Riesenknall in der Wertheimer Altstadt - Täter erbeuten Bargeld und fliehen mit Auto einer hochwertigen Marke / Polizei sucht dringend Zeugen Geldautomat der Commerzbank gesprengt

Von 
Gerd
Lesedauer: 
Ein lauter Knall schreckte am gestrigen Donnerstagmorgen die Bewohner der Wertheimer Altstadt auf. Professionelle Täter hatten den Geldautomat der Commerzbankfliliale in der Mühlenstraße gesprengt. © Gerd Weimer

Offenbar professionelle Täter haben am gestrigen Donnerstagmorgen den Geldautomaten der Wertheimer Commerzbank-Filiale gesprengt und sind mit einer größeren Menge Bargeld geflohen.

AdUnit urban-intext1

Wertheim. Die Detonation war in der ganzen Innenstadt zu hören. Eine Augenzeugin, die in einer Wohnung in der Rathausgasse mit Blick auf die Stiftskirche, den „Goldenen Adler“ und die Bankfiliale zu Hause ist, schilderte gestern Morgen den Fränkischen Nachrichten: „Ich habe kurz vor halb vier eine Riesenexplosion gehört. Meine erster Gedanke war: Es ist eine Gasexplosion. Ich bin ans Fenster. Die Tür der Bank stand auf. Die Schaufensterscheibe war geborsten.“

Dann sei eine „finstere Gestalt mit dunkler Hose und Kapuzen-shirt“ weggelaufen. Ihr sei relativ rasch klar gewesen: „Entweder ist der Geldautomat gesprengt worden, oder es war ein Versuch, ihn zu sprengen. Dann hab’ ich die 110 gewählt.“ Es habe keine fünf Minuten gedauert, schon seien die Beamten vor Ort gewesen.

Peter Ihrlich, Wirt des „Goldenen Adlers“, wurde von der Explosion aus dem Schlaf gerissen „Es ging alles blitzschnell: Bumm. Männerstimmen. Aufheulender Motor“, schildert er kurz und knapp seine Eindrücke.

AdUnit urban-intext2

Der Tatort war am Donnerstagmorgen bis gegen 9.30 Uhr abgesperrt. Fußgänger konnten den Bereich der Mühlenstraße zwischen der Metzgerei Neft-Grein und der Einmündung zur Lindenstraße nicht passieren, weil die Polizei die Spuren sicherte. Der Vorraum der Bank bot, soweit einsehbar, ein Bild der Verwüstung. „Die herbeigerufenen Einsatzkräfte fanden einen vollkommen zerstörten Geldautomaten in dem Innenraum der Bankfiliale vor“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Mosbach und des Polizeipräsidiums Heilbronn. Mindestens zwei unbekannte, dunkel gekleidete und maskierte Personen hätten offenbar mit Gas die Explosion des Automaten herbeigeführt. „Im Anschluss entnahmen sie einen größeren Betrag an Bargeld und flüchteten mit einem dunklen Pkw in Richtung Main und dann weiter in unbekannte Richtung“, so die Mitteilung weiter.

Großangelegte Fahndung

Die Polizei habe zeitgleich eine groß angelegte Fahndung eingeleitet und mit zahlreichen Streifenwagen vergeblich nach den Unbekannten gesucht. Auch ein Hubschrauber der Polizei Hessen habe die Maßnahmen unterstützt. Bei dem Fluchtfahrzeug habe es sich um einen dunklen Pkw einer hochwertigen Fahrzeugmarke gehandelt.

AdUnit urban-intext3

Wie das Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart gestern auf Nachfrage der Fränkischen Nachrichten erläuterte, war der Wertheimer Fall bereits der siebte im laufenden Jahr in Baden-Württemberg.

AdUnit urban-intext4

Bei zwei davon sei es beim Versuch geblieben, in fünf Fällen machten die Täter Beute. In den Vorjahren gab es jeweils um die 20 solcher Taten, wobei die „Erfolgsbilanz“ der Kriminellen sehr unterschiedlich ausfiel: 2016 – 22 Fälle (18 Versuche/4 Vollendungen), 2017 – 18 Taten (8/10), 2018 – 22 Sprengungen (18/4).

Ulrich Heffner vom LKA erläuterte, dass die Tätergruppen meist aus den Niederlanden agieren, zunächst im benachbarten Nordrhein-Westfalen, dann „immer weiter im Süden“. Es gebe auch Täter aus Polen. Es seien bestens organisierte Banden, die bei Kontakt mit der Polizei sofort ohne Rücksicht auf Verluste und mit hohem Risiko flöhen. Sorge bereite den Sicherheitsbehörden auch die Gefahr, die von der Sprengung ausgehe.

Solche Explosionen seien ein „unkalkulierbares Risiko.“ In Baden-Württemberg sei glücklicherweise noch kein Mensch verletzt worden. Aber natürlich entstünden bei solchen Taten hohe Sachschäden. Ein Nebeneffekt der Verwüstungen: Die Spurenlage sei an solchen Tatorten häufig schwierig, die Spuren sehr schwer schwer zuzuordnen. „Das macht uns das Leben schwer“, so Heffner.

Die Banken müssten sich Gedanken machen, wie sie solche Taten besser verhindern könnten. Man weise in Gesprächen auf mögliche Verbesserungen hin. So könne man die Verbauung der Automaten optimieren, indem man sie ins Mauerwerk integriert.

Zusätzlich gebe es die Möglichkeit, Farbbomben einzusetzen, die bei einer Sprengung das Bargeld unbrauchbar machen.

In jedem Fall sei man bei der Aufklärung solcher Taten auf Hinweise aus der Bevölkerung oder Aufnahmen von Überwachungskameras angewiesen.

Die Polizei ruft auch im Wertheimer Fall mögliche Zeugen auf, sich zu melden. Mindestens drei unbeteiligte Personen hätten sich gemeinsam in der Wertheimer Innenstadt aufgehalten, teilt sie mit. Diese könnten möglicherweise wichtige Hinweise über den Vorfall, das Fluchtfahrzeug und das Autokennzeichen liefern.