Corona-Krise - Freudenberger Team des Familien-, Senioren- und Integrationsbüros näht schon seit Wochen Masken / Waschbar und somit wiederverwendbar Beitrag für ein wenig mehr Schutz

Von 
Birger-Daniel Grein
Lesedauer: 
Viele Näherinnen und Näher engagieren sich für die Freudenberger Initiative, einfache Stoffmasken für Mund und Nase herzustellen. © Birger-Daniel Grein

Bund und Länder sprechen sich für das Tragen von einfachem Mund- und Nasenschutz in der Öffentlichkeit aus. Bereits vor Wochen widmeten sich Initiativen wie in Freudenberg diesem Ziel.

Die Zusammenarbeit mit Kirschfurt besteht weiter

Auch in Coronazeiten halten Freudenberg und seine bayerische Nachbargemeinde Kirschfurt eng zusammen. So können die Bürger des Nachbarorts den Freudenberger Einkaufsservice nutzen. Zudem unterstützen sie die Masken-Aktion und profitieren von diesem genauso wie die Freudenberger. Bürgermeister Roger Henning erklärte dazu, seine Mitarbeiterinnen im Familien-, Senioren- und Integrationsbüro (FSI) hätten ihm berichtet, dass die Kirschfurter Mitbürger begeistert und dankbar die Freudenberger Angebote annehmen und sich auch als Freiwillige daran beteiligen.

Zu den Auswirkungen der unterschiedlichen Regelungen in Baden-Württemberg und Bayern berichtete er am Montag, die Unterschiede wirkten sich zumindest nicht so aus, dass Probleme beim Miteinander an ihn herangetragen würden. Es sei aber trotzdem problematisch aufgrund der Grenzlage den Bürgern die Vorgaben zu erläutern. „In Bayern sind Eisdielen geöffnet – in Baden-Württemberg waren sie bis heute geschlossen. In Baden-Württemberg sind Baumärkte geöffnet und in Bayern geschlossen. Darf man nach Kirschfurt ohne triftigen Grund und so weiter.“ Bisher habe man aber „alle „Probleme auf kleinem Dienstweg gelöst“. bdg

AdUnit urban-intext1

Freudenberg. „Wir wollen durch die einfachen Mund-Nasen-Masken helfen, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen“, erklärt Petra Fiederling für das Team des Familien-, Senioren- und Integrationsbüros (FSI) der Stadt Freudenberg. Die Masken könnten Tröpfchen beim Sprechen, Husten und Niesen zurückhalten. „So tragen sie dazu bei, die Übertragung des Virus zu minimieren.“

Eines betont das FSI jedoch dabei besonders: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Gesichtsmasken nicht für medizinische Zwecke geeignet sind.“ Sie böten keinen wirkungsvollen Schutz gegen Infektionen für denjenigen, der sie trägt, „reduzieren aber in beschränktem Umfang die Verbreitung von Krankheitserregern durch den Träger“. Die Idee wurde vom FSI gemeinsam mit Bürgermeister Roger Henning in der Woche um den 25. März entwickelt. So startete man eine Initiative zum Nähen wiederverwendbarer Gesichtsmasken durch Ehrenamtliche. Auch die Materialien für die Masken werden von Bürgern gespendet. Nachdem die Idee geboren war, warb man für die Aktion.

So wurde die Idee über die WhatsApp-Verteiler des FSI und private Kontakte verbreitet, man verteilte gedruckte Anschreiben in Freudenberg, seinen Ortsteilen sowie in Kirschfurt, und die Info wurde auf den Internetseiten von Freudenberg und Collenberg veröffentlicht. Kurze Zeit später standen die Hinweis zur Aktion auch im Freudenberger Amtsblatt.

AdUnit urban-intext2

Bei den für die Maske empfohlenen Materialien orientiere man sich an den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Masken, die Mund und Nase bedecken, bestehen aus Baumwollstoffen, die bei mindestens 60 Grad waschbar sind. So können beispielsweise Geschirrtücher, Bettwäsche und Handtücher als Stoff zum Einsatz kommen. Weiterhin benötigt werden Schrägband, Gummibänder und Nähgarn. Das Material wird von Privatpersonen gespendet. „Wir haben am Anfang außerdem Stoffe von der Aktion ,Main Herz’ bekommen, die kurz vor uns mit einer Nähaktion von Masken gestartet ist“, berichtet Fiederling weiter. Bereits ein bis zwei Tage nach der ersten Bekanntmachung habe man erste Materialspenden bekommen. Aktuell fertigen rund 20 ehrenamtliche Männer und Frauen zu Hause daraus die Masken. Sie kommen aus der Kernstadt und den Ortsteilen, aber auch aus Dorfprozelten und anderen bayerischen Nachbarn der Freudenberger.

