Glasmuseum - Exponat soll nach dem Umbau zurückkehren / Eckard Lenz schmiedet bereits Ideen Glaskugel zieht vorübergehend um

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Elmar Kellner
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Eines der imposantesten Exponate des Glasmuseums wurde gestern "ins Exil" gebracht. Die Glaskugel muss einer Feuertreppe weichen.

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Wertheim. Fast zwei Jahrzehnte lang stand es, geschützt unter einer eigens für sie gebauten Dachkonstruktion, im Hof des Glasmuseums. Gestern nun musste das imposanteste Exponat des Hauses zumindest vorübergehend "ins Exil" umziehen. Ralph Eberhard, Steffen Schleßmann und Ingo Kuhnert holten mit einem Traktor mit Heckstapler die seinerzeit - und wohl auch heute noch - größte Glaskugel der Welt, einschließlich dem aus brasilianischem Mahagoni-Holz bestehenden Formkörper, in dem sie einst hergestellt worden war und brachten sie nach Bestenheid, wo sie vorerst bei der Firma Lenz Laborglas eingelagert wird.

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Als Seniorchef des Unternehmens, mehr aber noch als zweiter Vorsitzender des Trägervereins hatte Eckhard Lenz gemeinsam mit Museumsleiterin Marianne Tazlari ein wachsames Auge auf die diffizile Arbeit. Kugel und Form waren im August 1987 aus dem damaligen Mainzer Stammwerk der Schott-Gruppe nach Wertheim gekommen. Der Formkörper war zuvor rund zehn Jahre lang von den Glasmachern in der Hütte D zur Herstellung der weltweit größten Kugeln mit einem Fassungsvermögen von jeweils 500 Litern benutzt worden und hatte dann ausgedient.

Chemischer Apparatebau

Die Gefäße, von denen etwa 600 Stück existierten, wurden vor allem im chemischen Apparatebau verwendet. Die Fränkischen Nachrichten wussten bei der Ankunft dieser "neuen Attraktion für das Glasmuseum" weitere spannende Details zu berichten. Um in dem hölzernen Hohlkörper erst manuell, später dann maschinell, eine Kugel mit einem Durchmesser von einem Meter auszublasen "benötigten die Glasmacher 150 Kilogramm Rohglas mit einer Temperatur von rund 1300 Grad Celsius".

Die Holzform wurde schließlich, wegen der höheren Konturtreue, durch Stahl ersetzt. Bei Schott wünschte man sich, dass "diese nahezu legendäre Holzform nicht irgendwo verwittert, denn eigentlich würde sie doch viel besser in einem Glasmuseum aufgehoben sein". Konrad Dietz knüpfte schließlich die Kontakte, die dazu führten, dass Form und Kugel dem Glasmuseum in Wertheim zum Geschenk gemacht wurden.

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Bevor beides hier aber im Hof aufgestellt wurde, rührten sie, auf Initiative der Fremdenverkehrsgesellschaft beim Umzug anlässlich des Röttinger Gauvolksfestes die Werbetrommel für die Main-Tauber-Stadt.

Fluchttreppe

Geht es nach Eckhard Lenz, werden Formkörper und Glaskugel auch wieder ins Glasmuseum zurückkehren. Ideen dafür entwickelte er gestern jedenfalls schon einmal. Weichen mussten sie, weil sie dem Standort einer neuen Fluchttreppe für das Haus 1 "im Wege stehen". Mit der Fundamentierung soll im März begonnen und die Treppe dann voraussichtlich im Mai und Juni montiert werden, berichtete Museumsleiterin Marianne Tazlari.

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Weitere, vor allem dem Brandschutz dienende Maßnahmen sind in diesem und dem kommenden Jahr noch geplant.

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