Gott ist einfach für die Menschen da

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So wie fast jeden Tag schalte ich meinen Computer ein, um zu arbeiten. Die Predigt für den nächsten Sonntag. Eine Liste der neuen Konfirmanden und diese Zeilen für die Zeitung wollen geschrieben werden.

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Doch dann empfängt mich statt des Anmeldeschirms eine freundlich wirkende Schrift, die mir erklärt, dass gerade ein neues Update installiert wird. Einfach so, ohne dass ich etwas tun könnte, wird mir einfach von Redmond aus ein Update verpasst.

Und die Marketing Abteilung schreibt mir, während ich warte, was ich nach diesem Update alles Tolles tun können soll. Und dass das Update gegen zahlreiche neue PC-Schädlinge helfen soll.

"So ein Update ist schon praktisch. Das sollte es für meinen Glauben auch geben" denke ich mir so. Einfach ein Update, das mir von ganz oben verordnet wird und das mich wieder fit für die aktuellen Fragen macht.

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Die Fragen, die immer wieder auftauchen und in mir zu bohren anfangen. Die Fragen, die meinen Glauben an einen liebenden Gott immer wieder in Zweifel ziehen, wenn ich das Weltgeschehen und das Geschehen vor meiner Haustür beobachte.

Einfach ein Glaubensupdate, und schon wäre ich wieder immun gegen alle Anfechtung. Das wäre schön.

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Mein Rechner startet erneut und ich sehe den gewohnten Anmeldeschirm. Ich tippe meine Daten ein und erwarte eine glänzende neue PC-Welt.

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Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Alles scheint, so wie es war. Von dem neuen großen Update merke ich schlichtweg nichts. Dieses Update verstehe ich nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl, einfach nur Zeit verloren zu haben, durch das große Zwangs-Update.

Schön, dass es bei meinem Glauben nicht so ist. Wenn mich eine Frage einfach nicht in Ruhe lässt, dann muss ich mich selber damit beschäftigen.

Es kostet Zeit und manchmal auch Kraft. Selber die Bibel in die Hand zu nehmen, nachlesen, sich inspirieren zu lassen, mit Freunden darüber zu reden, zu beten. Das Ergebnis ist aber befriedigend. Ich verstehe hinterher mehr.

Es ist die Beschäftigung mit meinem Glauben, mit Gott und seiner Zuwendung zu Menschen, die mich durch die Fragen der Zeit hindurch trägt. Dann merke ich, dass ich mit meinen Fragen nie allein dagestanden habe, sondern dass andere Menschen, die lange vor mir gelebt haben, meine Fragen, Ängste und Nöte teilen.

Und immer wieder war die Erkenntnis: Gott ist da. In unseren Fragen, Ängsten und Nöten. Er ist einfach da.

Und da habe ich das Gefühl, weiter im Glauben gewachsen zu sein. Das Gefühl trägt mich durch den Alltag wie eine kleine Wolke. Dieses Gefühl kann mir keiner verschaffen, kann mir nicht verpasst werden.

Es ist viel besser, als ein von oben verordnetes Zwangs-Update, das ich nicht verstehe. Denn nur wenn ich selber begreife, dass Gott da ist, kann ich mich gehalten fühlen. Gott sei Dank.

Christoph Brandt, Pfarrer i.P., Kirchengemeinde und Sonderriet Nassig