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Kleinkunst

Eine Reise durch den bayrischen Filz

Maxi Schafroth gastierte mit seinem Programm „Faszination Bayern“ auf der Wertheimer Burg

Von 
Matthias Ernst
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Kabarettist Maxi Schafroth und sein Gitarrist Markus Schalk begeisterten auf der Wertheimer Burg. © Matthias Ernst

Wertheim. Wenn er so mit seinem Trachtenjanker und dem Filzhut auf die Bühne kommt, könnte man meine, man ist im Bauerntheater in Oberbayern, wenn der Sepp etwas treudoof die Bühne betritt. Doch Maxi Schafroth kommt nicht aus Oberbayern, sondern aus dem Unterallgäu und ein Landwirt ist er auch nicht. Maxi Schafroth ist ein wachsechter Kabarettist mit eigenem Stil und eigenen Anschauungen. Nach seinem ersten Soloprogramm „Faszination Allgäu“ setzt er seine bizarre Beobachtungsreise durch Deutschland nahtlos fort. „Faszination Bayern“ ist der zweite Meilenstein seiner von langer Hand geplanten Kabarett-Trilogie.

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Die Idee dazu hatte Schafroth nach eigener Aussage im Alter von sieben Jahren beim Berühren des elektrischen Weidezauns in Gumpratsried bei Eggisried. „Das war bewusstseinserweiternd“, so der Kabarettist bei seinem Auftritt auf der Wertheimer Burg. Der Auftritt musste wegen Corona mehrfach verschoben werden und doch kamen am Sonntagabend viele Bürger aus Wertheim und dem befreundeten Ausland. Dass sie bei der Gründungsveranstaltung der CSU Wertheim gelandet waren, war vielen im Vornherein nicht klar gewesen. Doch Schafroth nahm alle Besucher mit auf eine Reise durch den bayerischen Filz, der sich selbst von allen Sünden freisprechen kann. „Ego me absolvo“, lautete der Spruch, den die Anhänger der CSU jeden Morgen vor dem eigenen Spiegel aufsagen. Schafroth freute sich, dass er endlich wieder vor „analogem Publikum“ spielen kann und nicht in der digitalen Welt verhaftet bleibt, die ihm in Zeiten von Corona als Zufluchtsort gewährt wurde. „Ich kenne sie persönlich nicht, aber ich habe sie vermisst“.

Die Besucher lachten sich kringelig bei den schnell folgenden Gags des Unterallgäuers, der die große weite Welt gesehen hat, als er den „bayerischen Ganges“– den Lech – überschritt und nach München pilgerte. Seine Anschauungen über die Münchner Schickeria mit Bussi hier und Bussi da waren herzzerreißend und urkomisch.

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Dort hatte er auch Kontakt mit den „Allgäuer Ehrlich-Brothers Sauter und Nüßlein“, gab er mit hintersinnigem Humor zu. Von den beiden habe er viel gelernt, meinte der gelernte Bankkaufmann. So eine Banklehre weise viele Parallelen mit dem Leben eines Kabarettisten auf, fand Schafroth. „Die Münchner wollen zurück zur Natur, da kommen wir gerade her“, meinte er zu dem Trend mit seinem SUV in die Berge zu fahren und bei einem Landwirt mit anpacken zu wollen.

Das Publikum lernte an diesem Abend auf der Burg, dass „eine Katze im Allgäu ein Nutztier“ sei, weil es zu viele auf den Höfen gibt und nicht so vereinzelnd wie in der Großstadt als Haustier gehalten wird. Schafroth berichtete auch von einer Delfin-Therapie für gestresste Großstädter im Allgäu, in der Güllegrube. Der Tourismus werde im Allgäu groß geschrieben und selbst beim Skifahren könne man Unterschiede zwischen Einheimischen und der Münchner und Stranberger Oberschicht erkennen.

„Die Münchner kommen, kommt Kinder geht’s raus zum Betteln“, wurden er und seine Brüder noch von den Eltern angehalten zum Einkommen der Familie als Kinder beizutragen. Das habe ihn nachhaltig geprägt.

Zurückblickend stellte Schafroth fest: „Wir haben viel nix gemacht und das war schön“. Seine Kindheit möchte er nicht missen, zu sehr hat sie ihn geprägt und zu dem Menschen gemacht, der er heute ist. Bei „Intuitives lernen wird unterschätzt“, berichtete er beispielsweise von seinen Erfahrungen in der Wildnis, wo man angewandte Mathematik brauchte, um wieder nach Hause zu kommen. Zum Glück packte der Kabarettist nur mit Worten den „Adventure Cheese“ Romadur aus. Diese Allgäuer Spezialität passe sehr gut zu „Kasspatzen“, weshalb er mit seinem Gitarristen Markus Schalk auch das Lied: „Kasspätzli will i“ anstimmte, ein schwerer getragener Blues oder auch die Frage aller Fragen eines Landwirts stellte: „Mähen oder nicht mähen“.

Viel zu schnell ging der Abend vorbei und man fragte sich, woher Schafroth all die Ideen für seine Vorhaltungen bekommt. Er schaue genau hin, was die Menschen so tun und vergleiche es dann mit der Allgäuer Lebensart. Das sei dann schon spaßig genug.

Dieser Spaß darf gerne wiederkommen, hörte man mehrfach auf dem Nachhauseweg vom „kernsanierten Altbau aus dem zwölften Jahrhundert“, wie Maxi Schafroth die Wertheimer Burg liebevoll nannte.

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