Ideenwettbewerb des Landes Baden-Württemberg - Bettinger Naturschützer beteiligen sich an „Gemeinsam: schaffen“ / 3600 Euro für eine neu gestaltete Verkehrsinsel Ein Gegengewicht zu Schottergärten schaffen

Von 
Birger-Daniel Grein
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Dank der Teilnahme am Landes-Wettbewerb „Gemeinsam: schaffen“ kann die Verkehrsinsel in der Spielstraße „Am Remlinger Pfad“ in Bettingen in ein Insektenschlaraffenland umgewandelt werden. Die Aktiven der Naturschutzgruppe Bettingen, Anita Mlynar, Ralf Tschöp und Bernd Strobl, können den Start der Arbeiten kaum erwarten. © Grein

Mit einem besonderen Umweltschutzprojekt gewannen Bettinger Naturschützer Fördermittel des Land Baden-Württemberg.

Der Wettbewerb

Der Ideenwettbewerb „Gemeinsam:Schaffen“ ist Bestandteil des Impulsprogramms „Na klar, zusammen halt“ der Landesregierung Baden-Württemberg (siehe auch Seite 9).

Das Land unterstützt 41 Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von rund 818 000 Euro.

Die ausgewählten Projektideen würden durch gemeinsame Aktivitäten, gemeinsames Lernen oder gemeinsames Gestalten den ländlichen Raum und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig stärken. Die Siegerprojekte böten besonders kreative und übertragbare Ideen, wie sich die Menschen gegenseitig Orientierung und Halt geben können.

Die Auswahl der Gewinnerprojekte erfolgte durch eine unabhängige Jury unter Vorsitz des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im September. Die Förderung der Projekte startet ab dem 1. November 2020, die Projekte werden bis Ende Oktober 2022 umgesetzt.

In unserer Region wurden zwei Projekte ausgezeichnet: „Neues Leben auf der Insel“ der Naturschutzgruppe unteres Aalbachtal e. V. Die Naturschutzgruppe plant die naturnahe Umgestaltung einer Verkehrsinsel in einer Spielstraße in Bettingen. Fördersumme aus dem Wettbewerb: 3600 Euro. Und das Projekt „Kochen + Essen + Genießen = Leben (Kegl)“ des VdK Ortsverband Rauenberg und weiterer Partner (siehe Seite 9).

Für die Förderung gilt, der Projektträger hat einen Eigenanteil von mindestens zehn Prozent selbst einzubringen. Dabei kann es sich entweder um finanzielle Beiträge oder Personal- und Sachleistungen handeln. Als finanzielle Beiträge gelten zum Beispiel eigene Mittel in Form von Vereinsbeiträgen oder selbst erwirtschafteten Einnahmen, aber auch Drittmittel in Form von Spenden oder Zuschüssen von Kommunen. Nicht als Eigenanteil gelten hingegen Drittmittel in Form von Zuwendungen aus anderen Förderprogrammen des Landes Baden-Württemberg. bdg

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Bettingen. Mit der Idee eines Insektenschlaraffenlands auf kleinem Raum überzeugte die „Naturschutzgruppe Unteres Aalbachtal“ Bettingen (Nua) die Jury des Wettbewerbs „Gemeinsam: schaffen“. Damit gehört sie zu den 41 geförderten Projekten aus Baden-Württemberg.

Entstehen soll das Naturparadies auf einer etwa 60 Quadratmeter großen Verkehrsinsel in der Neubaugebietsstraße „Am Remlinger Pfad“, gegenüber dem Haus Nummer 20. Die Straße ist als Spielstraße ausgewiesen. das Neubaugebiet stammt aus den 1990-er Jahren.

Mit der Umsetzung des Projekts will die Naturschutzgruppe einen besonderen naturnahen Gestaltungsschwerpunkt schaffen, der Vorbildfunktion für andere Verkehrsinseln im Dorf und in weiteren Orten haben soll.

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Der Vorschlag für das Projekt kam von Ortsvorsteher und Nua-Aktiven Ralf Tschöp. Er schlug vor, die Patenschaft für die Verkehrsinsel (auf städtischen Areal) zu übernehmen und diese neu zu gestalten. Die Idee kam gut an. „Es waren aber Gelder dafür nötig und da haben wir im Wettbewerb eine Chance gesehen“, erklärte Nua-Vorsitzender Bernd Strobl beim Vororttermin an der Verkehrsinsel.

Die Beteiligten wollen nun eine Insel schaffen, die mit möglichst wenig Aufwand gepflegt werden kann und bei deren Gestaltung Anwohner und Nachwuchs einbeziehen könne.

