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Kloster Bronnbach

Holzwurm geht es an den Kragen

Spezialfirma aus Dresden macht die Holzbalken der alten Fruchtscheune wieder schädlingsfrei

Von 
Matthias Ernst
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Das Dach der Fruchtscheune in Kloster Bronnbach wird derzeit mit einer Spezialfolie abgedichtet, um in dem Gebäude Holzwurm und Holzbock zu begasen. © Matthias Ernst

Kloster Bronnbach. Wer derzeit nach Kloster Bronnbach kommt, wundert sich, dass die Fruchtscheuer, ein Bau aus dem frühen 16. Jahrhundert, mit einer Folie versehen ist und rundherum eine großzügige Absperrung mit Bauzäunen am Betreten hindert. Das hat noch nichts mit dem Umbau des Gebäudes zum Eingangsbereich für den Erweiterungsbau des Hotels zu tun, sondern Erhaltungsgründe des Gebäudes.

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Während die Grundmauern aus solidem Stein gebaut sind, ist die Balken- und Dachkonstruktion aus Holz. Und darin wüten seit längerem Holzbock und Holzwurm. Das Immobilienmanagement des Landkreises konnte den Kreistag endlich davon überzeugen, die Insekten fachmännisch entfernen zu lassen, um einen noch größeren Schaden zu vermeiden. In der Endphase hätten sämtliche Holzelemente entfernt und erneuert werden müssen.

Doch so weit kommt es nicht, denn die Spezialfirma Groli Schädlingsbekämpfungs GmbH aus Dresden hat ein Verfahren, um den zerstörenden Tieren zu begegnen und sie zu bekämpfen.

Holzbock lebt bis zu zehn Jahre

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Geschäftsführer Marco Müller erläutert, dass der Holzbock acht bis zehn Jahre leben kann und dabei eine Holzmenge von dem Inhalt einer Kaffeetasse als Staub hinterlässt. Dabei kann er Entfernungen von bis zu 300 Metern zurücklegen. Der Holzwurm ist da etwas kürzer unterwegs, sein Radius beträgt nur etwa drei bis sechs Meter, so Müller bei einem Pressetermin.

Während er am Erklären ist, sind seine vier Mitarbeiter damit beschäftigt, eine luftdichte Folie über dem Dach der Fruchtscheune zu befestigen. „Man hat uns schon öfter als ‚Christo von Dresden’ bezeichnet“, sagt er scherzhaft, weil die Folienverpackung eines Gebäudes an den Aktionskünstler Christo erinnert, der beispielsweise 1995 den Deutschen Reichstag in Berlin als Kunstinstallation verhüllt hatte.

Soweit wollen die Männer aus Dresden nicht gehen, ihre „Verhüllung“ hat rein praktische Gründe. Denn Holzbock und Holzwurm sollen mittels Gas eliminiert werden. Müller betont, dass es hohe gesetzliche Vorgaben zum Einsatz des Spezialgases gebe, damit keine Schäden in der Umgebung geschehen, denn Sulforylflorid (SO2F2) ist ein stark wirkendes Gift, das alles tierische Leben zerstört. Natürlich soll nur der Holzwurm und der Holzbock bekämpft werden, deshalb sei vorher von Fachleuten sichergestellt worden, dass sich beispielsweise keine Fledermäuse mehr in dem Gebäude befinden. Der Fledermausbeauftragte des Landkreises hatte sich von der Abstinenz der Flugsäuger mehrfach überzeugt.

Keine Gefahr für Menschen

Außerhalb des Gebäudes besteht keine Gefahr für Mensch und Tier, beruhigt Marco Müller. Deshalb werde das Gebäude ja auch mit etwa 2300 Quadratmetern Folie abgedichtet, das zusätzlich noch mit 1,5 Kilometer Klebeband befestigt wird.

Fünf Leute sind seit diesem Montag damit beschäftigt die Vorbereitungen zu leisten, bevor dann die Begasung stattfinden kann. Die wird sich über drei Tage hinziehen, um auch wirklich alle Tiere zu erwischen.

„Es werden alle Lebensformen vom über die Larve bis zum flugfähigen Tier bekämpft“, sagt der Schädlingsbekämpfer. Die Spezialfirma hat eine lange Erfahrung im Bereich der Schädlingsbekämpfung. Nicht nur Kirchen und öffentliche Gebäude gehören zu dem Arbeitsgebiet, auch viele Privathaushalte nutzen die Fähigkeiten der Dresdner Firma.

Müller legt Wert darauf, dass das verwendete Mittel, für das es nur einen Hersteller in den USA gibt, vom Bund zugelassen wurde. Es werde auch bei der Begasung von Containern in Häfen eingesetzt, um beispielsweise zu verhindern, dass giftige Spinnen über Bananenimporte zum Verbraucher gelangen. „Jede Kakaobohne in Deutschland wird mit dem Gas behandelt“.

Beim Kontakt mit Sauerstoff zerfällt es in seine Bestandteile und wird damit unwirksam. Das ist auch der Grund, warum eine luftdichte Hülle um die Fruchtscheune aufgebaut wird. So bleibt das Gas im Gebäude und gelangt nicht nach außen. Nach der Behandlung wird Fruchtscheune kontrolliert belüftet und ist damit wieder uneingeschränkt nutzbar.

Regelmäßige Messungen im Gebäude sorgen dafür, dass das Gas sich gleichmäßig verteilt und wirken kann. Dazu wurden mehrere Leitungen im Gebäude verlegt, dickere Stränge für die Einleitung des Gases und dünnere für die Messungen.

Wie genau das funktioniert, will Müller nicht verraten, auch nicht, wie viel Gas verwendet wird, um der Konkurrenz nicht Geschäftsgeheimnisse zu verraten. Zusätzlich sind auch noch Prüfkörper der Materialprüfanstalt Eberswalde an mehreren Stellen verteilt, damit ein Nachweis besteht, dass die Tiere auch wirklich durch das Gas getötet wurden.

Joachim Aragon, Leiter des Immobilienmanagements des Main-Tauber-Kreises, betont, dass die Aktion unbedingt notwendig war, um die Substanz der Fruchtscheune zu erhalten.

Kosten von 60 000 Euro

Man rechnet mit Kosten von etwa 60 000 Euro, die bereits im Kreishaushalt eingestellt waren. Gut ist die Begasung auch für die in der Fruchtscheune gelagerten Gerätschaften und Fahrzeuge des Museums für ländliches Kulturgut. Sie bleiben stehen und werden ebenfalls mitbehandelt, die an das Gebäude angrenzende Brennerei ist nicht betroffen. Kulturamtsleiter Frank Mittnacht bittet Besucher des Klosters Bronnbach an diesem Wochenende um Rücksicht und Geduld. Da die öffentliche Toilette unter der Fruchtscheune wegen der Begasung gesperrt ist, ist die Toilettenanlage im Kloster selbst kostenfrei benutzbar.

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