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200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden - Dr. Uwe Hauser erläuterte bei Festvortrag historische Zusammenhänge der Kirchenunion

Genialer grandioser Einigungsprozess

Von 
Hans-Peter Wagner
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Einen Festvortrag zum 200-jährigen Bestehen der Evangelischen Landeskirche in Baden hielt Dr. Uwe Hauser in der Wertheimer Stiftskirche. Das Bild zeigt ihn zusammen mit Wibke Klomp, Dekanin des evangelischen Kirchenbezirks Wertheim. © H.-P. Wagner

Die Evangelische Landeskirche in Baden besteht seit 200 Jahren. Dr. Uwe Hauser, Leiter von deren religionspädagogischem Institut, zeigte am Freitagabend in der Stiftskirche bei einem Festvortrag, historische Zusammenhänge der Kirchenunion auf.

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Wertheim. Dekanin Wibke Klomp unterstrich eingangs vor fast 30 Zuhörern, „200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden“ seien ein Grund zu feiern. Man wisse, was die Menschen früher geleistet hätten in einer spannenden Zeit der Impulse.

Dr. Hauser freute sich, an einem solch geschichtlich wichtigen Ort referieren zu können. 1821 sei die evangelische Landeskirche geschaffen worden. Damals seien der lutherische und der reformierte Teil zur unierten Landeskirche zusammengekommen.

Der Experte erinnerte an den Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815. Eine Klimakatastrophe sei gefolgt, 1816 „ein Sommer, der kein Sommer war“. Jedoch habe es in Predigten kein Gejammere gegeben. Denn die Menschen seien fest im Glauben gegründet gewesen.

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Der Referent ging auf Gründe einer solchen Haltung ein. Dabei nannte er zuerst Markgraf Karl Friedrich von Baden (1728 bis 1811), „ein dem Staatswohl verpflichteter Mensch“, ein kluger Mann, der alles für das Wohl der Untertanen eingesetzt habe. Mit dessen Frau Karoline sei Intelligenz in den Hof eingezogen, Bildung in den Vordergrund gelangt, Leibeigenschaft und Folter abgeschafft worden. Hauser bezeichnete Karl Friedrich als einen kleinen Markgrafen mit nur noch wenig Land. Die Untertanen seien im rechten Glauben erzogen worden, lernten mit dem Katechismus Lesen und Schreiben.

Minister Sigismund Freiherr von Reitzenstein, so der Fachmann, habe 1789 neue Ideen erkannt: „Baden muss dabei sein“. Die Politik des Ministers mit guten Kontakten zu Napoleon sei erfolgreich gewesen, Gebiete seien erworben worden. Das Problem sei gewesen, wie man den Staat zusammenbekommt. Man habe sich in Toleranz und Weichherzigkeit geübt, kooperativen Unterricht empfohlen.

Oberkirchenrat gebildet

Ab 1806 sei es darum gegangen, das Großherzogtum Baden mit Leben zu erfüllen. Deshalb habe Karl Friedrich junge Leute geholt wie Johann Nicolaus Friedrich Brauer. Dieser machte aus vier evangelischen Verwaltungen nur noch deren zwei. Schließlich entstand der Evangelische Oberkirchenrat als neue Behörde, der über den Lutheranern und den Reformierten stand und in das Innenministerium eingegliedert wurde. Also wurde alles von oben verordnet, man hatte Großes vor, wollte vereinen. Auch die Katholiken waren zufrieden. Nach dem Tod von Karl Friedrich lasen sie eine Messe für den evangelischen Landesherren.

Der Referent sprach die Symbolarchitektur an, denn Menschen sollen sich wohlfühlen, geborgen sein. Hauser erzählte lebhaft, gab interessante Einblicke, fügte Fakten und Zusammenhänge, Erkenntnisse und Anekdoten zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Dazu ließ er seine eigenen Gedanken einfließen.

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Hauser erklärte zur normativen Kraft des Faktischen, man erkenne innerhalb der evangelischen Christenheit, „wir sind uns ähnlich“. In Notzeiten schlupfe man bei den anderen unter, komme zur Erkenntnis, „wir können miteinander Gottesdienste feiern“. Unterschriften belegten, man möchte heraus aus der konfessionellen Trennung. Die Bewegung von unten postulierte, „man will zusammen sein“. Es entstehe sowohl eine Vereinigung von oben wie eine Union von unten.

So wurde bei der Karlsruher Konferenz 1818 differenziert über Finanzen gesprochen: „Wir müssen einen Ausgleich schaffen, damit alle etwas haben“, hieß es. Nach der Erkenntnis, „uns trennt die Frage nach dem Abendmahl“, ließ man Beides stehen, wegen der tiefen Einsicht, es könne nicht in die Herzen der Menschen geschaut werden, was wirklich geglaubt werde, das liege in Gottes Hand.

Insgesamt habe der Staat die Einigung vollzogen, betont Hauser. Vieles sei in Fachverbänden diskutiert worden, „man hat nachgegeben“. Der Referent sprach von einem „genialen grandiosen Einigungsprozess“.

Trennung ist überwunden

Auf die Frage „Was bleibt?“ gab Dr. Hauser selbst die Antwort: Die Trennung sei überwunden, kirchliche Kräfte wurden gebündelt, die Verwaltung vereinfacht, ein Ausgleich wurde gefunden zwischen Ärmeren und Reicheren, ein Zeugnis der Liebe zwischen Christen gegeben. Der Redner schloss mit der Feststellung: „Wir können dankbar dafür sein.“ Der hinreichend bebilderte, einstündige Vortrag erhielt viel Applaus.

Auf eine Frage aus dem Publikum erläutert Hauser, man habe sich „zurechtgerüttelt“, immer mehr angeglichen, sei großzügig miteinander umgegangen und habe eine „Gewöhnungs-Union“ geschaffen. Die Dekanin wollte von Hauser wissen, was er der Landeskirche wünsche. Er antwortete mit „Weitsicht“, um mit tiefer Gelassenheit der Botschaft zu vertrauen, dass die Kirche Bestand habe. Er wünsche, dass man zurückkomme zu dem, auf was es ankomme. Die Kirche sei für Menschen da.

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