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Der Umweltschutz spiele bei der Umsetzung eine große Rolle. „Wir wollen ein Gegengewicht zu den geschotterten Vorgärten schaffen“, so Tschöp. Zu berücksichtigen sei jedoch auch, dass eine klassisch gestaltete Verkehrsinsel für die Ehrenamtlichen aufwendig zu pflegen sei.

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Tschöp und Strobl wieden drauf hin, dass die Idee in dieser Form bisher einmalig sei. Die derzeit geplanten Elemente seien gut für die Natur, pflegeleicht und hielten Trockenheit im Sommer aus.

Für die Einreichung beim Wettbewerb hatte man im Vorfeld über mögliche Bestandteile des „Schlaraffenlands“ recherchiert und dabei neues kennengelernt. Eigentlicher Planungsbeginn war dann Mitte Mai.

Der Erfolg beim Wettbewerb eröffnet nun gute Umsetzungsmöglichkeiten. Bis zum Frühjahr will die Gruppe die Feinplanung abschließen und dabei die Ideen der Anwohner einbeziehen. „Sie müssen sich mit dem Ergebnis identifizieren, damit sie es auch langfristig annehmen und bei der Pflege mithelfen“, so Strobl. Verschiedene Hinweisschilder sollen zudem die einzelnen Teile und deren Bedeutung für Natur erklären.

Durch die Einbeziehung des im Dorf ansässigen Imkers und einer Landschaftsgärtnerin möchte man weiterhin die Kinder und Erwachsenen für das Thema Insekten sensibilisieren. Wichtig sei dabei, alle mitzunehmen und das Thema auch kindgerecht zu vermitteln. Aus entsprechenden Beispielen und Anschauungsmodellen soll ein fröhliches und informatives Miteinander werden.

Tschöp berichtete, dass Glückwünsche zum Wettbewerbserfolg auch vom Umweltreferat der Stadt Wertheim gekommen seien. Das Amt habe seine Unterstützung zugesagt, falls Bedarf bestehe.

Abgeschlossen werden soll das Projekt im Frühsommer 2021.

Konkret geplant sind mehrere Elemente. Angelegt werden sollen ein Steinhaufen, Trockenmauern, Reisig- und Totholzhaufen und ein Sandarium für Wildbienen die ihre Brut in die Erde legen. Das .geplante Insektenhotel soll mit den Kindern gebaut werden soll. Die können bei dieser Aktion zusätzlich kleine Insektenhotels für den eigenen Garten bauen.

Zentrales Thema bei der Gestaltung der Verkehrsinsel soll die Verwendung von Material aus der Natur und dorftypischem Material sein. „Die Bewohner des Ortes sind wegen des sandigen Bodens als „Sandhasen“ bekannt, deswegen soll ein Sandboden die Basis bilden“, so Tschöp.

Die Straße, die an dieser Verkehrsinsel beginnt, trägt den Namen „Steinigte Äcker“, deswegen soll ein Steingarten aus rotem Buntsandstein nicht fehlen. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 3900 Euro geschätzt. Mit dieser Summe kann der gewaschene Flusssand für das Sandarium, der Baggereinsatz das Ausbaggern sowie den Abtransport der bisherigen Erde und den Einsatz eines Zimmermanns für den Rahmenbau des großen Insektenhotels finanziert werden. Der eigentlich Bau des kleinen Naturparadieses erfolgt ehrenamtlich.

Die Fördersumme aus dem Wettbewerb liegt bei 3600 Euro. Das Insektenhotel soll circa zwei auf ein Meter groß werden. „Die Sicht der Verkehrsteilnehmer wird dadurch nicht beeinträchtigt,“ bestätigte Tschöp. Auch die vorhandenen Bäume auf der Verkehrsinsel bleiben erhalten. Die Rosen dagegen will man vorsichtig ausgraben und auf anderen Verkehrsinseln im Dorf einpflanzen.

Über den Projektfortschritt will man über die Presse, die Internetseite der Nua, das Bettinger Ortsblatt und auf Onlinetreffen der Wettbewerbsgewinner informieren.

Wie Nua-Kassiererin Anita Mlynar abschließend erklärte, freuen sich die 47 Mitglieder der Gruppe bei der Umsetzung des Projekts über weitere Unterstützung aus dem Wohngebiet und dem ganzen Dorf. „Vielleicht können wir auch noch weitere Verkehrsinseln so gestalten“, verlieh Ortsvorsteher Ralf Tschöp seiner Hoffnung Ausdruck.

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