Fremdensitzung des Reicholzheimer Narrenclubs - Tolle Tänze und scharfzüngiger Wortwitz sorgten für frohe und ausgelassene Stimmung Ein wahres Feuerwerk der guten Laune

Von 
Elmar Kellner
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Die "Nölpferde" (links) nahmen in "Reichelze" kein Blatt vor den Bund. Die weibliche Garde (rechts) unterhielt das Publikum mit einer gelungenen Kombination aus Musik und Bewegung.

© Elmar Kellner

In dieser Nacht hat garantiert kein Löwe geschlafen. Und auch sonst niemand. Wie denn auch, wenn es heißt: "Der RNC feiert volle Kanne, dieses Jahr in der Savanne".

Die Mitwirkenden des Abends

Die Aktiven des RNC vor und hinter den Kulissen der Sitzung (alle Namen nach Angaben des Vereins):

Sitzungspräsident: Carsten Schmidt; Assistentin: Miriam Schlör. - Prinzenpaar: Prinzessin Anita und Prinz Martin (Anita und Martin Amend). - Elferrat: Andreas, Phil und Martin Amend, Ralph und Stefan Baumann, Georg und Norbert Bick, Walter Blos, Björn Dewes, Johannes Dorbath, Marcel Hahn, Thomas Klein, Marcell Pape, Klaus Schlör, Sebastian Sturm. - Prolog: Lars Baumann, Lukas Bund, Daniel Roth, Noah Schlör. Nick Speier. - Idee: Edith Bick und Christine Schlör.

Weibliche Garde: Patricia Baumann, Katharina Bick, Verena Bloos, Franziska Dumke, Laura Friedlein, Tabea Fröber, Madeleine Hergenhan, Isabel und Lena Köhler, Antonia Roth, Heike Scheuermann, Manuela Schlör, Chiara und Tabea Stumpf, Linda Trabold. Trainer: Cathrin Friedlein, Kathrin Lampert, Silvia Rüba, Christine Schlör. - "Downtowns": Anita Amend, Silke Baumann, Sybille und Edith Bick, Gabi Ehrlenbach, Babett Garrecht, Kerstin Gruber, Nadine Scholtz, Ute und Annegret Schlör, Ute Schuhmacher. - "Firestarter": Jill Amend, Anna Dinziol, Emma Dosch, Selina Friedlein, Joachim Gattenhof, Lisa Heimer, Heike Scheuermann, Felicia Schmidt, Ilka Schlör, Johanna Spall, Luise Teicke. "Chrischie": Cristoph Bernhard. Ortsvorsteher Sebastian Sturm. - Noachtäule: Sybille und Yvonne Bick, Marcell Pape, Regina Schmidt, Klaus Schlör. - "Am-End": Birgit Amend, Andreas "Andi" Amend.

Showtanz WSG: weibliche Garde, Melissa Correia, Cathrin Friedlein, Julia Hörner, Nicole Kempf, Nicole Ilnitzky, Sabine Klepek, Sylvia Rüba. - "KAG": Andrea Amend, Angelika Bernhard, Martina Bund, Monika Dinziol, Edith Hahn, Ulrike Köhler, Evelyn Kranz, Christa Müller, Anneliese Prokopp, Lisa Reuer, Christine Schlör, Marlise Ückert, Gertrud Volpert. - "Nölpferde": Edith Hahn, Hilmar Keller, Richard Kempf, Anneliese Prokopp, Erich Wolf, Marcel Wolf, Alex Zügner. - Männliche Garde "Wild Boys": Lukas Bernhard, Christoph und Stefan Fröber, Kommandant Christof Hahn, Phillip Heimer, Lars Köhler, Mathias Romag; Felix, Johannes und Tobias Roth, Raphael und Robin Schlör, Max Schmid, Kevin Steck, Alexander Steffl, Kevin Trauth. Trainerteam: Jessica Amend, Lisa Dinziol, Isabell Steffl.

