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Besonderes Schulprojekt - Abschlussschüler der Geschichtsklassen informierten über während des Naziregimes deportierte und getötete Wertheimer Bürger

„Geschehnisse als Mahnung sehen“

Von 
Birger-Daniel Grein
Lesedauer: 
Schüler erinnern an die Wertheimer Opfer des Nazi-Terrors. © Birger-Daniel Grein

73 Stolpersteine stehen für 73 Menschen. Sie wurden in Wertheim und den Stadtteilen während des Naziregimes deportiert und ermordet. Schülerinnen und Schüler haben jetzt an sie erinnert.

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Wertheim. Die Gedenkplaketten auf dem Boden vor den einstigen Wohnhäusern der Opfer informieren über die Lebensdaten der früheren Wertheimer Bürgerinnen und Bürger, über den Tag ihrer Deportation und ihres Todes.

Im Rahmen einer Aktion in Dertingen und der Wertheimer Altstadt haben Schülerinnen und Schüler am Mittwoch über einige dieser Opfer informiert. Die Veranstaltung gehörte zu einem freiwilligen Geschichtsprojekt der Abschlussklassen neun und zehn der Comenius-Realschule Wertheim und der Werkrealschule Urphar-Lindelbach.

Intensiv mit Opfern beschäftigt

Die Idee dazu hatte 2013 Lehrer und Geschichtsforscher Dr. Dieter Fauth. Die Geschichtslehrer der Abschlussklassen unterstützen ihn jedes Jahr bei dem Projekt. Fauth freute sich, dass 68 der insgesamt 140 Abschussschüler teilnahmen. „Ich bin jedes Jahr überrascht, wie wichtig die Schüler das Projekt finden“, freute er sich.

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Allein oder in Gruppen wählten die Jugendlichen die Menschen aus, über die sie anhand der Stolpersteine berichten wollten. Dazu beschäftigten sie sich zwei Wochen lang intensiv mit deren Leben und Schicksal. Was sie herausgefunden hatten, erzählten entweder im persönlichen Gespräch oder anhand von Plakaten. Grundlage für ihre Recherche war Fauths Buch „Wertheim im Nationalsozialismus aus Opferperspektive.“

Das freiwillige Geschichtsprojekt ist Teil des Themenkomplexes „Drittes Reich“. In diesem Jahr habe man sich entschieden, die Aktion auch in Dertingen durchzuführen. Zum einen, weil ein Teil der Schüler dort herkommt, zum anderen, weil die Bevölkerung hier großes Interesse zeige und zu den Jugendlichen auf die Straße komme. Auch Bürgermeister Markus Herrera Torrez war vor Ort. Er lobte den Einsatz der Schüler legte an einem der Stolpersteine Blumen nieder. Auch in Wertheim legten Einwohner am Mittwoch immer wieder Blumen auf den Gedenktafeln nieder.

Hannah Brand und Luana Henke sind zwei der Projektteilnehmerinnen, die sich mit weiteren Mitschülern die Mitglieder der Familie von Lina Klaus ausgesucht hatten. Diese lebte in der Maingasse. „Wir finden es wichtig, der Opfern des Nationalsozialismus’ zu gedenken und an sie zu erinnern“, gaben die beiden als Motivation für ihr Mitwirken an. Lara Kemmer fand die Erinnerung wichtig, „damit so etwas nicht nochmal passiert.“

Luana und Hannah freuten sich über das Interesse der Passanten an dem Leben der Opfer. Es sei schön, die Mitbürger zu informieren. Einig waren sich die Mädchen, dass es nicht schwer sei, fremden Menschen über ihre Erkenntnisse zu berichten. Von den vorbeikommenden Menschen gab es Lob für die engagierten Schüler. „Ich finde es sehr gut, dass junge Leute über das Thema informieren. Respekt dafür“, stellte beispielsweise ein Bürger fest.

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Alina Herrmann und Lea Wooden hatten sich für die Jüdin Babette Häusler und ihre Familie entschieden, die ebenfalls in der Maingasse lebte. Die gesamte Familie wurde Opfer der Nazis.

Beim Engelsbrunnen hat einst der Jude Max Louise Thalmann gelebt. Er ist zunächst in das Konzentrationslager Dachau gekommen und einige Jahre später nach Ausschwitz deportiert worden, wo er dann starb. Über ihn informierten Christopher Seitz und Max Burkard. „Man muss die Geschehnisse als Mahnung sehen“, betonten die Jungen und fanden, dass man die schlimmen Taten nicht vergessen dürfe. Lina Arnold hatte sich für Thalmanns Schwester Frieda Goldschmidt entschieden. „Ich finde es wichtig, diese unschuldig verfolgten und brutalst ermordeten Menschen in Ehren zu halten und an sie zu erinnern“, sagt sie. Daher finde sie es wichtig, dass es an der Schule ein solches Projekt gebe. Besonders bewegt hat Lina, dass eine alte Dame ein Herz auf ihren Stolperstein gelegt und berichtet habe, dass sie die Opfer noch persönlich gekannt hat.

Christopher Seitz freute sich, dass viele Menschen Interesse an den Plakaten gezeigt hätten. Vor allem ältere Leute würden die Jugendliche auch ansprechen und nachfragen. „Ich bin froh, dass wir heute ohne Krieg leben können“, sagt er und gibt gleichzeitig zu, dass es für die heutige Jugend schwer sei mitzufühlen, wie es damals gewesen sei. Lina wiederum sagte, dass sie versucht habe, sich die Menschen hineinzuversetzen, in ihre Angst und Ungewissheit, als sie „einfach aus ihren Häusern geschleppt wurden.“

Justus Teisen und Aaron Wiessler stellte Jette Lack aus der Zollgasse vor. Im Unterricht, sagt Aaron, höre man immer nur die Zahl der getöteten Juden. Es sei etwas ganz anderes, jetzt viele Details von einem Opfer zu erfahren, das aus der eigenen Umgebung komme.

Nicht nur Juden wurden deportiert und ermordet. Cedra Zaher und Lina Mayer hatten sich entschieden, Ferdinand Franz Schnarrenberger entschieden. Dieser sei wegen einer psychischen Erkrankung getötet worden. „Er lebte allein und musste nur wegen seiner Krankheit sterben“.

Freier Autor

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