Amtsgericht - Schulden mit Gewalt eingetrieben

Angeklagter erhält letzte Chance

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goe
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Wertheim. Zwei Cousins, 27 und 23 Jahre alt, wollten in Bestenheid bei einem anderen Mann „200 Euro Schulden“ eintreiben. Dabei waren sie gewalttätig. Sie mussten sich im Januar beim Amtsgericht Wertheim wegen gefährlicher (weil zu zweit) Körperverletzung, versuchter Nötigung und versuchter gefährlicher Körperverletzung verantworten (wir berichteten).

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Da auch der Geschädigte Anteil an der Auseinandersetzung hatte, wie eine Zeugin berichtete, waren in einer Verhandlung im Januar Staatsanwaltschaft und Gericht bereit, das Verfahren gegen Zahlung von je 500 Euro vorläufig einzustellen. Die Angeklagten stimmten zu.

Der Jüngere zahlte, wie vereinbart, an das Projekt Chance e.V. in Creglingen, eine gemeinnützige Einrichtung des Jugendstrafvollzugs. Sie bemüht sich um den nahtlosen Übergang vom Strafvollzug zur Bewährung. Sein Verfahren wurde endgültig eingestellt.

Der Ältere „konnte das Geld nicht aufbringen“, machte dem Gericht auch keine Mitteilung, und so wurde sein Verfahren wieder aufgenommen. Die Richterin gab jetzt dem Arbeitslosen, bisher nicht vorbestraft, eine letzte Chance. Wenn er sich, wie auch immer, zum Beispiel durch Hilfe der Eltern, die 500 Euro beschafft und den Nachweis erbringt, dass das Geld beim Projekt Chance eingegangen ist, alles innerhalb einer Woche, wird das Verfahren doch noch endgültig eingestellt. Andernfalls ergeht, ohne erneute Verhandlung, ein Urteil. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft dazu lautet 40 Mal 15 Euro.

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Zur Verhandlung geladen war auch eine Zeugin, die bereits in der Januar-Verhandlung ausgesagt hatte. Zur jetzigen Verhandlung war sie erneut geladen, fehlte aber ohne Entschuldigung. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging ein Ordnungsgeld von 150 Euro. goe