Internationaler Tag des Ehrenamts - Manal Al Ahalati und Elke Hauenstein bieten Workshops für Frauen mit Migrationshintergrund an Ein Bindeglied zwischen den Kulturen

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Elisa Katt
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Sozialpädagogin Elke Hauenstein (links) und Manal Al Shalati arbeiten bereits an dem Konzept für die Workshops, die im nächsten Jahr angeboten werden sollen. Ein Schwerpunktthema wird die Arbeitssuche sein. © Elisa Katt

Vor drei Jahren kam sie als Flüchtling nach Wertheim. Nun hilft Manal Al Shalati Frauen mit Migrationshintergrund, in Deutschland ihren Platz zu finden.

Ehrenamtliches Engagement

Das Diakonische Werk Main-Tauber-Kreis bietet verschiedene Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements. „Der Tag des Ehrenamts ist eine Würdigung der Ehrenamtlichen“, sagt Elke Hauenstein, Leiterin der Beratungsstelle in Wertheim. „Er ist der Dank für ihren Einsatz.“ Die drei größten Projekte, die von ehrenamtlichem Engagement mitgetragen werden, sind:

„Wellcome – Praktische Hilfe nach der Geburt“: Unterstützt werden Eltern im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes. „Wellcome“ versteht sich als moderne Nachbarschaftshilfe. Ehrenamtliche Helfer greifen Eltern in den schwierigen ersten Monaten im Alltag unter die Arme, wie es sonst Familie, Freunde und Nachbarn tun würden.

Familienpaten: Sie sind die Fortsetzung von „Wellcome“ und unterstützen Familien und Alleinerziehende. „Die Ehrenamtlichen schenken Zeit und Zuneigung, damit die Eltern mal Luft holen können“, erklärt Elke Hauenstein. Die Familienpaten sind ein gemeinsames Projekt vom Caritasverband im Tauberkreis und dem Diakonischen Werk.

Wertheimer Tafel: Gegen Vorlage einer Kundenkarte können Menschen mit geringen Einkommen hier stark vergünstigt einkaufen. Wer die Tafel unterstützen möchte, kann dies ehrenamtlich im Verkauf oder beim Fahrdienst tun, durch Lebensmittel- oder Geldspenden an den Förderverein Wertheimer Tafel.

Informationen zu „Wellcome“ und den Familienpaten gibt es bei Elke Hauenstein unter Telefon 09342/92750 oder per Mail: elke.hauenstein@diakonie.ekiba.de. Über die Wertheimer Tafel informiert Volker Herm unter Telefon 09341/928014 oder per Mail: volker.herm@diakonie.ekiba.de. ek

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Wertheim. „Es gibt so viele Fragen, mit denen Frauen konfrontiert werden, wenn sie in dieses Land kommen“, sagt Manal Al Shalati. Die 48-Jährige flüchtete 2016 mit ihrem Mann und zwei Kindern aus Syrien nach Deutschland. Die Erfahrungen und auch die Hindernisse, die mit ihrer eigenen Integration in Wertheim verbunden waren, bewegten sie dazu, anderen Frauen zu helfen, sich in dieser völlig neuen Situation zurechtzufinden. Seit 2017 bietet sie zusammen mit Sozialpädagogin Elke Hauenstein ehrenamtlich Workshops für Frauen mit Migrationshintergrund an. „Das Wichtigste ist, immer positiv zu bleiben“, ist Al Shalati felsenfest überzeugt.

Der Kontakt zur Beratungsstelle der Diakonie, und damit zu Elke Hauenstein, entstand über den Verein Willkommen in Wertheim (WiW). Ihr Pate von WiW, Eberhard Feucht, habe eine große Rolle in ihrem neuen Leben in Deutschland gespielt, sagt Al Shalati: „Ich konnte ihn alles fragen, um zu verstehen, wie ich in Wertheim leben und arbeiten kann.“ In Syrien arbeitete die vierfache Mutter als Lehrerin und unterrichtete unter anderem Englisch. Ihre Sprachkenntnisse erleichterten die Integration. Al Shalati lernte recht schnell Deutsch und begann, sich während Beratungen der Diakonie als Dolmetscherin zu engagieren. Doch sie wollte mehr tun.

