Polizei - Erstaufnahmestelle Einsatzzahl ist gestiegen

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Wertheim. Die Hilfsbereitschaft der Ehrenamtlichen hält seit der Ankunft der ersten Flüchtlinge an. Andererseits kursieren Gerüchte über Fehlverhalten von Asylbewerbern.

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Gefühlt haben Ihre Einsätze in der Erstaufnahmeeinrichtung (EA) zugenommen. Ist das richtig?

Olaf Bamberger: Die Einsatzanlässe sind gegenüber der Ausgangsbetrachtung im September auf jeden Fall gestiegen. Neben der Zusammensetzung der Nationalitäten hängt das sicher auch von verschiedenen anderen Faktoren ab. Wir als Polizei haben jedoch keinen Einfluss darauf, welche Ethnien und Volksgruppen dort oben ankommen. Eine deutliche Häufung der Einsätze hatten wir um die Jahreswende, als eine schwierige Personengruppe aus Algerien untergebracht war. Zu dieser Zeit hatten wir jede Nacht unsere Zellen voll. Wir waren froh, dass das Regierungspräsidium so schnell reagiert und diese Gruppe nach Stuttgart verlegt hat. An der Verlegung waren übrigens auch Polizisten aus Wertheim und der Bereitschaftspolizei beteiligt. Kurz vor Weihnachten hatten wir gewalttätige Ausschreitungen mit mehreren Verletzten. Die Polizei Wertheim und die Kriminalpolizei haben deshalb eine gemeinsame Ermittlungsgruppe zur Aufklärung gebildet.

Wie bewerten Sie die Stimmung in der Bevölkerung bezogen auf Flüchtlinge und EA?

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Bamberger: Das ist für uns schwer zu greifen. Ich habe keine direkten Rückmeldungen, wie die Bevölkerung auf die Situation reagiert. Aber wir sind in Kontakt mit der Stadt, dem Stadtteilbeirat und den Einzelhändlern, die sich bei Fragen bei uns melden.

Was ist an Gerüchten dran, die mündlich oder in den sozialen Netzwerken verbreitet werden?

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Bamberger: Es kursieren in letzter Zeit häufig Meldungen, die über Facebook oder Whatsapp verbreitet werden. Etwa, dass sich in Wertheim Flüchtlinge vor Autos werfen oder dass sich Männer einfach bei Frauen ins Auto setzen würden. Die Polizei wird dann von Unbeteiligten und Leuten vom Hörensagen aufgefordert, etwas zu tun. Wir hatten diesbezüglich keine Anzeige. Wenn so etwas tatsächlich stattgefunden hat, dann melden sich die Betroffenen wohl nicht bei uns. Wenn wir eine Anzeige haben, gehen wir dem selbstverständlich auch nach. Was wir nicht tun werden, ist auf Facebookposts hin sofort aufzuspringen. Mein Appell: Wenn etwas passiert ist, dann bitte gleich die Polizei informieren. Das ermöglicht es uns, den betreffenden Leuten habhaft zu werden und den zugrundeliegenden Sachverhalt aufzuklären. Drei Tage später ist das schwierig. kag