Warnstreik - Über 100 Teilnehmer bei Demonstrationszug und Verdi-Kundgebung / Gewerkschafterin: „Es ist genug Geld da!“ Arbeitnehmer gehen auf die Straße

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Gerd Weimer
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Der Verdi-Demonstrationszug am Dienstag auf dem Wertheimer Marktplatz. Die Teilnehmer pochen auf Forderungen im laufenden Tarifkonflikt. © Gerd Weimer

Wertheim/Tauzberbischofsheim. „Heute ist kein Arbeitstag, heute ist: Streiktag.“ – „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Kohle klaut.“ Laut skandierend zogen am Dienstag etwa 130 Verdi-Mitglieder aus dem Main-Tauber und dem Neckar-Odenwald-Kreis durch Wertheim, um auf die Forderungen im laufenden Tarifkonflikt aufmerksam zu machen. Die Verdi-Leute hatten sich an der Main-Tauber-Halle gesammelt und marschierten über die Hämmelsgasse und die Tauberbrücke in den Innenhof des Wertheimer Rathauses und von dort aus über den Marktplatz und die Rechte Tauberstraße zum Mainvorplatz.

Hintergrund: Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst

Die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind nach zwei Verhandlungsrunden festgefahren.

Für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen fordern die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Beamtenbund monatlich 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten.

Die Vergütung der Auszubildenden soll um 100 Euro angehoben, die Altersteilzeitregelungen sollen verbessert und die Arbeitszeit im Osten an die im Westen angeglichen werden.

Eine dritte Verhandlungsrunde ist für den 22./23. Oktober geplant.

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Hier gab es dann eine Kundgebung, auf der die Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp die Demonstranten auf den weiteren Arbeitskampf einschwor.

Vermögen ungleich verteilt

Die Arbeitgeber würden behaupten, dass angesichts der Pandemie nicht genügend Geld in den öffentlichen Kassen sei, so die Gewerkschafterin. Die Gesellschaft sei aber reich wie nie zuvor, hielt sie dem entgegen. Der Reichtum sei nur ungleich verteilt: „Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen mehr als die Hälfte, die ärmere Hälfte dagegen nur 1,3 Prozent des gesamten Vermögens.“

„Es ist genug Geld da!“

Die Politik müsse sich endlich trauen, „an diese Privatvermögen und an die Gewinne der Konzerne ranzugehen“, forderte Katharina Kaupp. An die öffentlichen Arbeitgeber gerichtet, rief sie: „Es ist genug Geld da. Holt es Euch und zahlt es denen, die es brauchen!“

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Harsch kritisierte sie die bisherige Verhandlungsstrategie der Arbeitgeber: Sie hätten eine Verschiebung der Tarifrunde gegen eine Einmalzahlung abgelehnt und gedacht, sie könnten eine dreijährige Nullrunde durchsetzen. Dem Vorwurf, Streiks seien angesichts der Pandemie nicht angemessen, entgegnete Katharina Kaupp: „Hier streiken diejenigen, de den Laden am Laufen halten.“

In den Kitas sei die Notbetreuung organisiert und geschlossene Einrichtungen auf Vordermann gebracht worden. Die Gemeindeverwaltungen hätten die Daseinsvorsorge gewährleistet.

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Deutlich erhöhtes Müllaufkommen habe man entsorgen müssen. In der Altenpflege, der Behinderten- und Jugendhilfe habe man dafür gesorgt, dass die am meisten gefährdeten Menschen geschützt und gut versorgt seien.

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Und in den Kliniken habe man sichergestellt, dass schwerkranke Covid-19-Patienten beste medizinische Versorgung bekommen haben. Alle hätten „ohne Zögern zusammengestanden und es ermöglicht, dass das Land einigermaßen gut durch die Krise kommt“.

Keine Einschränkungen

Katharina Kaupp kündigte weitere Warnstreiks an. Demnach sind dann aber Heilbronn sowie Crailsheim betroffen.

Bei den Stadtverwaltungen in Tauberbischofsheim und Wertheim kam es trotz des Streiks nicht zu Beeinträchtigungen.

In Tauberbischofsheim hätten lediglich sechs von etwa 230 Mitarbeitern die Arbeit niedergelegt, berichtete Sprecherin Helga Hepp auf FN-Anfrage. Angela Steffan, Sprecherin in Wertheim, konnte die Anzahl der Streikenden nicht beziffern. Die Kitas seien nicht betroffen gewesen. Es habe keine Einschränkungen bei den städtischen Dienstleistungen gegeben.

Redaktion Teamleiter Redaktion Wertheim