„Die Frauen, die nach Wertheim kommen, haben hier niemanden. Sie sind völlig auf sich gestellt“, berichtet die 48-Jährige. Sie seien auf Beratung und Unterstützung angewiesen.

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Gemeinsam mit Elke Hauenstein überlegte Manal Al Shalati, welche Themen für Frauen mit Migrationshintergrund wichtig sind. Die beiden entwarfen Konzepte für Workshops zu den Bereichen Jobcenter und Rolle der Frau in Deutschland. Auch die Frage „Wie stelle ich mir mein Leben in Deutschland vor?“ stand im Mittelpunkt. Einige der Workshops fanden in Zusammenarbeit mit der Integrations- und Flüchtlingsbeauftragten Claudia Ühlein statt.

Während ihres ehrenamtlichen Engagements war eine von Al Shalatis wichtigsten Rollen die eines Bindeglieds zwischen Kulturen. „Manal hat mir sehr geholfen“, sagt Hauenstein mit einem Lächeln zu ihrer syrischen Kollegin hin. Sie stellte nicht nur den Kontakt zu vielen der teilnehmenden Frauen her. „Sie hat mir viel über ihre Kultur erzählt und mich dafür sensibilisiert, wie ich mit diesen Frauen sprechen muss, um sie zu erreichen.“ Denn die Workshops beschäftigten sich auch mit den Bereichen Kindererziehung, Schwangerschaft und Verhütung. „Diese Themen werden hier in Deutschland ganz anders gehandhabt als in den Herkunftsländern der Frauen“, sagt Hauenstein. Gerade deshalb sei es wichtig, die Frauen zu informieren, auch um Missverständnissen vorzubeugen.

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Da es sich bei den Workshops um reine Frauengruppen handelte, sei es den Frauen leichter gefallen, offen zu sprechen. Zu einem Termin brachten die Mütter sogar ihre jugendlichen Töchter mit. „Sie wollen wissen, wie sie mit ihren Töchtern über diese Dinge sprechen können“, berichtet Elke Hauenstein.

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Fast noch beeindruckender als Manal Al Shalatis Arbeit in Wertheim ist die Tatsache, dass ihr Engagement nicht erst hier begann. In einem Flüchtlingscamp in Jordanien bot sie rund 800 Frauen bei regelmäßigen Treffen Rat und Unterstützung. „Im Camp ist die Situation für die Frauen sehr schwer“, erinnert sich die 48-Jährige. Sie müssen sich häufig ohne Mann um ihre Kinder kümmern, hätten weder Familie noch Gemeinschaft, auf die sie sich verlassen könnten. „Die Treffen haben ihnen Hoffnung gegeben, dass sie etwas für sich selbst und für ihre Kinder erreichen können“, sagt Al Shalati.

Im Flüchtlingslager standen existentielle Dinge im Vordergrund. In Wertheim ist das anders. „Wir haben hier alles, was wir zum Leben brauchen: Essen, ein Dach über dem Kopf. Aber wir Frauen wollen mehr“, spricht die ehemalige Lehrerin aus Erfahrung. Sie bräuchten eine Perspektive für ihr Leben, eine Aufgabe, die über Haushalt und Kindererziehung hinausgehe. „Die Workshops sind für die Frauen ein Lichtblick“, glaubt Al Shalati. „Das Leben in Deutschland ist sehr schwer. Wir können nicht alle Informationen in zwei Stunden weitergeben, aber es hilft.“

Für Manal Al Shalati selbst war es nicht leicht, ihre neue Aufgabe zu finden. Seit sie Deutsch gelernt hatte, suchte sie Arbeit, schrieb eine Bewerbung nach der anderen – bisher ohne Erfolg. Am liebsten würde sie ihr Engagement im sozialen Bereich zum Beruf machen und weiterhin mit Frauen arbeiten. Auch wenn es schwer ist: „Ich möchte es versuchen, will weiter suchen und weiter lernen“, ist sie zuversichtlich.

Was die Workshops angeht, sind für nächstes Jahr einige neue Themen geplant. So möchten die beiden Frauen tiefer in den Bereich Arbeitsmarkt einsteigen und dazu jemanden von der Agentur für Arbeit einladen. Außerdem wollen sie weiterhin über Gesundheit sprechen.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim