Erinnerung an die Osterzeit vor 70 Jahren - Mit Ausstellung an die schlimmen Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert Die Geschichte der Ortschaft ist mit vielen Gefühlen verbunden

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Mit einer beeindruckenden Ausstellung wird in Nassig an die Ereignisse vor 70 Jahren erinnert, als die Ortschaft am Ende des Zweiten Weltkriegs teilweise stark zerstört wurde.

© Kellner

Nassig. Sie liegen in weiter Ferne und sind doch so nah. Selbst nach nunmehr 70 Jahren sind die Ereignisse des Karfreitags und Ostersamstags 1945 in Nassig immer wieder präsent. So auch jetzt in diesen Tagen. Am Vorabend der Gedenkfeier, die gestern in der Auferstehungskirche stattfand, trafen sich rund 70 Interessierte - Ältere ebenso wie Jüngere - im nebenan liegenden Bürgersaal.

Eindrucksvolle Sammlung

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Sie kamen, um Jürgen Hlinka aus seinem Buch "Brennende Hoffnung" lesen zu hören. Und sie kamen, um eine Ausstellung zu besichtigen, die vor allem fünf Bürgerinnen und Bürger aus Bildern, Karten und Textbeiträgen zusammengetragen haben. Damit ist es ihnen eindrucksvoll gelungen, Nassig in der Karwoche vor sieben Jahrzehnten, in der Zeit davor und unmittelbar danach, darzustellen.

Von "Ereignissen, die fern scheinen und doch wieder ganz nah kommen", sprach Ortsvorsteher Volker Mohr in seiner Begrüßung. "Ganz nah kommen" durch die Dokumente, aber auch durch das Buch von Jürgen Hlinka.

"Richtigen Ton getroffen"

Das soll keine Biografie sein, und in dem er doch seiner 2012 verstorbenen Mutter Berta und ihrer Geschichte ein literarisches Denkmal setzt. Der Autor habe "den richtigen Ton getroffen", konstatierte Mohr und zitierte aus einer der zahlreichen positiven Kritiken. Hlinka sei es gelungen, Geschichte mit Gefühlen zu vereinen.

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Diese Gefühle waren dann auch bei der anschließenden Lesung spürbar. Spätestens jetzt wurde deutlich, warum "Brennende Hoffnung" kein nüchternes Sachbuch - dann natürlich mit einem anderen Titel - hatte werden können.

Der Abend sei für ihn und seinen, ebenfalls anwesenden, Vater ein ganz besonderer, sagte der Autor. In Wertheim geboren und inzwischen in Freudenberg lebend, ist er schließlich in Nassig aufgewachsen. Und die Ereignisse in jenen letzten Märztagen 1945, derer nun gedacht wird, endeten für Mitglieder der Familie seiner Mutter tragisch. "Bis ins hohe Alter ist sie traumatisiert gewesen." Hlinka empfand sie aber auch als eine Quelle, die bis zu ihrem Tod nicht versiegte.

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"Authentische, spannende und ergreifende Einblicke" kündigte Mohr für die Ausstellung an. Und das war kein leeres Versprechen. Denn die von Heinz Klein, Gerhard Hörner, Volker Unger, Jürgen Klein und Manfred Krank zusammengetragenen Dokumente liefern genau das. Wer sich beim Betrachten etwas Zeit nimmt, wird nicht nur viel schon Bekanntes, sondern auch Neues entdecken können. ek