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Besonderes Engagement - Ernestine Luise Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg erfuhr herausragende Würdigung durch die Stadt

Hilfe im Hungerjahr gewährt

Von 
Jörg Paczkowski
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Vor 20 Jahren erhielt das Grafschaftsmuseum diese Urkunde, aus der die Ernennung der Fürstin zur Ehrenbürgerin der Stadt Wertheim hervorgeht. © Kurt Bauer

Die ehemalige ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, frühere Stadträtin und Kreistagsmitglied Renate Gassert wird am 9. Oktober Ehrenbürgerin. Vor genau 200 Jahren wurde schon einmal eine Frau Ehrenbürgerin der Stadt.

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Wertheim. Pater Venantius Arnold galt immer als frühester bekannter Ehrenbürger unserer Stadt. Im Jahr seines fünfzigjährigen Priesterjubiläums, Anno 1829, wurde ihm diese Ehre zuteil. Er hatte sich besonders um den Ausgleich zwischen den evangelischen und den katholischen Bürgern Wertheims bemüht und wurde als „ein ehrwürdiger, milder, äußerst menschenfreundlicher Greis“ und „verdienstvoller Mann“ bezeichnet.

Durch den Kontakt mit einer adeligen Familie aus Baden-Württemberg, die eigentlich nur einen indirekten Bezug zu Wertheim hat, kam ein Dokument vor fast 20 Jahren als Dauerleihgabe in das Grafschaftsmuseum, das für die Wertheimer Geschichtsschreibung von höchster Bedeutung und hochaktuell ist.

Dem Museum wurde ein Ehrenbürgerbrief übergeben, der, wie der ehemalige Stadtarchivar Erich Langguth feststellte, dieselbe Gestaltung und Form aufweist, wie die Urkunde für Pater Venantius Arnold. Dieser Ehrenbügerbrief ist allerdings bereits zum 1. Januar 1821 – also vor genau 200 Jahren – ausgestellt worden. Auss einem Inhalt geht hervor, dass der damalige Oberbürgermeister, der Stadtmagistrat und der „BürgerAusschuss der Großherzoglichen Badischen Kreis- und Hochfürstlich Löwenstein, Wertheimischen ResidenzStadt Wertheim“ Ernestine Luise Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, geborene Gräfin von Pückler und Limburg (1784 bis 1824), Gemahlin von August Georg Wilhelm Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, die Ehrenbürgerwürde verleihen. Damit ist Ernestine die erste Wertheimerin, der diese Ehre widerfuhr.

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1805 wurde ihr Sohn Adolph geboren, der später Katharina Schlund heiraten sollte, deren Vater Johann Christoph Schlundt als Oberbürgermeister der Stadt Wertheim den Ehrenbürgerbrief für Ernestine mitunterzeichnete. Katharina wurde dann zur Freifrau von Adlerhorst erhoben. Ihr Gedenkstein befindet sich im Eicheler Hofgarten.

Von 1807 bis 1813 war das Paar, Ernestine und Georg, meist am Hof von Napoleons Bruder Jerome in Kassel. Möglicherweise hatte – wie der Historiker Stefan Hinderer aus Gaildorf dargestellt hat – Ernestine eine Liaison mit diesem König. Georg war in Kassel Oberstallmeister und Ordonanzoffizier. Er beschreibt in seinem Tagebuch unter anderem die Situation am Kasseler Hof und ausführlich den Krieg gegen Russland.

Infolge des „Hungerjahres“ 1816/17 wurde auf Betreiben des fürstlichen Paares die Birkenanlage hinter dem „alten Schloss“ (der Wertheimer Burg) im Rahmen einer Art der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angelegt. Das fürstliche Haus übernahm dafür die Kosten. Dieser Wald diente der Bevölkerung für erholsame Spaziergänge. Zuvor hatte man das Schlösschen umgebaut und den englischen Park angelegt. Er wurde durch Tempel, Bänke, Skulpturen und Brunnen ein „Ort der Empfindsamkeit“. Über einen Weg war der englische Park mit der Birkenanlage verbunden. 1820 stickte Ernestine eigenhändig eine Fahne für das Wertheimer Schützencorps und im Jahr der Ernennung zur Ehrenbürgerin wurde sie Ehrenmitglied und Protektorin der Wertheimer Fischer- und Schifferzunft.

Das Paar wohnte in seiner innerstädtischen Residenz und hatte seine Sommerwohnung – auch „Landhaus“ genannt – im Eicheler Schlösschen. Zudem hatte Fürst Georg für seine Gemahlin ein weiteres, erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts abgerissenes villenartiges Schlösschen mit einem Park erbauen lassen.

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Die sogenannte „Ernestinenruhe“ lag zwischen der äußeren Mühlenstraße und der Tauber. Aus Dankbarkeit und zur Erinnerung an das soziale Engagement des fürstlichen Paares wurde von einem Bürgerverein 1819 das „Hungerdenkmal“ in der Birkenanlage errichtet, dessen Kopie im Eicheler Hofgarten aufgestellt ist.

Das Original steht geschützt im Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit und gibt dort Zeugnis von den Leistungen von Fürstin Ernestine und Fürst Georg.

Die Rettung des Schlösschens, das wie der Park auf Wunsch des Fürsten der Bevölkerung immer zugänglich gewesen war, ist heute auch einer bürgerschaftlichen Initiative zu verdanken und steht damit in der Tradition eines sozialen Engagements, für das die Fürstin Ernestine einst Ehrenbürgerin unserer Stadt wurde.

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