Amtsgericht - Bargeld-Tageseinnahmen nicht auf die Bank gebracht, sondern zu Hause aufbewahrt / Bei Unfall verschwanden angeblich Geldtaschen Filialleiterin erhält wegen Unterschlagung Bewährungsstrafe

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goe
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Wertheim. Die Buchhaltung einer überregional tätigen Firma entdeckte bei ihrer Filiale in der Wertheimer Altstadt „Ungereimtheiten“ bei der Kassenabrechnung. Die Überprüfung vor Ort bestätigte den Verdacht mit dem Ergebnis, im Zeitraum Oktober bis November 2018 wurden entgegen der Vorschrift 16 Mal die Bargeld-Tageseinnahmen nicht aufs Bankkonto eingezahlt, insgesamt 10 219 Euro.

Vorschriften nicht eingehalten

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Wegen Unterschlagung in 16 Fällen verurteilte jetzt das Amtsgericht Wertheim die damalige Filialleiterin zur Gesamtstrafe von sieben Monaten. Diese wurde gegen Zahlung einer Buße von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zur Bewährung ausgesetzt.

Es bestand die Anweisung, Bargeld-Tageseinnahmen am nächsten Werktag auf das Bankkonto einzuzahlen. Mit Karte sei das auch nach Schließung der Bank möglich, so der Regionalleiter der Angeklagten. Die Erledigung der Bankeinzahlung dauert mit Fußweg, laut einer ehemaligen Kollegin, zehn Minuten. Nach den Ermittlungen der Polizei erfolgten im vorgeworfenen Zeitraum manche Einzahlungen pünktlich, manche verspätet, andere gar nicht.

Die Beschuldigte meinte, das Personal der Filiale sei während ihrer Anstellung (Januar 2017 bis November 2018) von acht auf drei Personen reduziert worden. Das habe sie überfordert, und es sei einiges liegen geblieben, auch Bargeld im Büro. In zwei Geldtaschen habe sie schließlich Bargeld mit nach Hause genommen und es am 6. Dezember 2018, vor Öffnung der Filiale, bei der Bank einzahlen wollen.

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Auf der Fahrt Richtung Wertheimer Altstadt, sie nahm nach eigenen Angaben immer den Weg über die Ortsverbindungsstraße Wartberg-Bestenheid, kam der Wagen im Bereich des Aussiedlerhofes nach rechts von der Straße ab, weil ihr übel wurde.

Geld auf dem Beifahrersitz

Eine Zeugin des Unfalls verständigte die Polizei und blieb, bis die Beamten vor Ort waren. Die Angeklagte wurde vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

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Die Beschuldigte trug nun vor, zwei Geldtaschen hätten auf dem Beifahrersitz gelegen. Sie habe mitbekommen, dass ein Mann und eine Frau ans Auto gekommen seien. Hinterher habe Geld gefehlt, und sie habe Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Zeugin erklärte jedoch, Türen und Fenster des Pkw seien verschlossen gewesen, und der Mann sei erst nach ihr hinzu gekommen. Die Polizei berichtete, man habe auf dem Beifahrersitz nur eine Geldtasche entdeckt, mit 3000 Euro.

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Die Staatsanwältin beantragte eine Strafe von sieben Monaten und 3000 Euro Buße. Die Verteidigerin meinte, es fehle der Nachweis, dass sich die Mandantin fremdes Geld aneignen wollte. Es handle sich lediglich um einen Verstoß gegen Betriebsanweisungen, und der Schaden sei inzwischen wieder gut gemacht. Die Anwältin beantragte Freispruch.

Das Gericht kam zur Überzeugung, die Beschuldigte wollte am Unfalltag das fehlende Geld, das sie noch hatte, zurückgeben, für den nächsten Tag hatte sich ja der Regionalleiter zur erneuten Besprechung angemeldet. Klar, dass sich die Frau da ungut fühlte. Die Unterschlagung sei zu diesem Zeitpunkt jedoch vollendet gewesen, Geld der Firma gehöre auf die Bank oder ins Büro aber nicht in die Privatwohnung.

Beschäftigung beendet

Die Beschäftigung der Angeklagten wurde inzwischen beim Arbeitsgericht mit einem Vergleich beendet. Teil der Vereinbarung war, dass die Frau den Schaden wieder gut macht. goe