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Besonderer Tag - Ehemaliger Museumsleiter und Kreisheimatpfleger Dr. Jörg Paczkowski feiert seinen 70. Geburtstag

Denkmalpflege liegt ihm am Herzen

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Seinen 70. Geburtstag feiert Jörg Paczkowski, ehemaliger Kreisheimatpfleger sowie Leiter des Wertheimer Grafschaftsmuseums und des Schlösschens im Hofgarten, an diesem Donnerstag. © Nadine Schmid

Wertheim. Ursprünglich wollte Jörg Paczkowski nach seinem Studienabschluss in Würzburg nur ein paar Jahre in Wertheim verbringen und dann weiterziehen. Doch die Entdeckung der Schätze im Museumsbestand und der Gemälde von Otto Modersohn hielten den gebürtigen Norddeutschen an Main und Tauber. Ein Glück für das Kulturleben und die Museumslandschaft im Landkreis und in der Großen Kreisstadt, die er über Jahrzehnte mit geprägt hat. Heute wird der ehemalige Kreisheimatpfleger sowie Leiter des Grafschaftsmuseums und des Schlösschens 70 Jahre alt.

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Geboren wurde Paczkowski in Oldenburg (Holstein). Kurz darauf zog die Familie nach Kiel an, wo der Jubilar daraufhin mit einer Schwester seine Kindheit und Jugend verbrachte. Immer wieder zog es ihn auf den Sportplatz, er war begeisterter Leichtathlet und Geräteturner. Nebenher interessierte er sich aber auch schon früh für Geschichte. Dies verdanke er besonders einem Grundschullehrer, der ihm die Historie Kiels nahebrachte.

„Urerlebnis“

Als „Urerlebnis“ für seinen späteren Werdegang bezeichnet Paczkowski eine Besuch Berlins mit sieben Jahren. Sein Vater, der Berlin zuvor 20 Jahre nicht gesehen hatte, sei beim Anblick der Ruinen um Jahre gealtert. Da begriff der Junge, wie wichtig die Erhaltung von Gebäuden und die Denkmalpflege für eine Gesellschaft sind – eine Einstellung, die ihn durch sein ganzes Berufsleben trug. „Denkmäler zu erhalten ist eine Investition in die Zukunft“, ist er überzeugt. Sie seien ein entscheidender Faktor für die persönliche Identität, würden zeigen, woher man kommt und wohin man geht.

Nach dem Abitur absolvierte er 18 Monate Wehrdienst bei den Panzerpionieren, die etwa die Statik von Brücken prüften. Dies habe ihm geholfen, später Gebäude statisch visuell anzusehen. Die Studienfachwahl lag nahe: Kunstgeschichte, Geschichte, Volkskunde und klassische Archäologie. Die Auseinandersetzung zwischen Erhalt des Alten und Aufbruch ins Neue prägte den gesellschaftlichen Diskurs in Paczkowskis Studentenzeit. Gemeinsam mit anderen Kieler Studenten setzte er sich gegen den Abriss der Flensburger Altstadt ein. „Und heute sind sie so stolz auf ihre Altstadt“, schmunzelt der Kunsthistoriker. Das Interesse am Wiederaufbau Würzburgs nach 1945 brachte ihn zu einem Gastsemester in Unterfranken. Letztlich blieb er bis zur Promotion an der Würzburger Universität.

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1978 bewarb er sich als Leiter des Glasmuseums, doch die Stelle war bereits besetzt. Dann bekam er die Leitung des Historischen Museums angeboten. Das war damals in der Kilianskapelle beheimatet mit Depot im Haus der Vier Gekrönten. Zuerst machte er sich daran, den großen Bestand zu sortieren. Vier Jahrzehnte leitete er das Museum und zog dabei mit diesem zunächst in die Hofhaltung und letztlich an den jetzigen Standort um. Besonders freute es Paczkowski, dass er 1989 das Otto-Modersohn-Kabinett eröffnen durfte. Bereits 1916 hatte der Maler Wertheim das erste Mal bereist.

Das Museum bekam überregional einen guten Ruf, was auch dazu führte, dass die Wertheimer Einrichtung Dauerleihgaben vom Land erhielt. Ein großer Teil des Bestands gehört dem 1904 gegründeten Historischen Verein, dessen Vorsitzender Paczkowski 38 Jahre war. „Ein Museum muss in die Zukunft denken und Objekte sammeln, die eines Tages Bedeutung haben werden“, erklärt Paczkowski seine Kriterien für denKauf neuer Ausstellungsstücke.

Später kam das Schlösschen hinzu. Er erinnere sich noch gut an eine der ersten Führungen, die er dort im noch verwilderten Park machte. „Das müsste man wiederherstellen. Das ist ein Wertheimer Unikat“ war er sich schnell sicher. So konnte er mit Unterstützern den Abbruch, der 1997 bereits beantragt war, verhindern. Mit überregionalen Sammlungen machte er Wertheim in der deutschlandweiten Kunstszene bekannt. Umso mehr bedauert er, dass er die Verantwortung jetzt abgeben musste. „Es ist wie bei einem Marathonlauf, bei dem man auf den letzten Metern noch eingeholt wird.“ Neben dem Sammeln war dem Museumsleiter immer die Vermittlung wichtig. „Viele haben mich gefragt, was ich mit Kindern im Museum wolle“, blickt er auf die Anfänge der Museumspädagogik zurück. Paczkowski arbeitete immer gerne mit Jugendlichen. Besonders hat er die drei muslimischen Jugendlichen in Erinnerung, die nach einem Besuch mit der Klasse mehrere Jahre am Zuckerfest im Anzug das Museum besuchten. Den Einsatz von neuen Medien im Museum sieht er allerdings skeptisch. „Das kann ein Hilfsmittel sein, entscheidend ist aber immer das Originalobjekt.“

Dass sich nicht jeder für Museen interessiert, kann er akzeptieren. „Wichtig ist, dass in einer Stadt die Interessen aller Gruppen vertreten werden und man tolerant miteinander umgeht.“

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Vielen ist der Jubilar als Organisator zahlreicher Fahrten bekannt, die er für den Historischen Verein, die Volkshochschule und den Schwäbischen Albverein organisierte. Etwa 240 waren es insgesamt. Besonders sind ihm die Touren ins Elsass, die neuen Bundesländer und nach Polen im Gedächtnis geblieben. Er suche immer Ziele mit Wertheim-Bezug heraus, verrät Paczkowski. Wie er sich all das Wissen über all diese besuchten Orte aneignet? „Ich bin eine Leseratte. Wenn ich Urlaub mache, habe ich immer einen Seesack voll Bücher dabei“, erklärt er.

Privat führen ihn seine Reisen meist in seine norddeutsche Heimat und nach Italien, gemeinsam mit seiner Frau. Diese unterstützte ihn sehr bei seinen Tätigkeiten und gründete zum Beispiel als leidenschaftliche Gärtnerin eine Stiftung für den Schlösschen-Park. Auch eine Tochter und drei Enkel gehören zur Familie. Ihn freue die Neugier der Kinder, die ihn an die Zeit erinnerte, als er selbst das erste Mal den Wunsch spürte, Kunsthistoriker und Denkmalschützer zu werden – eine Berufung, der er immer folgte.

Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum Geburtstag schließen sich die FN gerne an.

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