Maske: Monika Dinziol, Edith Hahn, Alin und Uli Köhler, Anneliese Prokopp, Christine Schlör, Isabell Steffl. - Bühnenentwurf: Todd und Lisa Heimer; Bühnenmaler: Björn Dewes, Anna und Monika Dinziol, Franziska und Heidi Dumke, Lisa Heimer, Tanja Schmidt, Heike Siegler, Simon Vath, Marcel Wolf; Bühnenhelfer: Walter Büttner, Joachim Pfannes, Nick Speier, Marcel Wolf. - Bastelhexen: Birgit Büttner, Lisa Bullamnn-Trabold, Monika Diehm, Linda und Ursula Trabold, Julia Wegmann. - Blumenfee: Julia Wegmann. - Schneiderinnen: Birgit Büttner, Doris Rosinsky-Berberig, Christine Schlör, Ursula Trabold, Walter Büttner, der Stoffhalter. - Film: Erich Wolf und Melissa Wolf. - Licht und Technik: Alexander und Matthias Amend, Max Bruns. - Lichterhimmel: Alexander und Matthias Amend, Georg Bick, Max Bruns, Björn Dewes, Oliver Gugelhör, Markus Reuer, Klaus Schlör, Marcel Wolf. - Musik- und Videoschnitt: Alexander und Matthias Amend, Phillip Heimer, Andreas und Markus Reuer, Erich Wolf. - Spot: Alexander Amend, Max Bruns, Philip Ehrlenbach.

Schatzmeister: Sabine Klepek. Kartenverkauf: Christine Schlör. Helfereinteilung: Andreas Amend, Marcel Wolf. Küchenteam: Gertrud Volpert. Bewirtungsteam: Georg Bick. Hoffotografen: Lisa und Markus Reuer, Rainer Schmidt. Schriftkram: Marcell Pape. - Sitzungskapelle: SchwaBeLou & Friends. Garderobe: Eltern (Kindergarten und Grundschule). ek

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Reicholzheim. Der närrische Abend begann, wie nicht nur Präsident Carsten Schmidt schwärmte, mit "einem tollen tierischen Auftakt" und endete knapp vier Stunden später mit wilden Jungs auf der Bühne. Dazwischen lagen tolle Tänze, ulkige Sketche und bissig-witzige Reden, durch die immer wieder der neue amerikanische Präsident geisterte. Der Reicholzheimer Narrenclub hat am Samstagabend mit seiner Fremdensitzung die wilde Savanne erobert und das Publikum in der ausverkauften Halle gleich mit dazu.

"Warum nach Afrika, wenn man das afrikanische Feeling gleich vor der Haustür hat?", wurde im Prolog gefragt, was im Folgenden natürlich trotzdem die meisten Akteure nicht davon abhielt, sich in ihren Darbietungen auf dem schwarzen Kontinent "herumzutreiben".

Atemberaubende Auftritte

Das Feuerwerk der guten Laune setzte sich fort mit dem Auftritt der weiblichen Garde. "Joy to the World" hieß einer der Titel aus dem Gospel-Mix und das war perfekt zum Auftritt gewählt, denn die jungen Damen strahlten jede Menge Freude aus.

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Von Böhmermann bis Erdogan, vom Brexit bis Trump, "so ist sie halt, die fünfte Jahreszeit. Sie hält für alle was bereit", meinte trocken der Reicholzheimer Ortsvorsteher Sebastian Sturm. "Es war schon mehr als letztes Jahr. Weniger ging ja nicht, das war doch klar", nahm er sich selbst und die "Länge" seiner Rede im vorigen Jahr am Ende auf die Schippe.

Und schon ging es wieder weiter mit einem, im wahrsten Wortsinne, atemberaubenden Tanz. Den legten die "Downtowns" aufs Parkett. Lange dauerte es nicht, bis das Publikum begeistert mitklatschte.

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Die "Noachtäule" steuerten eine wüste Oase an, um sich dort zum Beispiel über die "nigel-nagel-neue Oase" bei den "Überzwerchen von der Höhe" zu mokieren. Aber auch vor der eigenen Haustüre fanden die sechs Spitzzüngigen das eine oder andere, dessen sie sich annehmen konnten. Das Feuerwehrfest im vergangenen Jahr etwa habe die Messlatte für den nächsten Verein, der eine Veranstaltung plant, ganz schön hoch gelegt. Und das ist ausgerechnet der VfB von Sitzungspräsident Carsten Schmidt. "Na, Robbie Williams schon engagiert?", hieß es spöttisch.

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In der Wertheimer Rotkreuzklinik schließlich mutmaßten sie Kannibalen am Werk. Kaum sei ein Medizinmann da, sei er auch schon wieder weg. "Du kannst sagen, was du willst - die frisst einer."

Ebenfalls ins Krankenhaus begab sich - unfreiwillig - "Chrischie", nachdem er wieder einmal "mit Schwung ins Garagentor gedonnert" war. Immerhin: "Zum Glück hatte ich kein Auto dabei." In seinem gekonnten Vortrag schilderte Christoph Bernhard manch traum- aber auch einige alptraumhafte Erlebnisse seines Hospitalaufenthaltes.

