Frauenfrühstück - Gemeindepfarrerin Dr. Annegret Ade referierte zum Thema "Sterbebegleitung" / Dem Tod mit Lebensfreude begegnen / Erlebnisse aus der Hospizarbeit geschildert "Die Endlichkeit macht jeden einzelnen Tag kostbar"

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Hofgarten. "Es ist mal wieder Frauenfrühstück und der Saal ist voll", freute sich Schwester Irmgard vom Diakonissen-Mutterhaus. Und die Freude und gute Laune blieb, was bei dem für diesen Vormittag gesetzten Thema "Sterbebegleitung" zunächst erstaunlich sein mag.

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Aber die Referentin, Dr. Annegret Ade, Gemeindepfarrerin von Bettinger, Urphar und Lindelbach, brachte in ihrem humorvollen Vortrag ihr Credo eindrucksvoll an die Zuhörerinnen: Der Tod ist etwas Natürliches und gerade die Begrenzung unserer Lebenszeit sollte uns dazu bringen, das Leben zu genießen, oder, wie es im Motto zur Veranstaltung hieß, "den Tagen mehr Leben zu geben".

"Ich habe noch nie jemand sagen hören: Ich habe zu wenig geputzt", machte sie ihren Standpunkt deutlich.

Die Endlichkeit mache jeden einzelnen Tag kostbar, auch jene, die man lieber aus dem Kalender streichen wolle. Und deshalb solle man sich jeden Tag etwas suchen, was einem Lebensfreude bringe.

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Seit Jahren engagiert sich die Pfarrerin in der Hospizbewegung und berichtete über amüsante, aber auch rührende Erlebnisse während dieser Arbeit. Ihr Interesse für die Sterbebegleitung sei bereits mit 17 Jahren gelegt worden, als ihre Großmutter bei ihrer Familie zu Hause starb. "Damals war der Tod etwas Natürliches, wenn einer starb, kam das ganze Dorf, auch die Kinder waren dabei." Natürlich sei da immer die Trauer über den Verlust. Aber bei solchen Ereignissen sei es auch oft lustig zugegangen, wenn Anekdoten über den Verstorbenen zum Besten gegeben wurden. "Weinen und schallendes Lachen gehörten zusammen." Leider habe es dann in den 1980er Jahren die Tendenz gegeben, den Tod ins Krankenhaus zu verlagern. Heute wäre aber zu ihrer Freude eine Wende zurück zu erkennen. Dafür seien auch Hilfen wie ambulante Hospizdienste mit verantwortlich.

Auch die Einrichtung stationärer Hospize begrüßte sie. Hier sehe es eher aus wie in einem Wohnzimmer als wie in einem sterilen Krankenhaus. Die Bewohner seien auch keine Patienten, sondern Gäste und sollen das Leben genießen. "Was kann man noch falsch machen?". Sterbenskrank sei der gesundheitsschädliche Einfluss von Alkohol oder Zigaretten schließlich egal.

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Im zweiten Teil ihres Vortrags gab die Referentin Hinweise, wie man Sterbende begleiten kann, als Angehöriger, Nachbar oder auch ehrenamtlicher Sterbebegleiter, wie sie zum Beispiel bei den Maltesern ausgebildet werden. Es gehe darum, mit den Sterbenden zu reden und da zu sein. Dabei müsse man beachten, dass Sterbende ein großes Gefühl für Ehrlichkeit hätten und man daher nicht mit Sprüchen wie "Wird schon wieder" kommen könne. Man könne über den bevorstehenden Tod sprechen, aber auch über Gott und die Welt, ganz wie der Besuchte das wünsche. Dabei dürfe man aber auch seine eigenen Grenzen nicht außer Acht lassen. "Wer immer nur gibt, ist irgendwann leer." Abschließend ermunterte Ade, sich dieser für beide Seiten bereichernden Aufgabe zu stellen.