"Kammerkonzert-Soiree" - Pianist Christoph Soldan und die Schlesischen Kammersolisten überraschten am Sonntagabend mit raffinierten Bearbeitungen Das war einfach "Wahnsinn"

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Die "Kammerkonzert-Soiree" mit den Schlesischen Kammersolisten (Bild) überraschte am Sonntagabend mit raffinierten Bearbeitungen beim "Cross-Over" der "Klassik der Moderne". Zuvor hatte man mit Christoph Soldan (Flügel) das "Forellenquintett" von Franz Schubert mitreißend dargeboten.

© Lange

Wertheim. "In einem Bächlein helle" und "Smoke on the water" in einem Konzert, nur durch eine Pause getrennt: Das konnte man am Sonntag im Arkadensaal erleben, in den der Kulturkreis Wertheim eingeladen hatte. Das fünfsätzige Klavierquintett A-Dur, op. 114, genannt "Forellenquintett", das Franz Schubert 1819 in Österreich an der Mündung der Steyr in die Enns komponierte, passte perfekt in Raum, an die Mündung der Tauber in den Main und den Übergang des Spessarts in den Odenwald mit jeweils unzähligen Bächlein und Forellenteichen, deren Bilder beim Hören der berühmten Melodie sicherlich vielen Zuhörern vor Augen kamen.

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Der international renommierte Pianist Christoph Soldan ließ mit den Schlesischen Kammersolisten schon beim ersten Satz das Glitzern der Sonnenstrahlen und das Plätschern der Wellen, aber auch das gemächliche Fließen eines breiten Stroms klanglich erleben. Die musikalischen Schwerpunkte wanderten zwischen der filigranen Violine, dem oft dominierenden Klavier und dem sonoren Kontrabass hin und her. Sie vereinigten sich aber immer wieder zu vollem orchestralen Klang.

Das berühmte, einfallsreich variierte Thema im vierten Satz wurde von der Violine vorgestellt, dann nacheinander vom Klavier, der Viola und dem Kontrabass übernommen, während die anderen Instrumente schnell und präzise Verzierungen und Begleitthemen hinzufügten, bis sich in groß angelegtem Bogen eine mächtige, eines großen Symphonieorchesters würdige Klangfülle entwickelte. Kraftvoller Tuttiklang mit der Beweglichkeit eines Kammermusikensembles, das war einer der herausragendsten Merkmale des Ensembles mit dem Pianisten Christoph Soldan und dem berühmten "Forellenquintett".

"Smoke on the Water", "I will rock you", "Yesterday" und "Wenn ich einmal reich wär" waren Stichpunkte aus dem zweiten Teil des Abends. Zuhörer, die nach dem ersten Teil "Bravo" gerufen hatten, murmelten während der nun folgenden Bearbeitungen von Hits der 60er und 70er Jahre immer wieder "Wahnsinn" und konnten nur mit Mühe den Drang zum Mitsingen und Mitklopfen zurückhalten.

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Darius Zboch, Erster Violinist der Kammersolisten, ist nicht nur ein äußerst professioneller Solist, sondern auch ein genialer Arrangeur. Er versteht es prächtig, den weltbekannten Ohrwürmern ein neues, meist kunstvolleres Klanggewand zu verleihen. So erhielt die wunderschöne, aber einfache Cellomelodie "Somebody to love" eine filigrane Violin-Oberstimme und eine choralartige, fast weihnachtlich anmutende Umrahmung.

"Love me tender" von Elvis Presley wurde vom Kontrabass intoniert und von raffinierten Pizzikato-Rhythmen der Kollegen begleitet, harmonisch Regerschen Orgelchoräle verblüffend ähnlich. In schönen, wohligen Klängen baden konnten sich alle Solisten gemeinsam mit dem Publikum beim "Yesterday" der Beatles. Musikalisches Augenzwinkern kennzeichnete auch "Wenn ich einmal reich wär" aus dem Musical "Anatevka" mit dem kollektiven bedauernden Stöhnen der Musiker über den unerfüllten Wunsch. Bereicherung, Ergänzung und Abwechslung brachten die Klezmer-Melodien wie "Tschiribim", "Kingdom" und "Hava Nagila". Zusätzlich zu den rhythmischen Möglichkeiten der konventionellen Tonerzeugung ergänzten Klopfgeräusche mit den Fingerspitzen und den Händen auf dem Instrument oder mit den Füßen auf dem Boden die musikalische Ausdruckskraft.

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Großer Orchesterklang, wie zuvor beim "Forellenquintett", beeindruckte auch zum Schluss der Hitrunde, die mit lang anhaltendem Applaus und einer feurigen Zugabe ein besonderes Erlebnis beschloss. rl