Gesundheitsbündnis Wertheim: Kampf für die Rettung der freien Arztpraxen / Landesweite Protestaktion wird unterstützt Fach- und Hausarztpraxen bleiben am 1. April geschlossen

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Wertheim. Wegen eines Protesttages bleibt am Mittwoch, 1. April, die Mehrzahl der Fach- und Hausarztpraxen in Wertheim geschlossen. Das teilte das "Gesundheitsbündnis Wertheim" gestern mit.

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Der neue zentrale Gesundheitsfonds verzerrt die Verteilung der Versichertengelder derart, dass die Krankenkassenbeiträge der Arbeitnehmer in Baden-Württemberg zur Stützung der Arzthonorare in andere, vorwiegend östlich gelegene Bundesländer abfließen, heißt es dazu weiter in einer Pressemitteilung. Das führt zu der grotesken Situation, dass bei manchen Fachärzten in Baden-Württemberg bis zu 30 Prozent weniger Honorar ankommen, als bei den vergleichbaren Kollegen, zum Beispiel in Brandenburg.

Das Gesundheitsbündnis Wertheim bezeichnet das als die Fortsetzung des Aufbaus Ost auf dem Rücken der Versicherten und Ärzte in Baden-Württemberg.

Damit stürze im Bundesländervergleich Baden-Württemberg bei den Mitteln für die ambulante Patientenversorgung vom ersten auf den letzten Platz ab. Mittlerweile rege sich, wie das Gesundheitsbündnis behauptet, auch Widerstand bei den Patienten, da mit der neuen Honorarreform letztlich die für die reguläre Patientenversorgung zur Verfügung gestellten Mittel massiv verknappt werden. So versorgt beispielsweise ein baden-württembergischer Augenarzt für ein Kassenhonorar von 21 Euro drei Monate lang seinen Patienten.

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Abgesehen von Vorsorgeleistungen und eng begrenzten technischen Leistungen stehen einem Allgemeinarzt im Quartal 36 Euro für die reguläre Patientenversorgung zur Verfügung. Bereits mit der Erstbehandlung des Patienten sei dieses Budget erschöpft.

Weitere gerade für ältere Patienten wichtige Leistungen wie reguläre Hausbesuche werden egal wie oft und mit welchem Zeitaufwand, nicht mehr vergütet. Immer weniger junge Ärzte zeigen unter diesen Bedingungen Interesse an einer freiberuflich geführten Praxis.

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Das Gesundheitsbündnis Wertheim hat sich die Verbesserung der ambulanten Versorgung der Region auf die Fahnen geschrieben und steht aus diesem Grund hinter den Aktionen des Ärzteverbundes "Medi".

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Gerade in der ländlichen Struktur der hiesigen Region sei die freie unabhängige Arztpraxis ein Garant für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung. Die derzeitige Gesundheitspolitik fördere Klinikkonzerne wie in Miltenberg, die mit medizinischen Versorgungszentren (MVZ) die ambulante Versorgung anonym übernehmen sollen. Die freie Arztwahl werde damit ad absurdum geführt.

Die Bürgerpatienten-Protestbewegung in Gestalt der "patient-informiert-sich.de"-Bürgerinitiative der Gesundheitsjournalistin Renate Hartwig erlebt dieser Tage einen ungeahnten Zuspruch im Engagement gegen den Ausverkauf des Solidarsystems. Deshalb wird auch in Wertheim am 1. April die überwiegende Zahl der Praxen geschlossen bleiben.