Ehrung

Bewährte Stützen der IG Metall

Insgesamt 350 Mitglieder für 25-, 40-, 50- und 60-jährige Zugehörigkeit ausgezeichnet

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© IG Metall

Odenwald-Tauber. Zahlreiche langjährige Mitglieder der IG Metall aus dem Main-Tauber-Kreis und dem Altkreis Buchen wurden am Samstag in der Tauberbischofsheimer Stadthalle im feierlichen Rahmen geehrt.

Harald Gans, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Tauberbischofsheim, erinnerte daran, dass coronabedingt in den vergangenen zwei Jahren die Jubilarehrungen unter würdigen Bedingungen nicht möglich gewesen seien. Gans übermittelte den Dank des Ortsvorstands für „viele Jahres des gemeinsamen Streitens für menschenwürdige Arbeit, Teilhabe an wirtschaftlichen Erfolgen, ein Stück Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft.“

Herausforderungen

Mit Blick auf die vergangenen Errungenschaften erwähnte der Redner jedoch auch die aktuellen Herausforderungen. So werde das Thema Transformation und Digitalisierung die Arbeitswelt nachhaltig verändern. „Dafür brauchen wir Antworten und Lösungen, um einen massiven Arbeitsplatzabbau für die Zukunft zu verhindern“, betonte er. Zudem sei die IG Metall aber auch mitten in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. „Die Beschäftigten brauchen dauerhaft eine Entgelterhöhung, weil die Lebensmittel und sonstigen Lebenshaltungskosten auch nicht morgen wieder den Preis von vorgestern haben, sondern wir uns dauerhaft auf höhere Kosten einstellen müssen“, so Gans. Im Ergebnis würde sich die IG Metall auf eine harte Auseinandersetzung vorbereiten, bis hin zur Urabstimmung mit Streik. „Dafür brauchen wir euch und eure Kampfkraft“, warb Gans um Unterstützung.

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Wie es im Bericht der Verantwortlichen weiter heißt, nannte Gans stellvertretend für alle 350 Jubilarinnen und Jubilare Veronika Hauke (ehemalige Verwaltungsangestellte der Geschäftsstelle), Marion Wacker (ehemalige politische Gewerkschaftssekretärin der Geschäftsstelle), Walter Baumann (ehemals Betriebsratsvorsitzender der Firma Getrag, heute Magna PT in Rosenberg und Ortsvorstandsmitglied), Heinz Kautzmann (ehemals Betriebsratsvorsitzender Firma Weinig in Tauberbischofsheim und Ortsvorstandsmitglied), Vinzenz Schäfer (ehemals Betriebsratsvorsitzender der Firma OKW), Hermann Zäuner (ehemals Betriebsratsvorsitzender der Firma Ruppel in Lauda und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der ehemaligen Gewerkschaft Holz und Kunststoff) sowie Gerd Koch (ehemaliger Erster Bevollmächtigter der Geschäftsstelle).

Für das Rahmenprogramm sorgten die „Listigen Elfen“ der Narrengesellschaft Strumpfkapp Ahoi mit einer Tanzeinlage sowie Peter Lorenz mit Unterhaltungsmusik. Die Bewirtung übernahmen Helferinnen und Helfer der Narrengesellschaft Strumpfkapp Ahoi.

Gerhard Baumann, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Tauberbischofsheim überbrachte die Grüße der Bürgermeisterin Annette Schmidt und des Stadtrats. Er führte aus, dass die Tarifautonomie demokratisch in der Bundesrepublik verankert sei und dies aus gutem Grund. Die IG Metall nehme dabei eine besondere Rolle ein, als starker Arbeitnehmervertreter und Verhandlungspartner. Sie verhandle Ergebnisse, die auch wegweisend für die anderen Branchen seien.

Fast philosophisch malte Baumann ein Bild: „Die Gesellschaft ist wie ein Gewölbe. Wenn sich in diesem die Steine, sprich die Menschen, gut gegenseitig stützen, hält die Gesellschaft gut zusammen. So ist es auch mit der Gewerkschaft, dessen Gewölbe von den Mitgliedern getragen wird, die sich gegenseitig stützen und so für Stabilität sorgen.“

Mit diesem Bild vor Augen gratulierte Baumann allen Jubilarinnen und Jubilaren. Mit dem Streben nach Solidarität und Toleranz und nach Gerechtigkeit sei die IG Metall ein starker Verfechter dieser Werte in der Stadt Tauberbischofsheim. Und das sei gut so.

