Altera Senioren-Domizil - Ausnahmegenehmigung für Doppelzimmerbelegung macht Millioneninvestition vorerst nicht notwendig / Aufnahmestopp aufgehoben Die Suche nach einem Investor läuft gut

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Elisa Katt
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Das Senioren-Domizil Altera war Mitte 2019 in finanzielle Schieflage geraten und musste Ende August Insolvenz anmelden. Ein damals verhängter Aufnahmestopp wurde mittlerweile wieder aufgehoben. © Elisa Katt

Das Altera Senioren-Domizil auf dem Reinhardshof war Mitte 2019 in finanzielle Schieflage geraten und musste im August Insolvenz anmelden. Mittlerweile hat sich die Lage entspannt.

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Reinhardshof. Mitte August brodelte in Wertheim die Gerüchteküche. Thema war die mögliche Insolvenz des Senioren-Domizils Altera auf dem Reinhardshof. Bereits am 9. August hatte die Heimaufsicht, angesiedelt beim Landratsamt Main-Tauber-Kreis, wegen der „angespannten Personalsituation“ im Heim einen Aufnahmestopp verhängt. „Unsere Bewohner werden trotz alldem gut versorgt“, teilte die zu diesem Zeitpunkt geschäftsführende Gesellschafterin damals den Fränkischen Nachrichten mit.

Wenig später bewahrheiteten sich die Gerüchte und das Senioren-Domizil stellte am 16. August einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht Würzburg. Als Sanierungsgeschäftsführer wurde Sebastian Braun eingesetzt, Fachanwalt für Insolvenzrecht in der Wertheimer Kanzlei Reinhart, Kober, Großkinsky und Braun. „Wir wollen das Unternehmen retten, um Angebot und Arbeitsplätze zu erhalten“, so Braun damals.

Gut vier Monate später befindet sich das Senioren-Domizil Altera tatsächlich im Aufwind. „Durch den Aufnahmestopp und die erfolgreichen Anstrengungen zur Gewinnung von Pflegekräften hat sich die Situation ganz wesentlich verbessert. Der Aufnahmestopp wurde am 18. Dezember aufgehoben“, berichtet Frank Mittnacht, Pressereferent des Landratsamts auf Nachfrage.

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Diesem Schritt seien umfassende Restrukturierungsmaßnahmen vorausgegangen, teilt Sanierungsgeschäftsführer Sebastian Braun mit. Man habe einzelne Kostenpunkte überdacht und die Organisation der Verwaltung überarbeitet, um die Effizienz zu steigern und so Gelder einzusparen. Währenddessen konnte der Geschäftsbetrieb vollständig aufrecht erhalten werden, wie Braun bestätigt.

Derzeit werden rund 85 Senioren betreut, der Personalschlüssel ist eingehalten. „Wir haben Pflegesatzverhandlungen angestoßen, um allgemeine Kostenerhöhungen auffangen zu können“, führt der Anwalt weiter aus. Die Verhandlungen würden voraussichtlich noch im Januar abgeschlossen.

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Der wichtigste Schritt, um das Senioren-Domizil aus der finanziellen Schieflage zu befreien, sei jedoch eine Ausnahmegenehmigung der Heimaufsicht zur vorgeschriebenen Einzelzimmerbelegung gewesen. „Die neue Landesheimbauverordnung hat viele Betreiber von Pflegeheimen vor Probleme gestellt“, sagt Sebastian Braun. Sie könnten nun weniger Bewohner aufnehmen, weil Doppelzimmer nur noch mit einer Person belegt werden dürfen. „Das war für viele gar nicht kalkulierbar.“ Es sei allerdings möglich, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, wenn ansonsten eine „unzumutbare wirtschaftliche Härte“ für das Pflegeheim zu erwarten sei.

Ausnahmegenehmigung erwirkt

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Nach einem intensiven Prozess habe man nun erwirkt, dass das Altera Senioren-Domizil die notwendigen baulichen Voraussetzungen für die Einzelzimmerbelegung bis 2032 nicht erfüllen muss. „So sind vorerst keine Millioneninvestitionen notwendig“, hebt der Fachanwalt für Insolvenzrecht ein wesentliches Argument bei der Suche nach Investoren hervor. Es sei einer der Bausteine, die das Unternehmen wieder zukunftsfähig machen.

Gleichzeitig lobt er die konstruktive Zusammenarbeit mit der Heimaufsicht. Auf Nachfrage bestätigt Braun, dass man eine solche Genehmigung schon deutlich früher hätte beantragen können. „Es hätte keinen unmittelbaren Einfluss auf die wirtschaftliche Lage gehabt, wäre aber ein wichtiger Schritt gewesen.“ Braun bezeichnet dies als „eines der wirtschaftlichen Versäumnisse“.

Bei Einzelbelegung kann das Pflegeheim maximal 78 Senioren aufnehmen, durch die Ausnahmegenehmigung sind es bis zu 100. Das habe einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Einnahmen.

Mit der Ausnahme sei also eine zentrale Hürde für Gespräche mit Investoren beseitigt, nach denen man europaweit gesucht habe. Es gebe Interessenten, man habe Gespräche geführt und sei recht weit in den Verhandlungen, so Braun. Details dürfe er aufgrund der Verschwiegenheitspflicht nicht preisgeben: „Die Tinte ist noch nicht trocken, aber wir sind sehr weit.“

Neue Geschäftsführung

Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, bleibe die Altera GmbH als Rechtsträger erhalten und habe mit dem Investor einen neuen Gesellschafter, der das Unternehmen weiter betreibt und saniert. Im Laufe des Jahres könne dann das Insolvenzplanverfahren aufgehoben werden. Es werde eine neue Geschäftsführung geben, in der die ehemalige Leiterin der Einrichtung keine Rolle mehr spiele, so Braun.

Wie bereits im August angekündigt, war der Rechtsanwalt im Zuge der Überprüfung verschiedener Kostenfaktoren Gerüchten nachgegangen, dass Gelder von Altera in ein anderes von der früheren Geschäftsführerin geleitetes Unternehmen geflossen sein sollen. „Es gibt sicherlich Anhaltspunkte, dass die Altera GmbH ein anderes Unternehmen mitfinanziert hat“, räumt Braun ein – und bestätigt auch den Namen, der damals in der Stadt kursierte: die Weideweg GmbH in Hasloch. Letztere befindet sich mittlerweile ebenfalls im Insolvenzverfahren.

An und für sich sei ein Vorgehen wie das der ehemaligen Geschäftsführerin „nicht verboten“, betont der Rechtsanwalt. Die Rechtmäßigkeit in diesem Fall müsse im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens geprüft werden, „ebenso wie sonstige Abflüsse“. Nach wie vor habe aber die Zukunftssicherung des Pflegeheims Priorität, bevor man sich mit der „Vergangenheitsbewältigung“ befasse, so Braun abschließend.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim