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Sonderführung - Annemarie Heußlein erklärte die Besonderheiten des Chorgestühls

Entdeckungstour in der Klosterkirche

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kg
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Annemarie Heußlein (mit Notizen in der Hand) führte rund 20 Besucher durch das Chorgestühl der Klosterkirche Bronnbach. © Kai Grottenthaler

Bronnbach. Auf Entdeckungstour gingen am Donnerstag rund zwanzig Interessierte in der Klosterkirche Bronnbach. In einer Sonderführung erklärte Annemarie Heußlein die Besonderheiten des Chorgestühls.

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Fast 250 Jahre ist das Chorgestühl nun alt und hat doch nichts von seiner Faszination verloren. Neben den handwerklichen Fähigkeiten waren es besonders die malerischen Details, die die Zuhörer eine knappe Stunde in ihren Bann zogen. Man sieht die Mönche quasi vor sich, wie sie in Kutte, mit Kapuze auf dem Kopf und verschränkten Händen ins Chorgestühl einziehen. Achtmal am Tag versammelten sich hier die Mönche zum Gebet, das erste Mal um dreiviertelvier in der Früh.

Ein Schreinermeister aus Lengfurt namens Daniel Aschauer erbaute das Chorgestühl als Laienbruder im Auftrag von Abt Ambrosius Baldus. Nach zwanzigjähriger Fertigungszeit wurde es in den Jahren 1777 bis 1779 aufgestellt, wie auch auf einer lateinischen Inschrift zu lesen ist. Es sei wahrscheinlich das dritte oder vierte Exemplar in der 1222 eingeweihten Kirche, da frühere Versionen zumindest bei den Bauernkriegen und im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden seien.

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Im Gegensatz zu heute war das Chorgestühl früher durch eine Mauer von der übrigen Kirche getrennt - eine sichtbare Abgrenzung zwischen Mönchen und Laien. Während die normale Bevölkerung die Gotteshäuser in den umliegenden Gemeinden besuchte, blieb die Klosterkirche ausschließlich den Mönchen vorbehalten.

Das jetzige Chorgestühl habe den Westchor des Mainzer Doms zum Vorbild und stamme hauptsächlich aus dem Rokoko. Typisch dafür seien die Verwendung wellenförmiger statt gerader Linien, aber auch epochentypischer Symbole wie des Delfins oder der Sonnenblume. Allerdings seien auch vorherige und spätere Moderichtungen in die Gestaltung eingeflossen, wie der Regency-Stil, erkennbar an den geknickten Bändern. „Insgesamt wurden die verschiedenen Stile aber zu einem harmonischen Ganzen verarbeitet“, analysierte Heußlein.

Das Chorgestühl ist in zwei gegenüberliegenden Reihen aufgebaut und besteht aus insgesamt 32 Einzelbetplätzen, den sogenannten Stallen. Diese sind mit geschnitzten, teilweise vergoldeten Symbolen ausgeschmückt. Wie das gesungene Chorgebet alternierend von der einen Seite zur anderen wechselte, nehmen auch die gegenüberliegenden Bilder und Schnitzereien auf den Dorsalen, wie die hohen Rückwände genannt werden, Bezug aufeinander.

Während beispielsweise auf der einen Seite der Sündenfall aus dem Alten Testament noch durch eine Schlange auf dem Baum der Erkenntnis dargestellt ist, flieht dasselbe Kriechtier auf der gegenüberliegenden Seite in der neutestamentarischen Erlösungsszene von einem Rosenstrauch.

Die verzierten Dorsale lassen sich in kleinere Themengruppen von meist vier Bildern einteilen. Auf den äußeren Plätzen sind die vier Kirchenväter Papst Gregor, Hieronymus, Augustinus und Abt Ambrosius dargestellt. Jeweils weitere vier Dorsale zeigen die Evangelisten, die Jahreszeiten und die drei göttlichen Tugenden, wobei die Liebe als Nächsten- und Gottesliebe gleich zweimal symbolisiert ist. Im mittleren Abschnitt sind vier Dorsale Maria und Jesus gewidmet.

Anschaulich bebildert

Besonders anschaulich bebildert sind aber auch die „vier letzten Dinge“: Der Tod, die Hölle, der Himmel und das jüngste Gericht. Etwas erschaudern lässt einen nicht nur der im Feuer angekettete Mensch, dem wohl auch wegen der ihn beißenden Schlange und dem siebenköpfigen Drachen die Haare zu Berge stehen.

Natürlich dürfen auch die vier Kardinaltugenden sowie Darstellungen von Benedikt und Bernhard von Clairvaux nicht fehlen. Beschriftet ist dabei übrigens kaum etwas, da die Mönche nicht nur bibelsicher, sondern auch in der Mythologie bewandert gewesen seien.

Diese Symbole zu dekonstruieren und dadurch auf die Botschaft des jeweiligen Bildnisses zu schließen, war nicht immer leicht. Sei es der im Himmel haftende Anker als Symbol der Hoffnung, oder der mehrfach künstlerisch versteckte Name „Maria“ – die Erklärungen von Heußlein sorgten nicht selten für ein Aha-Erlebnis bei den begeisterten Zuhörern.

An den letzten beiden Plätzen des Chorgestühls, die dem Prior und dem Abt vorbehalten waren, sind noch zwei Lesepulte, die sogenannten Ambos, angebracht. Von hier aus wurden die biblischen Lesungen vorgetragen. Das Gebälk wird von Atlanten getragen. Hierin sind auch vier Farbtafeln des flämischen Barockmalers Oswald Onghers integriert, auf dem das Leiden Christi dargestellt ist.

Und so blieb nach der gut der gut einstündigen Führung bei den Zuhörern nicht nur das Erstaunen über die Handwerkskunst und die Freude an den künstlerischen Darstellungen, sondern auch die Ehrfurcht vor dem, was die Menschen vor mehr als zwei Jahrhunderten geschaffen haben: „Ein wahres Schatzkistlein des Rokoko“. kg

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