Unterricht - Berufliches Schulzentrum setzt in der Ausbildung online auf die Plattform eines Wertheimer Unternehmens / Sogar Arbeitsgruppen sind möglich Da muss jeder richtig konzentriert dabei sein

Von 
Birger-Daniel Grein
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Schüler und Lehrer in direktem Kontakt: „Das System von ViaLogo macht’s möglich“, freut sich BSZ-Abteilungsleiter Patrick Schönig. © Birger-Daniel Grein

Um den Unterricht für seine Schülerinnen und Schüler effektiv fortsetzen zu können, setzt das Berufliche Schulzentrum Wertheim auf die Onlineplattform eines Wertheimer Unternehmens.

Stichwort: Das System von ViaLogo

Am Anfang stand ein System für die Nachhilfeschüler des Unternehmens. Diese wurde in den letzten drei Jahren immer weiter ausgebaut, um eine Schulungs- und Kommunikationsplattform zu entwickeln, mit der ganze Schulen und Akademien sowie Unternehmen virtuell arbeiten können.

Das System bietet tatsächlichen Liveunterricht, bei dem sich Lehrer und Schüler in einem virtuellen Klassenraum treffen.

Das System ermöglicht neben dem direkten Unterricht in Klassengröße auch die Arbeit in Klein- und Großgruppen, sowie ein Dateiablage und Dateimanangementsystem.

Das System ist browserbasiert und damit über alle Endgeräte mit Browser, egal, ob mobil oder stationär, nutzbar. bdg

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Bestenheid. Neben gutem Lernmaterial ist der persönliche Kontakt zwischen Lehrern und Schülern sowie die Zusammenarbeit der Schüler untereinander ein wichtiger Bestandteil gelingenden Unterrichts. Die letzten beiden Punkte waren mit der Schulschließung nicht mehr so einfach möglich. Das Berufliche Schulzentrum Wertheim (BSZ) setzt seit dieser Woche auf ein Onlineschulplattform des Wertheimer Unternehmens ViaLogo. Maßgeblich entwickelt wurde das System vom Firmengründer Michael Väth und Alexander Popov, Student der Mathematik und Physik. „Es ist eine Innovation aus Wertheim“, betonte Väth. Am Freitag gab BSZ-Abteilungsleiter Patrick Schönig den Fränkischen Nachrichten einen Einblick in die neue Form des Unterrichts. Dabei erlebte er selbst seine erste Unterrichtsstunde mit dem System. „Alle 900 Schülerinnen und Schüler können das System nutzen“, erklärte er. Somit kommt es in den Berufsschulen, dem Berufskolleg, den beruflichen Gymnasien, den Berufsfachschulen, dem Berufseinstiegsjahr und der Vorbereitungsklassen zum Einsatz. „Generell ist der Theorieunterricht in allen Fächern damit möglich.“ Teilweise würden Kollegen es sogar für die Praxis einsetzen.

