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Privatinsolvenz - Hört sich schlimm, hat aber auch ihr Gutes / Spätestens nach sechs Jahren ist der schuldenfreie Neustart für hoffnungslos überschuldete Privatleute möglich

Die Privatinsolvenz als Befreiungsschlag

Insolvenz wird angemeldet, wenn sonst gar nichts mehr geht. Seit 1. Juli 2014 gibt es zusätzlich die Möglichkeit für Privatleute, die Verfahrensdauer von sechs Jahren zu verkürzen.

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teb/zds
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Im Main-Tauber-Kreis meldeten im Jahr 2020 bis zum 31. Dezember insgesamt 30 Verbraucher Privatinsolvenz an, wie aus Meldungen der Statistischen Landesämter an die Regionaldatenbank Genesis hervorgeht. Die Zahl der Fälle ist damit im ersten Coronajahr gegenüber dem coronafreien Jahr 2019 gesunken. © zds

Main-Tauber-Kreis. Privatinsolvenz. Hört sich schlimm, hat aber auch ihr Gutes: Spätestens nach sechs Jahren ist der schuldenfreie Neustart möglich. Für hoffnungslos überschuldete Privatleute ist die Insolvenz deswegen der einzige Ausweg aus dieser Situation.

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Im Main-Tauber-Kreis meldeten im Jahr 2020 bis zum 31. Dezember insgesamt 30 Verbraucher Privatinsolvenz an, wie aus Meldungen der Statistischen Landesämter an die Regionaldatenbank Genesis hervorgeht. Die Zahl der Fälle ist damit im ersten Coronajahr gegenüber dem coronafreien Jahr 2019 gesunken. Befürchtungen, das Virus könnte zu vermehrten Privatinsolvenzen führen, haben sich also nicht bewahrheitet, denn im Vorjahr waren es 44 Verbraucherinsolvenzen gewesen. Für die Gläubiger ging es dabei um viel Geld: Die ausstehenden Zahlungen beliefen sich auf rund 1,36 Millionen Euro.

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Bundesweit war das erste Coronajahr weniger schlimm als befürchtet: 41 753 private Insolvenzverfahren, die in der Republik bis Jahresende 2020 zusammenkamen, waren 20 879 weniger als im Vorjahr mit 62 632. Und die Summe der offenstehenden Zahlungen lag mit 1,79 Milliarden Euro niedriger als im Vorjahr mit 2,66 Milliarden Euro. Menschen aus Baden-Württemberg sind bei den Insolventen mit 3704 Bürgern vertreten. Das waren unterm Strich 1530 weniger als im Vorjahr.

Die Insolvenzmedaille hat zwei Seiten: Die einen stecken finanziell in der Klemme, die betroffenen Gläubiger verlieren im Gegenzug ihr Geld, mit dem sie für Lieferungen oder Leistungen fest gerechnet haben, zumindest teilweise: Allein bei uns im Main-Tauber-Kreis standen die 30 überschuldeten Konsumenten mit insgesamt rund 1,36 Millionen Euro in der Kreide.

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Umgerechnet hatte jeder Betroffene im Main-Tauber-Kreis im Schnitt 45 200 Euro Schulden auf dem Buckel (Vorjahr: 40 795). Der eine mehr, der andere weniger, aber alle ohne die geringste Chance sie aus laufenden Einkünften jemals tilgen zu können.

Im Rückblick entwickelten sich die Zahlen im Main-Tauber-Kreis folgendermaßen: 2015 meldeten 79 hoffnungslos überschuldete Konsumenten Insolvenz an. Ein Jahr später sank die Zahl auf 51 Fälle. 2017 waren dann 56 Menschen zahlungsunfähig, ein Jahr später sank diese Zahl auf 52 Fälle. 2019 kamen 44 Verbraucherinsolvenzen zusammen und bis Ende 2020 waren es nun wie gesagt 30 überschuldete Verbraucher.

Die Insolvenz ist sozusagen der Befreiungsschlag. Sie wird angemeldet, wenn sonst gar nichts mehr geht. Seit 1. Juli 2014 gibt es zusätzlich die Möglichkeit für Privatleute die Verfahrensdauer von sechs Jahren zu verkürzen. So kann eine Restschuldbefreiung bereits nach drei oder fünf Jahren erreicht werden, wenn der Schuldner Teilzahlungen leistet, das heißt mindestens 35 Prozent der Gesamtschuldsumme und/oder die Verfahrenskosten bezahlt.

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Kann er dies nicht, ist er erst nach einer sechsjährigen „Wohlverhaltensphase“ schuldenfrei – und kann einen Neuanfang starten.

In der Zeit des Insolvenzverfahrens muss praktisch jede berufliche und finanzielle Entscheidung mit dem Insolvenzverwalter besprochen werden, das Gehalt fließt bis zu einer niedrigen Grenze an die Gläubiger. Insofern haben auch diese etwas von dem Verfahren. teb/zds

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