Naturschutzbund - Leiteinrichtungen an der Landesstraße bei Nassig erst nach dem Einsatz von freiwilligen Helfern aufgebaut / Viele Amphibien wurden überfahren Fehlender Krötenzaun sorgte für Ärger

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Birger-Daniel-Grein
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Ein fehlender Krötenzaun an der Landesstraße zwischen Nassig und Hundheim löste am Wochenende beim Nabu einen nächtlichen Einsatz zur Amphibienrettung aus. Am Montag wurde der Zaun dann sofort aufgestellt. © Grein

Ein fehlender Krötenzaun im Bereich der Landesstraße zwischen Nassig und Hundheim sorgte für Ärger. In einer großen nächtlichen Aktion retteten Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe Amphibien.

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Nassig. Die Ortsgruppe Wertheim des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) macht aus ihrem Ärger keinen Hehl. „Durch den fehlenden Zaun kam es am Freitag zu einem Massaker an Amphibien“, schreibt dessen Vorsitzender Ekkehard Ebert am Sonntag in einem E-Email an die verantwortlichen Mitarbeiter des Landratsamts.

Eine Kopie der Mail ging an die Presse. „Ich bin müde, erschöpft und wütend. Wütend über den sinnlosen Tod von vielen Tieren. Das hätte vermieden werden können“, heißt es dort weiter.

Eigentlich sollte ein Krötenzaun das Vorgefallene verhindern. Am 6. Juli 2017 habe es einen Termin mit Naturschutzbehörden von Stadt und Landratsamt gegeben. „Danach gingen wir davon aus, dass die gesetzlichen Auflagen eingehalten werden und der Zaun rechtzeitig gestellt wird“, erklärte Ebert gegenüber den Fränkischen Nachrichten. „Damit war für uns klar, wir haben damit nichts mehr zu tun.“

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Schon eine Woche vor den Ereignissen sei durch die Wetterprognosen klar gewesen, dass die Temperaturen steigen. Mit der Wärme beginne dann auch die Amphibienwanderung. Gesetzlich sei die Straßenbauverwaltung des Landes in Form der Straßenmeistereien für das Aufstellen des Zauns verantwortlich. Diese handle auf Veranlassung der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt.

Der Amphibienzaun beginnt normalerweise etwa 300 Meter hinter dem Ortsschild Nassigs in Richtung Hundheim und reicht auf der Waldseite bis auf die Höhe des Holzlagerplatzes. „Am Samstagnachmittag rief mich eine Frau an und berichtete, sie habe am Freitag unglaublich viele überfahrene Amphibien in diesem Gebiet gefunden.“ Durch den Regen und die milden Temperaturen Freitagnacht hätten viele der Tiere ihre Wanderung begonnen.

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Nach dem Anruf am Samstag reagierte der Nabu schnell. „Ab 18.45 Uhr, mit Beginn der Dunkelheit und damit der Wanderung waren wir vor Ort und sahen keinen Zaun“, so Ebert.

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An diesem ersten Abend konnten vier Helfer 107 Tiere sicher auf die andere Seite bringen. Man fand aber auch 30 überfahrene Amphibien. „Sonntagnacht waren wir mit drei Leuten vor Ort. Gerettet wurden 96 Tiere, doch wieder gab es 25 bis 30 überfahrene.“ Aus diesen Zahlen lasse sich sehr leicht ermitteln, was am Freitag geschah.

Die Situation war für die Naturfreunde nicht ungefährlich. Man habe die Hälfte der Tiere auf der Landstraße aufgelesen. „Die Straße war sehr befahren. Sehr oft mussten wir in das schlammige Bankett ausweichen, trotz Warnweste und Taschenlampen.“ Manche Autofahrer schien dies nicht zu interessieren, ärgert sich der Vorsitzende. Hinzu kam der Regen. Das ganze sei gewiss kein Vergnügen gewesen. Spuren der überfahrenen Tiere werde man am nächsten Morgen nicht mehr sehen. „Sie dienen fleischfressenden Vögel als gern genommene Nahrung.“

Kein Vergnügen für die Helfer

In der Mail von Sonntagnacht forderte Ebert das Umweltschutzamt des Landratsamts auf, sofort am Montag den Zaun im betroffenen Bereich errichten zu lassen. Zusätzlich verlangte man Schilder mit der Warnung „Vorsicht Krötenwanderung.“

Außerdem forderte man die Behörde zu einer Stellungnahme auf, warum im betroffenen Bereich weder Schilder noch Zaun gebaut worden sind. In einer E-Mail vom Montagvormittag schreibt das Umweltschutzamt des Landratsamts an Ebert sinngemäß, der Termin zum Aufstellen der Leiteinrichtung für die Amphibien sei in jedem Jahr ein schwieriger Balanceakt.

Ein solcher Zaun bedeute auch für die ehrenamtlichen Helfer eine tägliche Kontrolle, weshalb man das Aufstellen möglichst nahe an den Beginn der Wanderungszeit lege, hieß es.

Aufgrund der hochwinterlichen Witterungsperiode bis Anfang des Monats habe man die Beauftragung der Helfer und der Straßenmeistereien erst am Donnerstagvormittag verschickt. Am Freitag begann der Aufbau der Leiteinrichtungen (Krötenzaun). Man sei selbst davon überrascht worden, dass die Amphibienwanderung auf den höher gelegenen Strecken so schnell einsetzte.

Man bedauerte jedes überfahrene Tier. Dem Nabu dankte die Behörde für ihren Einsatz. Sie hoffte im Schreiben, dass der Zaun noch am Montag gestellt werde.

Am Montagnachmittag waren sowohl der Zaun als auch die Hinweisschilder aufgestellt. Für die Betreuung des Krötenzauns werden vom Nabu Helfer gesucht. Die Tiere müssen hinter dem Zaun eingesammelt und über die Straße gebracht werden.