Jubilar - Chronist, Autor und Schriftsteller Robert Bruckbauer feiert seinen 90. Geburtstag Bronnbach beschäftigt ihn bis heute

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ek
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Der gebürtige Bronnbacher Robert Bruckbauer wird heute 90 Jahre alt. © Kellner

Wertheim. Es gab – und es gibt sie noch immer, wenn auch von einem anderen Orden – die Mönche. Dann wären da die Fürsten. Und natürlich die sogenannten „einfachen Leute“. Robert Bruckbauer ist so etwas wie der Chronist ihres Lebens in Kloster Bronnbach. Er ist dort geboren und aufgewachsen und auch wenn er einst als „Nestflüchter“ in die weite Welt zog, sagt er doch noch immer: „Ich komme von Bronnbach nicht los.“ Heute feiert Robert Bruckbauer seinen 90. Geburtstag.

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In einem Schlafzimmer, das einst den Zisterziensermönchen als Schreibzimmer gedient hatte, erblickte der heutige Jubilar am 22. November 1928, morgens um halb sieben Uhr, das Licht der Welt. Die Volksschule in Bronnbach besuchte er gemeinsam mit der kleinen Hedwig Senfleben, die Jahre später, am 2. Januar 1964, seine Frau werden sollte. Geheiratet wurde in Hamburg, was aufzeigt, dass der Weg Bruckbauers, nach dem Abitur, das er 1949 ablegte und einer Brauerlehre in der Schlossbrauerei, die er trotz mancher Widrigkeiten mit der Prüfung erfolgreich abschloss, aus Bronnbach hinausführte.

Und das obwohl er, wie er in seinem Buch „Der Nestflüchter“ schreibt, hier „eine sorglose Kindheit verbrachte, mit allen Freiheiten, die sich ein Bubenherz nur wünschen konnte“. Doch: „Er musste raus aus dem Tal. Es war ihm zu eng. Er kannte hier jeden Baum, jeden Stein.“ Zunächst ging es nach Hamburg-Nienstedten, wo er in der Elbschlossbrauerei seine Gesellenzeit verbrachte. Das Studium an der Technischen Hochschule München-Weihenstephan folgte. Er schloss es 1956 als Diplom-Braumeister, Diplom-Brauingenieur ab. Im folgenden Jahr schiffte er sich auf der „Cap Verde“, einem kombinierten Frachter mit Platz für maximal acht Passagiere, nach Brasilien ein, kam schließlich über Rio de Janeiro nach Sao Paulo und blieb dort für Jahre, die er im Rückblick „ohne Abstriche“ zu seinen schönsten zählt. „Ich lebte dort wie Gott in Frankreich, besser ist es mir nie gegangen.“

Trotzdem kehrte er schließlich nach Deutschland, genauer nach Hamburg, zurück. Er wechselte von der Brauereibranche in den Maschinenbau, heiratete, wurde Vater eines Sohnes und einer Tochter und näherte sich am Ende auch geografisch wieder der alten Heimat. Seit 1975 lebt das Ehepaar Bruckbauer nun in einem Haus am Wartberg, das sie einst im Rohbau kauften und fertigstellen ließen. Mit dem Eintritt in den beruflichen Ruhestand 1993, zuletzt hatte er sich als Gutachter einer Kulmbacher Brauerei um die neuen Bundesländer gekümmert, wurde aus Robert Bruckbauer der Chronist, Autor, Schriftsteller.

„Allerhöchst und untertänigst“

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Im Jahr 2001 veröffentlichte er beim Historischen Verein Wertheim das Buch „Allerhöchst und untertänigst“. Seine Jugenderinnerungen „führen zurück in die fürstliche Zeit Bronnbachs und erzählen vom Alltagsleben in dem beschaulichen Ort im Taubertal“ am „Ausklang einer Epoche“, wie der Untertitel des Bandes lautet. Drei Jahre später folgte, im Eigenverlag, „Der Nestflüchter“, in dem es um seinen Weg von Bronnbach nach Brasilien geht. 2010 schließlich kam „Erinnerung an Bronnbach“ auf den Markt, wieder im Eigenverlag.

Häufig zählte der Jubilar zu den Referenten bei den „Bronnbacher Kamingesprächen“. Ob es noch einmal ein Buch geben wird? Bruckbauer weiß es nicht – oder will es nicht sagen. Er schreibt jedenfalls weiter und hat auch „zum Leidwesen meiner Frau“ eine ganze Menge in der Schublade liegen.

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Heute aber wird erst einmal Geburtstag gefeiert, im Kreis der Familie, zu der auch eine Enkelin gehört. ek