Lob für Engagement der Bürger

Beispielhaft berichtet Fiederling von einem Flüchtling, der in Freudenberg lebt. „Er näht gemeinsam mit seinem Schwiegervater Masken. Die Nähmaschine dafür hat ihnen der Burgschauspielverein ausgeliehen.“ Innerhalb einer Woche haben die beiden Männer 150 Masken genäht. „Und sie sind weiter dran“. Viel Lob hatte das FSI-Team für die anderen Näher. Jeder Bürger der eine Maske möchte, kann sich beim FSI telefonisch oder per E-Mail melden.

AdUnit urban-intext3

„Wir geben die Masken kostenlos ab.“ Spenden, die die Leute dennoch dafür geben, werde man später einem sozialen Zweck in Freudenberg zu Gute kommen lassen. Einige Gruppen hat man bereits besonders mit Masken bedacht. „Die Gastonomen, die einen Abholservice anbieten, und kleinere Geschäfte, die geöffnet haben.“ Der Rewe-Markt habe die Masken für seine Mitarbeiter selbst besorgt.

AdUnit urban-intext4

Weiterhin habe man den Feuerwehr-Aktiven Masken für den privaten Gebrauch geschenkt. Zudem wurden die Helfer des Einkaufsservice damit ausgestattet. Masken sollen auch die in Freudenberg wohnenden Schüler erhalten, die zuerst wieder die Schule besuchen dürfen. „Die Aktion geht weiter, und wir freuen uns über jeden der eine Maske möchte oder der mithelfen will.“ Wichtig ist dem FSI, dass Risikogruppen trotz des Tragens einer einfachen Mund-Nasen-Maske den Einkaufsservice nutzen. „Die Masken bieten keinen wirkungsvollen Eingenschutz.“

In den letzten Tagen steige die Nachfrage nach Masken. Besonderes Lob hatte Fiederling für den sehr engagierten 15-jährigen Marius Hildenbrand. Mit seinem Fahrrad mit Anhänger hole er Stoffe, fertige Masken an und verteile sie, außerdem habe er die Infoschreiben verteilt.

„Wir sind unglaublich glücklich, dass die Aktion so gut funktioniert und wir so viele Engagierte sowie Maskennutzer erreichen.“ Sehr bedeutsam sei dabei das Weitererzählen der Leute untereinander. Man habe in den Ortschaften Ansprechpartner, die sich dort um die Aktion kümmern. „Wir freuen uns sehr, dass alles so gut läuft.“

Großes Lob sprach Bürgermeister Roger Henning aus: „Das hohe Engagement, sowohl bei den Materialspenden als auch vonseiten der Näher und Näherinnen, ist bewundernswert. Vor allem freut mich, dass in allen Stadt- und Ortsteilen genäht wird und sich auch unsere ausländischen Mitbürger daran beteiligen. Dies zeigt, das unsere Integrationsarbeit erfolgreich ist“, betonte er.

Schnell in die Tat umgesetzt

Er freue sich, dass die Stadtverwaltung das Projekt sehr schnell in die Tat umsetzen konnte. „Mittlerweile wurden über 600 Gesichtsmasken gefertigt und verteilt. Das ist eine absolut beeindruckende Anzahl und es geht mit hohem Elan weiter. Bedanken möchte ich mich deshalb bei allen, die Material spenden, nähen oder bei der Organisation beteiligt sind.“ Zum Tragen der Masken stellte er fest: „Jeder entscheidet auf eigene Verantwortung, ob er oder sie eine Gesichtsmaske trägt“, mittlerweile ist Maske fürs Einkaufen und in Bus und Bahn ja Pflicht.

Die Gesichtsmasken würden in beschränktem Umfang die Verbreitung von Krankheitserregern reduzieren. „Somit dient das Tragen einer Gesichtsmaske dem Gemeinwohl. Und als Bürgermeister fühle ich mich dem Gemeinwohl verpflichtet.“ Wenn notwendig, trage auch er eine Gesichtsmaske. „Wenn ich damit mein Gegenüber schützen kann, mache ich das.“

Freie Autorenschaft