spielte mit hinein. Die 52-jährige gelernte Kinderkrankenschwester und Diplom-Pflegewirtin freut sich darauf, wenn das neue Angebot direkt neben der Rotkreuzklinik am Reinhardshof zur Verfügung steht. Und will es selbst nutzen, auch als Ausgleich für ihren beruflichen Alltag. Der ist vor einigen Wochen noch anspruchsvoller geworden.

Als die gebürtige Schweinfurterin zum 1. September vergangenen Jahres ihren Dienst im Wertheimer Krankenhaus antrat, tat sie das als Pflegedirektorin. Diese Position hat sie auch weiterhin inne. Gleichzeitig wurde sie Anfang Juni zur Krankenhausdirektorin ernannt und übernahm damit, wie es in einer Pressemitteilung hieß, „zusätzlich zum operativen Geschäft der Pflegedirektion die Verantwortung für die kaufmännische Gesamtorganisation des Hauses“.

Zwei umfangreiche Aufgaben

Aber muss bei zwei so anspruchsvollen Aufgaben nicht fast zwangsläufig eine davon zu kurz kommen? Christiane Rösch sieht diese Gefahr nicht. Sie erkennt eher die Vorteile durch mannigfaltige Synergieeffekte. „Es gibt so viele Anknüpfungspunkte“, sagt sie zuversichtlich. Dabei ist ihr durchaus bewusst, dass sie zwar über viel Erfahrung verfügt und dennoch nicht alles alleine managen kann. Für den kaufmännischen Bereich ihrer Aufgaben will sie sich daher Unterstützung organisieren. Primär geht es ihr darum, „Ideen zu haben, worauf es hinauslaufen soll. Ich denke das gerne vorher“. Im Mittelpunkt steht für sie der Mensch. Das ist zwar eine gerne gebrauchte Floskel, die Krankenhaus- und Pflegedirektorin ist aber selbstbewusst genug zu sagen, dass sie diese mit Fakten unterlegen kann. „Die sichere und gute Patientenversorgung haben wir bei allem was wir tun im Blick“, beteuert sie.

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Für Rösch geht es darüber hinaus um Fragen wie die, „wie arbeiten die Berufsgruppen hier im Haus zusammen, wie werden sie geschult, wie ist die Ausstattung, über die wir verfügen?“. Letzteres sei in einer fast neuen Klinik nicht ganz so vorrangig, dürfe aber auch nicht vernachlässigt werden.

In den ersten Monaten, berichtet die Direktorin, habe sie sich durchaus Zeit gelassen, das Haus und das Personal kennenzulernen. Sie hat viele Gespräche geführt und führt sie noch. „Wir haben hier einen Betrieb, der 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag laufen muss“, erklärt sie. „Die Patienten müssen und sie wollen nicht wissen, welcher organisatorische Aufwand dahintersteckt.“ Zum Beispiel um zu gewährleisten, dass immer eine ausreichende Zahl an qualifizierten Mitarbeitern zur Verfügung steht.

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Das wird durch den Fachkräftemangel in der Pflege nicht einfacher. „Wir brauchen Menschen mit entsprechender Qualifikation, aber auch eine gesunde Altersmischung. Den Ausfall einer ganzen Generation kann ich mir nicht leisten.“

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Neben anderen Dingen müssten den Beschäftigten deshalb zum Beispiel verschiedene Arbeitszeitmodelle angeboten werden. „Ich bewundere die Pfleger, die bis zum Ruhestand alle drei Schichten durcharbeiten. Aber das ist nicht allen möglich.“ Darüber hinaus gebe es Lebensphasen, die eine flexiblere Arbeitszeit erforderlich machen. All das bedürfe eines Konzepts, über das sie sich vorher Gedanken mache. „Aufschreiben, durchdenken, vorstellen.“

Christiane Rösch „outet“ sich im Gespräch auch als „Fan von Netzwerken“ und würde sich in der Wertheimer Gesundheitsversorgung gerne an einem solchen beteiligen –oder es, nötigenfalls, aufbauen helfen. Auch die Art der Pflege ist für sie nicht in Stein gemeißelt. Ihr schwebt eine Art „Case- und Care-Management“ vor, mit Hilfe dessen zumindest die Art der Begleitung der Patienten in der Klinik verbessert werden könne. „Optimalerweise wären wir in einem solchen Modell auch Ansprechpartner für die Einweiser und für die Nachsorge.“ Entscheidend sei, was am Ende dabei herauskomme, ob es dem Patienten damit besser gehe und welche Folgen es hat für die Kostenträger.

Der Spaß an der Arbeit

Rösch ist aber bewusst, dass man viele Pläne im stillen Kämmerlein ersinnen kann. „Man muss Partner dafür finden, die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen, ihnen die Möglichkeit geben, eigene Vorstellungen einzubringen.“

Sie ist überzeugt, „wenn ich weiß, ich bekomme die entsprechende Unterstützung, dann macht die Arbeit auch mehr Spaß“.

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