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Bronnbacher Gespräche

Der Vergangenheit eine Zukunft gegeben

Dr. Jörg Paczkowski referierte im Fraunhofer Institut über „Wertheim – Stadtbild, Stadtsanierung und Stadtdenkmalpflege“

Von 
Hans-Peter Wagner
Lesedauer: 
Dr. Jörg Paczkowski während des Vortrags „Wertheim - Stadtbild, Stadtsanierung und Stadtdenkmalpflege“. © Hans-Peter Wagner

Bronnbach. Dr. Jörg Paczkowski hielt am Mittwochabend im Vortragssaal des Fraunhofer-Instituts Bronnbach im Rahmen der Bronnbacher Gespräche einen Vortrag zum Thema „Wertheim - Stadtbild, Stadtsanierung und Stadtdenkmalpflege“.

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Zu dem Vortrag eingeladen hatten das Internationale Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservie-rungsforschung IZKK, das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC sowie der Historische Verein Wertheim. Gabriele Maas-Diegeler freute sich, dass Paczkowski den Vortrag halte, versprach span-nende Bilder und wunderbare Erinnerungen, welche eine kurzweilige Zeit bescherten.

Eine Kernstadt und zwei Vorstädte

Der Vortragende sagte zu Beginn seiner Ausführungen, es gehe um das Wesen der Stadt, auch die Nachhaltigkeit solle dargestellt werden. Paczkowski zitierte aus alten Werken, Wertheim mache sich sehr hübsch, sei äußerst malerisch und prächtig. Er fügte an, es habe sich nicht viel verändert gegenüber der alten Ansicht. Solche alte Ansichten hatte der Referent reichlich in seine Darstellung eingebaut, zudem viele Bilder aus unterschiedlichen Jahrzehnten.

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Wertheim, so Paczkowski, habe eine Kernstadt und zwei Vorstädte, er erläuterte dieses Faktum an Hand eines Bildes aus den 1970er Jahren, Die Gründung dieser Stadt sei staufischen Ursprungs, die Symbiose zwischen Natur und Stadtgefüge einmalig. Der Marktplatz als der erste große freie Platz sei sinnvoll. Ein Bild aus dem Jahr 1750 zeigte die Enge der Stadt. Der Fachmann erläuterte an Hand von Bildern, dass Wertheim insgesamt, soweit es die Topologie zuließ, eine regelmäßige Anlage habe.

Bei der Sanierung von 1970 sei Wertheim eine der ersten Städte gewesen, die hier Geld in Anspruch genommen hätten. Wertheim habe große Probleme mit dem Verkehr gehabt, es sei viel über den Marktplatz gefahren worden. Die Fragen seien gewesen, „wie kann man die Altstadt erhalten“, „was ist das Besondere“. Wertheim weise Strukturen auf, die modernes Leben gar nicht ermöglichten, alles hatte sich dezentralisiert. Vor 1970 sei die Altstadt eigentlich gemieden worden.

So habe man sich Gedanken gemacht um die Mühlenstraße, um den Bereich an Main und Tauber, um den Wenzelsplatz und um die katholische Kirche herum. Viele hätten sich mit der Erhaltung alter Städte beschäftigt und wie man Städte auf die Zukunft vorbereiten könne, ohne dass diese ihr Gesicht verlieren. Nach dem zweiten Weltkrieg seien mehr historische Häuser in einer Stadt abgerissen worden als im Krieg selbst. Paczkowski zeigte gute Beispiele der Erhaltung einer Stadt ebenso auf wie schlechte.

Der Redner verdeutlichte die Gedankenwelt derer, die sich mit der Thematik beschäftigen. So mache das einfache Gebäude aus, dass andere wertvoll seien, „jedes alte Haus ist gut“. Es gelte, die Wertigkeit des einzelnen Hauses im Auge behalten. Es reiche nicht, wenn Kubatur stimme, das Gesicht je-doch verloren sei.

Paczkowski zeigte an Hand eines Planes von Wertheim aus dem Jahr 1893, dass es damals keine Grünflächen gegeben habe, alles sei zugebaut gewesen. Der Vortragende stelle aus dem Rahmenplan zur Altstadtsanierung von Klaus Trojan und Verena Trojan die Schwerpunkte heraus und die Ergebnisse vor. Eine Frage sei gewesen, „wie kriegen wir den Verkehr raus“ und was habe dies für Fol-gen. Photos verdeutlichten die Sachlagen vor und nach der Sanierung. Paczkowski ergänzte mit dem Gedanken, warum Maler unspektakuläre Ansichten gemalt hätten, „das ist Wertheim“.

Der Fachmann erläuterte per Bild und Zeichnungen, auch warum manche Häuser aufgegeben worden seien zum Wohle der Innenstadt. Er verdeutlichte, wenn etwas geändert oder neu gestaltet werde, müsse etwas Neues kommen. Ein Straßendurchbruch trenne auch, die Frage bleibe, was man in einem Viertel mache, das abgebunden wird. Hier müsse über Folgen nachgedacht werden. Die Mühlenstraße zum Beispiel habe durch die Breite der Straße ihren Wert verloren. Paczkowski machte die Verstaffelung von Häusern in Wertheim deutlich, ging auf Trojans Vorschlag ein, „entkernen, große Freiflächen schaffen, überflüssige Häuser wegnehmen“. Flächen zwischen den Häusern seien geschaffen worden.

Der Vortragende ließ wissen, ab 1974 hätten Leute in der Innenstadt wohnen wollen, indes seien die Nahversorger nicht mehr da gewesen. Paczkowski verdeutlichte seine Gedanken durch Beispiele, ging auf einzelne Veränderungen erläuternd ein. Die Struktur der Altstadt habe sich seiner Meinung nicht verändert, darüber sitze die Burg wie eine Glucke. Der Redner zeigte eine ganze Reihe kleinerer, jedoch interessanter Aspekte auf.

Fluchtpunkte als Besonderheit

So seien immer wieder Fluchtpunkte geschaffen worden, „das ist das Besondere dieser Stadt“. So dürfe man den Blick auf einen Kirchturm nicht verbauen. Das Barockportal der Hofhaltung sei verstaffelt, beim Umbau seien Details übernommen und ein Blickfang ohne Inszenierung geschaffen worden. Das Denkmalamt habe die gesamte Altstadt angesehen, das Kernproblem sei die unheimliche Überlagerung von Denkmälern.

Entscheidungen hätten Folgen, ließ Paczkowski wissen, so müsse bei einer geschichtlich gewachsenen Stadt Vieles bedacht werden. Der Fachmann brachte als Überlegung ein, abgebrochen werden dürfe nur ein Haus, wenn ein Bebauungsplan konsequent durchdacht sei. Ein Abbruch dürfe erst dann geschehen, wenn der Neubau gesichert sei. Der Vortragende brachte Beispiele, wie und wo toll restauriert worden sei. Er sprach den Mut zur Farbigkeit ebenso an wie das städtebauliche Phänomen der Sackgassen.

Nach etwa 90 Minuten Vortrag und reichlich Beifall sagte Maas-Diegeler abschließend, Paczkowski habe eindrücklich gezeigt, wie der Vergangenheit eine Zukunft gegeben werden könne.

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