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Kleinkunst - Olaf Bossi gastierte mit seinem Programm „Endlich Minimalist – aber wohin mit meinen Sachen?“ bei Convenartis

Der ganz normale Wahnsinn des Alltäglichen

Von 
Nadine Schmid
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Olaf Bossi bei seinem Auftritt in Wertheim. © Nadine Schmid

Olaf Bossi stellt bei seinem Auftritt in Wertheim berechtigte Fragen. Das Publikum erlebte einen spannenden Kabarettabend mit musikalischer Anreicherung.

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Wertheim. Oft weiß man, wie man aufräumen und ausmisten könnte, sich gesund ernähren und Sport treiben sollte und dass das gut wäre. Doch der innere Schweinehund ist häufig stärker. Diese allzu menschliche Schwäche brachte der Comedian Olaf Bossi am Samstag gekonnt auf die Bühne des Convenartis Kleinkunstvereins, als er im Programm „Endlich Minimalist – aber wohin mit meinen Sachen?“ aus seinem Leben plauderte und erzählte, wie seine Familie das Projekt startete, ohne überflüssigen Ballast zu leben.

Gerade weil jeder der etwa 25 Zuschauer diese Situationen wohl nur zu gut kannte, wurde es ein sehr unterhaltsamer Kabarett-Abend, den die musikalischen Einlagen Bossis krönten. Denn der Künstler arbeitet nicht nur als Comedian, sondern schreibt auch Schlagertexte, etwa für Vanessa Mai und Maite Kelly.

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Veröffentlicht
Von
Sebastian Schwarz
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Man hatte im Verlauf des Abends das Gefühl, dass man schon ein guter Bekannter ist in dieser Familie, die aus dem italienischstämmigen Bossi, seiner Frau, einer Münchner Lehrerin und zwei Söhnen besteht. Schon beim Aufstehen gehe es ans Suchen.

Entrümpeln

Zunächst die Sachen der Kinder, dann Geldbeutel und Handy der Ehefrau. Da sei beim Sehen einer Dokumentation die Idee, mit den Vorgaben der japanischen Aufräumikone Marie Kondo zu entrümpeln, genau recht gekommen. Dies läuft nach einer bestimmten Reihenfolge ab und diese wiederum ermöglicht es Bossi, verschiedenste Bereiche des Lebens zu kommentieren.

Auf der Bühne stehen dafür sechs Umzugskartons, die mit dem beschriftet sind, was da rein soll. Man solle alles wegwerfen, was einen nicht glücklich mache. Da fallen Bossi sofort die Waage und die Steuererklärung ein. Und die Kündigung der Mitgliedschaft in dem Fitnessstudio, das er seit Jahren finanziell unterstützt, aber genau so lange nicht mehr betreten hat. Er habe sich aber noch nicht zum Kündigen durchringen können, denn so bleibe das Gefühl: „Morgen fange ich wieder an.“

Als es um gesundes Essen und nachhaltiges Einkaufen geht, stellt der Künstler die berechtigten Fragen, warum ausgerechnet die Bio-Gurke eingeschweißt ist und warum man aufgeschnittene Bananen in Plastik kaufen müsse. Und erzählt, dass er mit italienischer Abstammung nicht nachvollziehen könne, dass es in Deutschland die kalte Brotzeit gebe. Seine Frau frage ihn von Zeit zu Zeit, ob sie ihm das Lyoner-Brot warm machen solle. Die Vermutung des Stuttgarters: „So ist der Leberkäse entstanden.“

Es gibt Vorbilder, etwa einen Freund, den Bossi sehr bewundert: „Alles, was der besitzt, besitzt er absichtlich.“ Bei den „Jung-Baby-Finanzhaien“ einer Vermögensberatung sei sein Programm dagegen absolut nicht verstanden worden. Denn hier gehe es darum, auf Kosten anderer möglichst viel Reichtum anzuhäufen.

Nostalgische Erinnerungen

Besonders stolz sei er auf seine Plattensammlung. Auch wenn manche Texte nicht mehr zeitgemäß sind und ihn dazu brachten, seinem vierjährigen Sohn Rassismus zu erklären. Wie er sich dabei immer stärker in die Bredouille bringt, brachte das Publikum wie an so vielen anderen Stellen herzhaft zum Lachen. Genau wie sein Schlaflied, das ganz neue Nuancen bekommt, als das Kind stundenlang nicht einschlafen will.

Immer wieder klingen nostalgische Erinnerungen durch, etwa an das Fotografieren vor der Zeit der Digitalkamera, als sich intime Fotos schon deshalb verboten, weil man wusste, dass man beim Abholen die Fotos mit dem Verkäufer durchgeht, um zu sehen, welche etwas geworden sind. „Der Besitzer des Fotogeschäfts hätte fürs ganze Viertel zur Beichte gehen können.“

„Ich will Jeans, T-Shirt und Freiheit“ war einer der ersten Songs, den Bossi für Vanessa Mai geschrieben hat und da dieser so gut zum Thema des Abends, „Minimalismus“, passt, sang Bossi das Lied mit den Zuschauern, denen es als Ohrwurm sicher noch lange im Kopf herumspukte.

Es bleiben nach zwei Stunden Programm viele wertvolle Tipps zum Aufräumen und Entrümpeln, die man „mal umsetzen könnte“, viele nette Anekdoten, einige Ohrwürmer wie der Titelsong des West-Sandmännchens und die Erinnerung an einen gelungenen Kabarett-Abend.

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