Konzert in der Jakobskirche

Feierlich-feine Choralmusik

Festlicher Bläsermusik zum neuen Jahr war Motto der Abendmusik

Von 
Rainer Lange
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Das Posaunenquartett „opus 4“ aus Leipzig war am Neujahrsabend zum zehnten und sicherlich nicht zum letzten Mal zu Gast in der Urpharer Jakobskirche. Besonders faszinierte ihre filigran-festlich harmonierende Musik auf den engmensurierten Barockinstrumenten. Es spielten (von rechts): Jörg Richter, Dirk Lehmann, Michael Peuker und Wolfram Kuhnt. © Rainer Lange

Urphar. „Festliche Bläsermusik zum neuen Jahr“ war das Motto der 123. Abendmusik in der Urpharer Jakobskirche. Zum zehnten Mal war das Posaunenquartett „opus 4“ aus Leipzig zu Gast – kein Wunder, dass sich schon lange vor Konzertbeginn ein großes Stammpublikum eingefunden hatte, darunter viele aktive Blechbläserinnen und -bläser aus den heimischen Posaunenchören.

Mit eng mensurierten Barockposaunen spielten Jörg Richter, Dirk Lehmann, Michael Peuker und Wolfram Kuhnt zu Beginn das „Gloria 1641“ von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643).

Der schlanke, durchsichtige Klang in Kombination mit einer unglaublich sauberen Intonation jedes einzelnen Akkords ließ gerade die Kompositionen des 15. und 16. Jahrhunderts besonders genießen. Die damals seltene Bassposaune benötigt wegen des extrem langen Posaunenzugs einen Schwengel am Zugsteg als Verlängerung.

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Wolfram Kuhnt wusste souverän mit dem besonderen Instrument umzugehen und konnte seinen Kollegen immer ein tragfähiges Fundament für die feierlich-feine Choralmusik bieten, die Josquin des Pres (1440 bis 1521), Thomas Selle (1599 bis 1663) und Hans Leo Hassler (1564 bis 1612) in italienischem Stil ursprünglich für bis zu acht Stimmen komponiert hatten.

Die unfassbar sauberen Schlussakkorde nach den fein nuancierten Chorstimmen waren schon immer ein „Markenzeichen“ von „opus 4“. Besonders staunen ließen aber auch Echostellen und doppelchörige Effekte, die mit nur vier Instrumenten einen akustischen Eindruck großer Kathedralen in die optisch eher gemütliche Jakobskirche zauberten.

Nach dem Magnificat „Meine Seele erhebt den Herren“ von Heinrich Schütz (1585 bis 1672) kamen die dominanter klingenden modernen Posaunen zum Einsatz, die im 19. Jahrhundert verstärkt zum Einsatz kamen. Besonders bei dem dreiteiligen „Ave Maria“ von Anton Bruckner (1824 bis 1896) mit dem bassbetonten, kraftvoll akkordischen Festchoral zum Abschluss war dieses klangvolle Fundament ein Genuss.

Nach der virtuosen Fuge d-moll von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), ursprünglich ein Klavierstück, erklangen interessante Stücke unbekannterer Komponisten: Ausgesetzte Soli der Altposaune ließen bei „Cantilena amorosa“ von Bernhard Krol (1920 bis 2013) aufhorchen. Jörg Richters Posaunenschülerin I-Lun, geboren 1983, hat mehrere ihrer Kompositionen dem Posaunenquartett gewidmet. Einfallsreichtum und anspruchsvolle Technik zeichneten das moderne Stück aus.

Ingo Luis ist als Komponist moderner Posaunenchormusik vielen aktiven Posaunenchorbläsern bekannt. Seine „Three Jazzy Pieces“ begeisterten durch große Klangvielfalt von leiser Meditation bis schwungvollem Bigband-Sound.

„A Portrait“ von George Gershwin (1898 bis 1932) war ein mitreißendes Medley zum Abschluss, das viele bekannte Swing-Melodien in allen Tonlagen und in einem großen dynamischen Spektrum präsentierte.

Begeisterter Applaus und vier Zugaben folgten dem offiziellen Programm, darunter die feierliche, zu Herzen gehende Choralmotette „Verleih uns Frieden“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit der das Ensemble anregte, auch an die Menschen zu denken, „denen es nicht so gut geht“. Kirchenälteste Karin Schwab beschloss die Abendmusik mit einem Segensgedicht und der Einladung bereits für Neujahr 2025 an das Ensemble „opus 4“.