Rasanter Wandel

Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine seien spürbar und die Gesellschaft und die Arbeitswelt wandele sich rasant. „Die Gewerkschaften zeigen, dass wir nur gemeinsam diese Werte der Solidarität, der Toleranz und Gerechtigkeit verteidigen können“, stellte der Redner fest. Aus seiner Sicht als Arbeitgeber, betonte Baumann, dass es wichtig sei, die Arbeit seiner Mitarbeiter gut zu honorieren. Denn das würde zu einem größeren Engagement und größerer Zufriedenheit führen.

Die Laudatio auf die Jubilarinnen und Jubilare hielt Klaus Stein, Personalleiter in der Vorstandsverwaltung der IG Metall in Frankfurt. Mit einem Blick auf die aktuelle Lage zeigte er die Umwälzungen in der Welt auf: „Die Gewissheit, in Ruhe und Frieden in einem gemeinsamen Europa zu leben, ist großen Unsicherheiten gewichen. Auch im Rest der Welt nehmen die Unruhen zu. Man könnte es sich fast nicht vorstellen“, erklärte er, und ging dabei vor allem auch auf die Situation im Iran ein, in der die Frauen unterdrückt und Frauenrechte bekämpft werden.

Angesichts der Arbeitswelt meinte Stein: „Wir stehen vor tiefen Umbrüchen in den Betrieben, vor großer wirtschaftlicher, persönlicher und gesellschaftlicher Unsicherheit. Wenn man heute Einkaufen würde, habe man für das gleiche Geld radikal weniger im Einkaufskorb und es sei wieder so weit gekommen, dass man sich überlege, ob man im Winter einen dicken Pullover in der Wohnung tragen solle, um die Heizung ein Grad runterdrehen zu können. „Wer hätte gedacht, dass wir wieder in eine solche Zeit kommen?“, sinnierte der Personalleiter.

Deshalb sei die Tarifrunde eine große Herausforderung. Die Politik reagiere mit Entlastungspaketen und Maßnahmen. Die IG Metall sei mit einer angemessenen Tarifforderung angetreten. Stein: „Nur Einmalzahlungen, wie sie die Arbeitgeber vorschlagen, sind mit Blick auf die dauerhaft anhaltende Steigerung der Lebenshaltungskosten nicht gerecht. „Die Solidarität der Mitglieder und Beschäftigten lässt uns in dieser Tarifrunde wieder zusammenstehen und für ein gutes Ergebnis kämpfen.“

Rückgrat

An die Jubilarinnen und Jubilaren gerichtet betonte er, dass diese der Mittelpunkt seien, jede und jeder an ihrem Platz, um den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Stimme zu geben für ein Stück mehr Gerechtigkeit in dieser Gesellschaft. Besonders beeindruckte stellte Stein fest: „Unter uns sind Menschen, die länger Mitglied der IG Metall sind, als ich alt bin. Und das freut mich sehr und macht mich stolz auf Euch, das Rückgrat der IG Metall.“

Im weiteren verlauf der Ehrung ging Stein auf Ereignisse in der deutschen und weltweiten Politik sowie in der Wirtschaft ein, und verwies auf Tarifabschlüsse und weitere Errungenschaften, welche die Gewerkschaften für die Arbeitnehmer erreicht haben. Dabei nahm er Geschehnisse vor 60, 50, 40 und 25 Jahren in den Fokus.

In seinen Schlussworten dankte Harald Gans allen, die zum Gelingen der Ehrungen beigetragen hatten. Zu den Jubilarinnen und Jubilaren sagte er: „Ihr habt nie an der Richtigkeit Eurer Mitgliedschaft gezweifelt und hattet, das hoffe ich, oft Grund, stolz darauf zu sein, ,Metaller’ oder ,Holzwurm’ zu sein.“