Zu Recht ernteten die "Firestarter" stürmische Zugabeforderungen des Publikums nach ihrem schwungvollen "Fruchtbarkeitstanz" mit "Schwarzlichtelementen".

Lachmuskeln trainiert

Im vergangenen Jahr standen Birgit und Andreas "Andi" Amend noch als Prinzenpaar auf der Bühne. Diesmal hatten sie einen Flugzeugabsturz in der Wüste heil überstanden. Auch sie kamen am neuen amerikanischen Präsidenten nicht vorbei. Zunächst habe es 2016 noch geheißen: "Trump wird das nie". Jetzt versuche man sich damit zu beruhigen, dass es so schlimm schon nicht kommen werde. Und nächstes Jahr werde man dann fragen: "Gehst Du auch zu den 'Hungerspielen'? Ich hoffe, dass mein Distrikt gewinnt."

Man müsse, stellten die beiden scharfzüngig auch noch fest, "nicht zwingend rechts sein, um AfD zu wählen. Du musst nur blöd genug sein". Dass zwischendurch auch gesungen wurde, verstand sich bei den beiden von selbst.

Löwen, Zebras, Gräser: Zu Beginn des zweiten Sitzungsteils wurde alles aufgefahren, was die Savanne so hergibt und die verstärkte weibliche Garde trieb mit ihrem Showtanz das Stimmungsbarometer gleich wieder in die Höhe. Dort blieb es auch, weil nun nämlich das Prinzenpaar seinen Auftritt hatte.

"Von der Savanne bringen wir euch Sonnenschein, direkt in euer Herz hinein", verlautbarten Prinzessin Anita, die tanzende Massai mit der sonnigen Aussicht, und Prinz Martin, der fürstliche Kulissenbauer von der öubern Gasse. "Wir tun dies gern, es macht uns viel Freude. Der Reichelzer Fasching ist doch das Beste für alle Leute." Wer wollte dem widersprechen?

Und schon hieß es "Bühne frei" für die "Nölpferde". Sie konstatierten, "das einzige Problem, das wir in Deutschland haben: Kaffee wird von alleine kalt - Bier nicht". Allerdings: "Wenn das mit den Vegetariern so weitergeht, dann stehen wir bald mit unserer Bratwurst draußen bei den Rauchern".

Zumindest klammheimliche Zustimmung mochte die lustige Truppe für die Feststellung geerntet haben: "Ich trainiere nicht, um fit zu sein. Ich trainiere nicht, um gut auszusehen und schon gar nicht trainiere ich für die Gesundheit. Ich trainiere gar nicht." Immerhin: das war allerbestes Training für die Lachmuskeln.

Zur Promirunde holte Präsident Carsten Schmidt die Abordnungen aus Gamburg sowie der Wolfsschlucht Concordia Wertheim (WCW) auf die Bühne und auch die Patres Joachim und Marius kamen hinzu.

Spontan und ohne zu zögern hätte Ersterer das Prinzenpaar aus Gamburg "unter die Haube" gebracht. Die konnten sich aber gerade noch dagegen wehren. Wertheims Prinzessin erstaunte mit "perfektem" Kisuaheli. Der WCW-Sitzungspräsident musste feststellen, dass sich Leistung im Spiel nicht lohnt, wenn der Schiedsrichter größer ist.

Wortwitz bewiesen

Treffen sich Frauen an der Wasserstelle . . . "KAG", auch bekannt als das "Krampfadergeschwader" präsentierten sicher einen der Höhepunkte des Abends. Sie überzeugten mit pointiertem Wortwitz und perfektem Tanz.

Trank die eine "manchmal Wasser, um meine Leber zu überraschen", hatte die andere ihre Badezimmerwaage in die Ecke gestellt. "Und da bleibt sie auch, bis sie sich bei mir entschuldigt hat." Bei der dritten immerhin ist der Badezimmerspiegel so rücksichtsvoll "dass er beschlägt, wenn ich aus der Dusche komme".

Natürlich bekamen auch die Männer ihr Fett weg. Von wegen die seien nicht multitaskingfähig. "Sie können ohne Schwierigkeiten mehrere Probleme gleichzeitig ignorieren." Sie können aber auch tanzen. Das stellte als letzte Nummer des Abends die männliche Garde als "Wild Boys auf der Pirsch" unter Beweis.

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