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Projekt „Schule trifft Rathaus“ - Acht- und Neuntklässler fühlten OB Markus Herrera Torrez auf den Zahn / Workshop der Landeszentrale für Politische Bildung

Der Wunschzettel der Schüler war lang

Von 
Nadine Schmid
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Die Schüler und Schülerinnen der Werkrealschule Urphar/Lindelbach stellten Bürgermeister Markus Herrera eine Reihe an Fragen. © Nadine Schmid

Im Rahmen des Aktionstags „Schule trifft Rathaus“ besuchten Acht- und Neuntklässler der Werkrealschule Urphar/Lindelbach die Stadtverwaltung und stellten Bürgermeister Markus Herrera Torrez Fragen.

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Wertheim/Urphar/Lindelbach. Bekommt unser Schulhof einen Fun Court? Wieso gibt es keinen Bus, mit dem ich zum Volleyballtraining fahren kann? Und warum fällt die Michaelis-Messe dieses Jahr aus? Dies waren nur einige Fragen, die die Acht- und Neuntklässler der Werkrealschule Urphar-Lindelbach Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez stellten. Die Schüler hatten beim Projekt „Schule trifft Rathaus“ der Landeszentrale für politische Bildung mitgemacht und dazu einen Tag bei der Stadtverwaltung in der Mühlenstraße verbracht.

Zunächst begann der Workshop unter Leitung von Sarah Blum von der Außenstelle Ludwigsburg der Landeszentrale mit einigen Informationen darüber, was die Kommune überhaupt macht. Dann verbrachten die Schüler ihre Zeit damit, Fragen und Anliegen zu sammeln für das Gespräch, das den Höhepunkt des Projekttages bilden sollte: das Gespräch mit dem Oberbürgermeister.

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Tatsächlich trat sofort Stille im Sitzungssaal ein, als das Stadtoberhaupt hereinkam. Die Jugendlichen waren sichtlich beeindruckt, dass Herrera Torrez sich Zeit für sie nahm. Dies hinderte sie allerdings nicht, im Laufe des einstündigen Gesprächs immer wieder kritisch und pointiert nachzuhaken.

Zunächst stellte sich Herrera Torrez, der seinerzeit als jüngster Oberbürgermeister Baden-Württembergs ins Amt kam, kurz vor, berichtete von seinem Hund und seiner Leidenschaft für Fußball. Er verriet auf Blums Nachfragen, dass seine Lieblingsorte in der Stadt der Eicheler Fußballplatz, der Haidhof und das Kloster Bronnbach seien.

Außerdem berichtete er im Laufe des Gesprächs von seiner 50- bis 60 Stunden-Woche, die anstrengend sei, weil er zu jedem Thema „etwas Kluges sagen müsse“. Er habe seine Entscheidung für das Oberbürgermeisteramt in den letzten drei Jahren aber nie bereut.

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Doch dann wurde es schnell politisch. Immer zwei Schüler setzten sich direkt zum OB und stellten ihre vorbereiteten Fragen. Zunächst ging es um das alte und zum Teil höhenmäßig unpraktische Schulmobiliar. Herrera Torrez betonte, dass Schulmobiliar nicht schön aussehen, sondern praktikabel sein müsse. Wenn es den Schülern wirklich nicht möglich wäre, an ihren Tischen ordentlich zu schreiben, müsse Abhilfe geschaffen werden.

Außerdem äußerten die Jugendlichen den Wunsch nach mehr Pausenspielgeräten, vielleicht einem Fun Court wie an der Realschule. Der OB erklärte, dass das Schulbudget immer von der Schülerzahl abhänge und dass in den vergangenen Jahren der Bestand von „Urli“ ja auf der Kippe gestanden habe. In diesem Zusammenhang äußerte Herrera Torrez seine Freude, das mit zehn Anmeldungen für das kommende Schuljahr die Schule aktuell in ihrem Bestand gesichert sei.

Der nächste Fragenblock drehte sich um den öffentlichen Nahverkehr. Eine Schülerin beklagte, dass sie morgens eine halbe Stunde am ZOB auf den Anschlussbus warten müsse. Eine andere Schülerin schilderte, dass sie gerne Volleyball gespielt hätte, dies aber auf Grund der Busanbindungen nicht möglich sei. Herrera Torrez antwortete, dass eine höhere Frequenz wünschenswert wäre, für die meisten Leute aber doch das Auto bequemer, so dass es sich nicht lohne. So entstehe ein Teufelskreis. Schon jetzt schieße die Stadt 200 000 Euro für den Stadtverkehr zu.

Ein Schüler bemerkte kritisch, dass es seiner Ansicht nach in der Stadt unsinnige Bauvorhaben gebe und daher ja Geld da sein müsse.

Ein ganz anderes Problem schilderten zwei Neuntklässler, die begeisterte Jugendfeuerwehrler sind: Wie könne man es schaffen, mehr Jugendliche für diesen wichtigen Dienst zu begeistern? Der OB gab die Frage in die Runde zurück. Dabei stellte sich heraus, dass viele Anwesenden in der Jugendfeuerwehr waren, aber nun aus Zeit- und anderen Gründen ausgestiegen sind.

Herrera Torrez riet den Jungfeuerwehrlern, selbst zu erzählen, wie viel Spaß dieses ehrenamtliche Engagement bringe. Bei der Idee, in den Grundschulen zu werben, wolle die Stadt gerne unterstützen.

Ein weiteres Thema war die abgesagte Messe, an der die Werkrealschüler besonders die Fahrgeschäfte interessiert hätten. So baten sie, beim stattdessen geplanten „Herbstvergnügen“ bei der Wahl der Schausteller auch an sie zu denken.

Bei dem Wunsch nach Treffpunkten in den Ortschaften verwies das Stadtoberhaupt an die Ortsvorsteher. „Jugendliche können etwas verändern. Mein Rat: Macht es nicht allein.“

Ansprechpartner stünden beispielsweise in den Jugendhäusern zur Verfügung.

Auch zu einem Engagement in Parteien riet Herrera Torrez den jungen Menschen. Im nächsten Jahr wolle die Stadt auf jeden Fall das durch Corona gestoppte Projekt des Achterrats angehen, in dem Achtklässler Vorschläge für die Entwicklung der Kommune einbringen können.

Nach dem Gespräch zeigte sich der Oberbürgermeister beeindruckt von den Jugendlichen. „Ihr habt die gleichen Anliegen und Wünsche wie die Erwachsenen. Mit euch zu diskutieren ist nicht anders“, lobte er die engagierten Diskutanten.

Diesem Lob schlossen sich auch Blum und der kommissarische Schulleiter Dieter Fauth an. „Die Schüler waren in diesem für sie ungewohnten Räumlichkeiten und mit der Aussicht, den OB zu treffen, hochmotiviert.“ Einen großen Unterschied zwischen den Schularten könne sie bei diesem Projekt nicht feststellen, betonte Blum, die die entsprechenden Projekte im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart durchführt. Auch die Themen seien überall ähnlich. In Wertheim sei besonders das Engagement für die Jugendfeuerwehr herausgestochen.

Auch wenn der Oberbürgermeister die meisten Wünsche nicht erfüllen konnte, so bleibt wohl hoffentlich doch beim einen oder anderen Schüler die Erkenntnis, dass es sich lohnt, sich lokalpolitisch zu engagieren.

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