Deutscher Rotweinpreis - Weingut Schlör in Reicholzheim erreicht mit Beerenauslese den ersten Platz / Weitere Auszeichnungen in Dänemark und Holland Ein Sieg für die perfekte Balance

Von 
Heike Barowski
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Die Freude auf dem Weingut Schlör könnte dieser Tage kaum größer sein: ihre Spätburgunder Weißherbst Beerenauslese erreichte den ersten Platz beim Deutschen Rotweinpreis.

Die Freude über den ersten Platz beim Deutschen Rotweinpreis 2020 ist Konrad Schlör deutlich anzusehen. © Heike Barowski
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Reicholzheim. „Sie können mir glauben, da habe ich einen großen Hechtsprung gemacht“, die Freude über die Auszeichnung ist Konrad Schlör deutlich anzumerken. Voller Stolz erzählt der Winzer vom Warten auf die Nachricht, dem Eintreffen und die darauf folgende unbändige Freude in der ganzen Familie.

Der Deutsche Rotweinpreis Vinum

„Vinum“ ist ein internationales Magazin für Weinkultur. Seit 1987 vergibt es den Deutschen Rotweinpreis. Erfinder des Preises ist Rudolf Knoll, der 2007 mit der Staufer-Medaille geehrt wurde.

Im Jahr 1987 wurden rund 300 Weine zur Bewertung eingereicht. In diesem Jahr waren es 1550 Weine.

Beurteilt wird in acht Kategorien: Spätburgunder, klassische Sorten, unterschätzte klassische nationale Sorten,klassische internationale Sorten, Lemberger, Neuzüchtungen, Cuvées und edelsüße Weine. Dazu werden Sonderpreise, beispielsweise für Neuentdeckungen, vergeben.

Nach der Vorrunde qualifizierten sich in diesem Jahr 440 Weine für das Finale. Die endgültigen Entscheidungen werden im Stechen gefällt. Prämierte Weine werden somit viermal blind verkostet. hei

Zugegeben, es ist nicht das erste Mal, dass das Weingut Schlör mit einem seiner Weine auf einem Siegertreppchen landet.

Doch vom internationalen Weinmagazin „Vinum“ geadelt zu werden, ist eine ganz besondere Ehre – auch für die Schlörs. „Es ist der Rotweinpreis überhaupt“, sagt Konrad Schlör am Dienstagabend im erlauchten Kreis in seinem Weinkeller – mit Betonung auf „der“.

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Am Vormittag nahm die Familie Schlör auf einem Weingut in Freinsheim den ersten Preis für den „Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder Weißherbst Beerenauslese 2019“ in Empfang. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Preisverleihung in diesem Jahr in der Pfalz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Um die Region dennoch an diesem Erfolg teilhaben zu lassen, fand am Abend auf dem Weingut ein kleiner Empfang statt. Landrat Reinhard Frank und Wertheims früherer Oberbürgermeister Stefan Gläser gehörten neben Freunden, renommierten Gastwirten und Vertretern der Wirtschaft zu den Gratulanten.

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Und die erfuhren dann bei erlesenen Tropfen, dass das Weingut Schlör im Jahr 1999 zum ersten Mal an der „Vinum-Prämierung“ teilnahm und gleich auf einem zweiten Platz landete oder Enkel Thomas den noch geheim zu haltenden Erfolg prompt im Kindergarten ausplauderte. Seit der ersten Teilnahme durfte Schlör vier weitere Preise von „Vinum“ entgegen nehmen.

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In diesem Jahr folgte nun der erste Platz in der Kategorie „Edelsüße Weine“. Die konnte Schlörs Beerenauslese mit deutlichem Abstand zur Konkurrenz für sich entscheiden, berichtet der Winzer. „Helles Rot, Kirsche, Beeren und Passionsfrucht im Duft, feiner Schmelz, sehr ausgewogen, mit eleganten Facetten, richtig vornehmer, zartgliedriger Süßwein“, mit diesen Worten beschreibt der „Erfinder“ des Deutschen Rotweinpreises, Rudolf Knoll, den Sieger. Laut Schlör seien die edelsüßen Weine nicht einmal die Königsdisziplin der Reicholzheimer. „An diesem Erfolg sieht man aber, dass uns alle Weine am Herzen liegen“, so Schlör.

Wie beispielsweise der „Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder Großes Gewächs 2017“. Dieser Wein wurde vor kurzem von der größten dänischen Tageszeitung „Morgenavisen Jyllands-Posten“ als einziger mit den maximal zu erreichenden sechs Sternen ausgezeichnet. In der Begründung ist unter anderem zu lesen: „Ein Extrem raffinierter, äußerst harmonischer Pinot, der die reinsten, klarsten roten Früchte mit Fülle, Tiefe und großer Harmonie aufweist.“

Kredenzt wurde an diesem Abend auch der „Reicholzheimer First Schwarzriesling R 2017“ – und das nicht ohne Grund. Dieser Wein wurde vom niederländischen Weinmagazin „Perswijn“ in der Kategorie „Andere Rotweine“ zum Sieger gekürt. „Etwas schlanker als Spätburgunder, aber intensiv, fein fruchtig und von bemerkenswerter Länge. Ein besonders guter und origineller Rotwein, ein würdiger Gewinner“, ist da zu lesen. Mit einem Früh- und Spätburgunder und einem Weißburgunder landete Schlör noch zweimal unter den Top zehn in den jeweiligen Kategorien bei „Perswijn“.

Durch diese beachtenswerten Auszeichnungen kann Schlör somit auf ein äußerst erfolgreiches 2020 zurückblicken. Doch die Witterungsverhältnisse in diesem Jahr lassen nur eine Ernte zu, die nach Konrad Schlörs Worten „nicht sehr erbaulich“ ausfallen wird. In der Nacht vom 12. Mai ist in der Lage „Oberer First“ alles erfroren. „Wir werden nur 25 Prozent einer normalen Ernte einfahren. Das ist bitter“, sagt Schlör. Doch alle Anwesenden wissen genau, dass der Winzer auch aus dieser misslichen Lage noch hervorragende Weine „zaubern“ wird. Wobei dies mit Zauberei nichts zu tun hat.

Die Schlörs begründen ihre Erfolge mit strikter Ertragsreduzierung, der hingebungsvollen Pflege älterer Rebanlagen, einer besonderen Gärung und nicht zuletzt viel Geduld. Geschick, den richtigen Lesezeitpunkt zu bestimmen, gehört ebenso dazu. Denn letzterer bestimme über die Balance zwischen Süße und Säure des Weins. Und die ist bei den insgesamt nur 60 Litern „Reicholzheimer Oberer First Spätburgunder Weißherbst Beerenauslese 2019“ perfekt gelungen – darin waren sich Vinum-Jury und die Gäste des Abends absolut einig.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim