Autorenlesung - Isabelle Archan begeisterte die Zuhörer Die Welt der Sprache weit geöffnet

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Wertheim. Autorenlesungen werden oft in großen Räumen oder gar Sälen veranstaltet. Dies war am Freitagabend in Wertheim nicht so, denn Isabella Archan las auf Einladung der Buchhandlung Buchheim in der Zahnarztpraxis am Spitzen Turm in Wertheim. "Tote haben kein Zahnweh" hieß der im zahnärztlichen Milieu spielende Krimi. Die Autorin und die Veranstaltung selbst erhielten nach sehr unterhaltsamen eineinhalb Stunden entsprechend viel und verdienten Applaus.

Isabella Archan las aus "Tote haben kein Zahnweh".

© Peter D. Wagner
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Andrea Schwitt-Graf (Buchhandlung Buchheim) begrüßte zur ersten Lesung in der Zahnarztpraxis und meinte, die in Köln lebende Autorin bürge für ein "tolles Event". Sie sollte Recht behalten.

Von einer Zombie-Zahnarzthelferin

Die Lesende, eine ausgebildete Schauspielerin, lud ein zu einer Reise in die Welt der Vorstellungskraft, unterstützte dieses Ansinnen durch sehr lebendige und bildhaft deutliche Erzählung. Beim Entree zum ersten Zahnarztkrimi philosophierte sie über die schmerzhaft ausgelöste Dringlichkeit eines Zahnarztbesuchs am späten Samstagabend, parlierte beim langen Ausflug in die allseits geliebte Welt der Interna einer Zahnarztpraxis über eine Zombie-Zahnarzthelferin und den Zahnarzt, welcher aus weiblicher Sicht doch wie George Clooney aussehen möge. Die Location des Abends erwies sich also als trefflich ausgewählt.

Das Publikum verblieb bei der Lesung aus dem ersten Kapitel des Krimis gespannt und ebenso lauschend, hörte von dem Mord an der reichen Pudding-Witwe Hedda Kernbach aus deren gedanklicher Sicht. Reflexionen des sterbenden Mordopfers und die Vorgänge rund um ihr blutiges Ableben verwoben sich sinnreich ineinander, indes die Identität des Mörders/der Mörderin ob der Tarnung mit weißer gestrickter Maske im Verborgenen blieb.

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Damit war denn auch der Weg bereitet für die Hauptfigur des Krimis, die Zahnärztin Dr. Leocardia Huberta Kardiff. Archan beschreibt diese als 44 Jahre alte, taffe Frau, alleinerziehende Mutter von Zwillingen in der Pubertät, mit einem chaotischen Privatleben gesegnet, sich durch den Alltag kämpfend, zudem an einer Spritzenphobie leidend - als Zahnärztin. Archan lotet die Möglichkeiten sprachlicher Darstellung in deren ganzer Bandbreite lautmalerischer Effekte aus, überzeugt beim sanften Gesäusel ebenso wie beim diabolischen Lachen.

Sprachlich vielfältig

Sie agiert sprachlich vielfältig und farbig, zeigt die Dynamik und die Durchschlagskraft lebendiger und geschliffener deutscher Sprache auf, welche sich wiederum in der ebenso schöpferischen Phantasie der Zuhörerschaft machtvoll Raum schafft. Sie trug "ein kleines Liederl" bewusst extravagant vor, schlüpfte in aller Vollkommenheit in die Rolle der "Mitzi aus Graz", ahmte als leibhaftigen Höhepunkt lebhaft die Szene aus dem Film "Harry und Sally" nach. Archan gab weitere Beispiele ihrer sprachlichen Wandlungsfähigkeit beim öffentlichen Üben des Ausdrucks "Mein Mann ist tot", zuerst dramatisch, dann als Monolog wie in Hamlet oder in der Variante "österreichischer Schmäh", oder bei der heftig per Klatschen eingeforderten Zugabe. hpw