Kochen online

„Eine Kollegin bietet den Kochunterricht für ihre Praxisgruppe mit fünf bis sechs Schülern darüber an.“ Bei großen Klassen können auch 30 Schüler den virtuellen Kursraum nutzen. „Technisch wäre auch mehr möglich.“ Besonders wichtig für die Schule sei, dass das System stabil läuft. In der ersten Woche der Schulschließung habe man die Materialien per E-Mail oder klassischer Post verschickt. „Das hat zwar funktioniert, aber wir merkten, wir brauchten ein Onlineangebot.“ Die Schule hatte viele Angebote verschiedenster Plattformen für den Onlineunterricht bekommen. Auch Väth habe sich bei der Schule gemeldet und seine Plattform vorgestellt. Diese wurde bereits vom Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim genutzt. Väth habe mit einer intuitiven und stabilen Software sowie ausreichender Serverkapazität geworben. „Wir haben verschiedene Angebote in der Schulleitung besprochen.“ Aus mehreren Gründen habe man sich für die Plattform von ViaLogo entschieden. „Der Anbieter sitzt vor Ort und ist damit bei Problemen leicht greifbar.“ Außerdem ermögliche das System, die gesamte Schule mit den verschiedenen Klassen und Kursen abzubilden, was technisch nicht einfach sei. „Zusätzlich hatte Väth zugesagt, dass das System bis Anfang der zweiten Woche der Schulschließung bereit steht.“ So habe man die Zusammenarbeit beschlossen. „Das Ganze ist eine Gewinnsituation für beide Seiten“, so Schönig. „Väth stellte etwas tolles auf die Beine, das wir als Schule sehr gut gebrauchen können und er profitiert von unserer Erfahrung mit der Software.“ Das Sekretariat des BSZ stellte dem Unternehmen in anonymisierter Form die Schülerdaten zum Einrichten der Zugänge zur Verfügung. Somit sei der Datenschutz voll gewährleistet, da die Zuordnung von Zugang zu Schüler nur schulintern erfolge. Am Dienstag dieser Woche habe Schönig alle Kollegen des BSZ über das neue System informiert. „Es ist ein Angebot an sie, aber keine Pflicht es auch zu nutzen.“

Direkt in Kontakt

Schon etwas mehr als die Hälfte der Lehrkräfte würden aktuell davon Gebrauch machen, ergänzte er. Bisher hatte man andere Onlinesysteme wie beispielsweise „Moodle“ wenig genutzt. „Der große Vorteil der neuen Plattform ist echter Unterricht mit direktem Kontakt von Lehrern und Klasse“. Moodle und andere Systeme würden hingegen nur die Bereitstellung von Daten ermöglichen.

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„Die bisherigen Erfahrungen der Kollegen mit dem neuen System sind sehr gut.“ Einzige Einschränkung sei, man müsse einen passenden Browser verwenden. Für die Schüler sei diese Form des digitalen Unterrichts anstrengender als das bloße Bearbeiten von Material, bei dem man sich die Zeit frei einteilen könne. „Beim direkten Onlineunterricht muss man 90 Minuten dabei sein.“ Als organisatorisches Raster für die Zeiten des virtuellen Unterrichts dient der normale Stundenplan. „Absprachen über andere Zeiten sind zwischen Lehrern und Klasse aber möglich.“

Schönig nutzte das System erstmals für Wirtschaftsunterricht in seinem Kurs der Jahrgangsstufe 13 des Wirtschaftsgymnasium. Sie drehte sich um eine Stoffwiederholung und die Abiturvorbereitung im Thema „Prozesskostenrechnung“. Dazu habe er Folien mit dem Inhalten vorbereiten, die die Schüler bereits im Vorfeld abrufen konnten. „Die Schüler loggen sich ein und sehen dann das Unterrichtsmaterial.“ Das System biete aber darüber hinaus weitere Vorteile. „Über die Notizfunktion können Lehrer und Schüler gemeinsam das Material ergänzen oder neues erarbeiten, so wie bei einem Tafelbild.“ Alle Schüler können ihren Lehrer über die Videoverbindung live sehen. „Bei den Schülern gilt, Tonübertragung ist Pflicht, die eigene Webcam freiwillig.“ Auch die Schüler könnten sich austauschen. „Es sind sogar kleine Arbeitsgruppen möglich.“ Arbeitsblätter ließen sich digital ausfüllen. Ein weiterer Vorteil zeigte sich gleich zu Beginn der Stunde. „Mit dem Headset wird aber nicht nur Unterricht gemacht, du bist ein echter Gamer“, bemerkte Schönig zu einem Schüler. Das System ermögliche auch Gespräche und so ein soziales Miteinander, freute sich der Studiendirektor über die Möglichkeiten. Die Erklärung des neuen Systems war im direkten Dialog schnell geklärt, so konnte der Unterricht zeitnah starten und die Fragen der angehenden Abiturienten wurden direkt beantwortet.

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