Coronaauswirkungen - Deutlicher Spendeneinbruch macht Betrieb des Wertheimer Tierheims schwierig / Nachfrage nach Haustieren im Lockdown merklich gestiegen Aika hat jetzt ein Hundebettchen

Von 
Heike Barowski
Lesedauer: 

Reinhardshof. „Es ist völlig verrückt, wie viele Menschen jetzt ein Haustier haben wollen – nur weil sie durch Kurzarbeit oder Homeoffice zuhause sind“, sagt Monika Eggerer, Leiterin des Wertheimer Tierheims, und schüttelt den Kopf. Zeitweise konnte sie sich vor Anfragen kaum retten. Selbst vor dem Tor des Tierheims standen die Leute. Zwei Wochen vor Weihnachten klingelte im zehn-Minuten-Takt das Telefon, weil alle eine Babykatze haben wollten, die sie am 24. Dezember abholen würden. Eggerer spricht von einem regelrechten „Bombardement“, dessen Bearbeitung für sie enorm zeitaufwenig war.

Die Bewohner des Wertheimer Tierheims, wie Rocky, freuten sich dank einer öffentlich einsehbaren Wunschliste über Hundebetten und -decken zu Weihnachten. © Theodora-Brand-Tierheim

Keine Ausnahme gemacht

AdUnit urban-intext1

Doch „Moni“, wie sie liebevoll von ihren Mitarbeitern genannt wird, macht zu Recht auch in dieser schwierigen Zeit keine Ausnahme bei der Vermittlung von Tieren. Im Gegenteil. Sie mahnt immer wieder vor Kurzschlussreaktionen: „Was soll denn werden, wenn alles wieder normal läuft? Wer hat dann noch Zeit für das aus Langeweile angeschaffte Haustier?“

Dazu komme, dass man es im Heim oft mit schwierig zu händelnden Tieren zu tun habe, weil diese entweder stark pflegebedürftig oder verhaltensauffällig sind. Bei so einer Vermittlung müssen die neuen Besitzer mehr als nur Vorkenntnisse mitbringen, erklärt Eggerer.

Derzeit haben im Wertheimer Tierheim 16 Hunde und 20 Katzen ein Zuhause gefunden. „Bei uns läuft alles normal weiter“, sagt die Tierheimleiterin. Will heißen: Die Tiere bekommen jegliche Pflege und Aufmerksamkeit, die notwendig ist, genügend Auslauf und vieles mehr.

AdUnit urban-intext2

Im Laufe des Gesprächs erzählt sie dann doch von den Veränderungen durch Corona und Lockdown. Um eine Ansteckung zu vermeiden, habe der Tierschutzverein Wertheim bereits im März beschlossen, den Gassigehern eine Absage zu erteilen. Wie Eggerer berichtet, sind viele von ihnen in Berufen tätig, die durchaus mit Risikopatienten oder mit erkrankten Menschen in Berührung kommen. Auch die Anzahl der freiwilligen Helfer im Tierheim hat die umsichtige Leiterin auf vier begrenzt. „Diese vier können alle mit unseren Tieren umgehen. Von denen darf dann aber niemand ausfallen, sonst muss ich das Heim schließen. Das wäre erst recht furchtbar. Deshalb – wir müssen uns einfach schützen“, sagt sie mit Nachdruck. Dass alle fünf Kräfte, einschließlich Eggerer, nun um so mehr gefordert sind, ist logisch.

Das Wegfallen der Öffnungszeiten dagegen habe keine Probleme bereitet, weil viele Sachverhalte per Mail oder Telefon besprochen oder gelöst werden konnten.

AdUnit urban-intext3

Eine weitere Herausforderung, mit der das Tierheim zu kämpfen hat: der sehr deutliche Rückgang des Spendenaufkommens seit März. „Es sind in der Regel sowieso nur Menschen, die wenig verdienen, von denen wir Spenden erhalten. Und wenn diese dann in Kurzarbeit sind, ist es klar, dass sie diesen Beitrag einkürzen oder streichen.“ Auch wenn Eggerer volles Verständnis dafür hat, wird die finanzielle Situation des Tierheims recht unkalkulierbar. Damit gleichen im Moment die Entscheidungen über die Ausgaben einem Balanceakt.

AdUnit urban-intext4

Die vor Weihnachten ins Leben gerufene Wunschliste auf Amazon brachte eine Entspannung. Wer dem Tierheim helfen wollte oder noch will, kann dies über einen Link auf der Facebook-Seite des Tierheims tun. Auf der digitalen Wunschliste waren und sind Artikel gelistet, die das Tierheim dringend benötigt.

Noch ist die Liste nicht leer. Schutzkrägen in verschiedenen Größen, eine selbstheizende Decke für Katzen und Hunde, Rinti-Hundefutter, Klumpstreu, Baldriantropfen für Tiere oder Einmalhandschuhe sind da zu finden.

„Unsere Hündin Aika wollte nie in einem Körbchen schlafen. Nicht mal einen Lattenrost hat sie angenommen. Aber das Hundebettchen, was als ,Weihnachtsgeschenk’ auf dieser Liste stand und gesponsert wurde, das liebt sie. Für mich ist das eine tolle Erfolgsgeschichte, weil Aika eben nun nicht mehr auf dem nackten Fußboden schläft.“ Die Rührung ist Monika Eggerer deutlich anzumerken.

Und noch ein weiterer Umstand rührt sie: die fast auf gleichem Niveau gebliebenen Futterspenden. „Wir haben erst letzte Woche die Box im Kaufland geleert. Nach nicht einmal einer Woche kam schon wieder der Anruf, dass sie voll sei. Das ist doch toll!“ Die Spendenbox unmittelbar vor dem Tierheim wird immer wieder von tierlieben Menschen gefüllt.

Auch das jahrelang angestrengte Verhältnis zur Stadtverwaltung ist inzwischen auf einem guten Weg, wie Eggerer berichtet – und das nicht nur, weil der Oberbürgermeister und seine Frau als Gassigeher und neue Hundebesitzer sich einen Namen gemacht haben.

Allerdings hat Corona die Verhandlungen zum Stocken gebracht. Monika Eggerer ist aber sehr zuversichtlich, dass die Verhandlungen in Zukunft wieder aufgenommen werden und am Ende beide Seiten davon profitieren.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim